EISHOCKEY: Kossmann stand abrufbereit

Ist Ambri unter Hans Kossmann (53) besser geworden? Ja. Schliesslich konnte sich der neue Trainer fast sieben Monate lang auf seinen neuen Job vorbereiten.

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Ambri-Trainer Hans Kossmann instruiert seine Spieler beim siegreichen Spiel gegen Fribourg (5:2) und sagt: «Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich in den ersten drei Spielen gesehen habe.» (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Ambri-Trainer Hans Kossmann instruiert seine Spieler beim siegreichen Spiel gegen Fribourg (5:2) und sagt: «Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich in den ersten drei Spielen gesehen habe.» (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Ambri hat unter neuer Leitung in vier Tagen drei Partien gespielt und ist dabei nach 60 Minuten nicht besiegt worden. 3:2 nach Penaltys im Cup in La Chaux-de-Fonds, 5:2 in Fribourg (Gottérons erste Heimniederlage) und schliesslich ein bitteres 2:3 n. V. gegen Biel. Sportchef Ivan Zanatta ist zufrieden. «Wir spielen jetzt kompakter. Wir sind besser. Mir gefällt die Arbeit von Hans Kossmann.»

Der neue Trainer ist rasch heimisch geworden. Und das ist kein Wunder. Hans Kossmann sagt, er sei von Ambri im letzten Frühjahr erstmals kontaktiert worden. «Filippo hat mich im März zum ersten Mal angerufen.» Filippo ist Filippo Lombardi, Ambris charismatischer Präsident. Auf die Frage, ob er also schon seit Monaten wusste, dass er Trainer in Ambri wird, antwortet Hans Kossmann ausweichend und gemahnt an die Katze, die soeben beim Naschen erwischt worden ist: «Ich habe die Verhandlungen zum ersten Mal einem Agenten überlassen. Daniel Giger hat das für mich erledigt ...»

Die Erklärung für das Missgeschick

Die Ablösung von Serge Pelletier ist also langfristig und auf höchster Ebene vorbereitet worden. Nun wird klar, warum Serge Pelletier im April überraschend als Sportchef abgesetzt worden ist, aber als Trainer bleiben durfte. Es wäre nicht klug, die sportliche Planung einem Mann zu überlassen, den man entlassen wird. «Gouverner c’est prévoir» – diesen Grundsatz kluger politischer Führung («Regieren bedeutet vorausschauen») kennt der grosse Staatsmann Filippo Lombardi. Aber neue Trainer kosten Geld. Mit jedem Tag im Amt sparte Serge Pelletier Ambri das Geld für seinen wartenden Nachfolger Hans Kossmann.

Der überraschend gute Start (drei Siege in den drei ersten Spielen) hat beim Sparen geholfen. Erst am 25. Oktober war dann nach dem 3:6 in Lugano, der vierten Niederlage in Serie, der Zeitpunkt zum Trainerwechsel gekommen. Nie erzielt der Präsident mit einer Trainerentlassung seine so hohe Zustimmung beim Volke wie nach einer Niederlage gegen Lugano. Schliesslich will Filippo Lombardi wieder zum Ständerat gewählt werden.

Anders als von Sportchef Ivano Zanatte erwartet, hat Kossmann nach dem bitteren 2:3 n. V. gegen Biel noch nicht getobt. Obwohl er dazu ja Grund gehabt hätte. Ausgerechnet Mikko Mäenpää löste mit einem Pass auf die Stockschaufel von Biels Topskorer Tim Stapleton die Niederlage in der Verlängerung aus. Aber der finnische Verteidigungsminister hat eine plausible Erklärung für sein Missgeschick: «Als ich den Puck spielte, war kein Bieler zu sehen. Aber auf einmal tauchte da einer auf.» Sozusagen wie ein Phantom. Und das am Halloween-Weekend. Es ist eine Erklärung. Keine Ausrede: Tim Stapleton sprang tatsächlich genau in dem Moment im fliegenden Wechsel über die Bande, als Mikko Mäenpää den Angriff auslöste.

Die Kunst grosser Bandengeneräle

So ist es kein Wunder, dass Hans Kossmann nach dem Spiel gnädig gestimmt war. «Das war einfach Pech. Mikko ist ein Leader in unserer Mannschaft. Ich mag seine Leidenschaft. Er ist wahrlich nicht einfach hier, um seine Karriere ausklingen zu lassen.» Ambris neuer Trainer zieht eine positive erste Bilanz: «Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich in den ersten drei Spielen gesehen habe. Wir haben drei Partien in vier Tagen gespielt, und bei solcher Belastung ist das Gehirn der erste Muskel, der ermüdet. Dann passieren eben Fehler. Es wäre sehr ungeschickt, in die Enttäuschung hinein noch böse zu sein. Die Spieler brauchen jetzt Aufmunterung.» Wissen, wann es Zeit ist, böse und laut zu sein und wann leise und weise – das ist die grosse Kunst der grossen Hockey-Bandengeneräle. Erst recht in Ambri.


Klaus Zaugg