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EISHOCKEY: Kyle Wellwood auf den Spuren von Todd Elik

Am 13. Oktober endet sein Vertrag beim EVZ. Aber Kyle Wellwood (30) möchte in Zug längerfristig rocken und rollen. So wie einst sein Cousin: Todd Elik.
Nicola Berger
Kyle Wellwood vor der «Wall of Fame» des EV Zug, auf der er den Namen seines Cousins Todd Elik per Zufall entdeckte. (Bild Maria Schmid)

Kyle Wellwood vor der «Wall of Fame» des EV Zug, auf der er den Namen seines Cousins Todd Elik per Zufall entdeckte. (Bild Maria Schmid)

Es ist Dienstag, kurz nach 22 Uhr, und Kyle Wellwood steht verschwitzt und mit Seitenscheitel vor der Gästekabine im Zürcher Hallenstadion. 4:7 hat der EV Zug gerade verloren. Wellwood hat nicht gut gespielt. Wieder einmal. Sieben Partien hat der Kanadier für den EVZ bisher bestritten, und die Bilanz spricht nicht für ihn: 1 Tor/2 Assists. Konstanz war noch nie die grosse Stärke von Wellwood, vermutlich ist das einer der Gründe dafür, warum er sich an diesem Abend in Zürich befindet und nicht in Übersee, wo die NHL just an diesem Tag ihren Spielbetrieb wieder aufnahm.

Sein befristeter Vertrag beim EVZ endet am 13. Oktober, und eigentlich möchten die Zuger den polyvalenten Angreifer gerne halten. In seiner besten NHL-Saison produzierte Wellwood für Winnipeg 2011/12 47 Skorerpunkte. In der NLA hat er das Potenzial zum Liga-Topskorer. Er ist schnell, er hat gute Hände, aber vor allem ist er intelligent – auf und neben dem Eis.

Das Trio aus guten, alten Zeiten

Aber Trainer Doug Shedden, Wellwoods grösster Fürsprecher, braucht Argumente, um die Führungscrew von der Dringlichkeit, Wellwoods Vertrag zu verlängern, überzeugen zu können. Bisher liefert der Mann aus Windsor, Ontario, diese nicht. Selbstkritisch sagt er: «Ich habe bisher erst ein gutes Spiel gemacht.»

Es ist nicht so, dass Wellwood anderswo keinen Job erhielte. Wird er in Zug nicht weiterbeschäftigt, wird er bei einem anderen Klub unterkommen und wohl sogar mehr verdienen – in Russland beispielsweise. Die Sache ist bloss: Wellwood will nicht weg. Er kennt Shedden und Center Josh Holden aus gemeinsamen Zeiten in St. Johns, wo sich das Trio während der AHL-Saison 2003/04 kennen und schätzen lernte.

Ironischerweise ist Wellwoods enge Verbindung zu Holden Teil des Problems. Shedden sieht die beiden Techniker als kongeniales Duo und hat Wellwood auch schon an Holdens Flanke eingesetzt. Dabei wäre Wellwood als Center der zweiten Linie wohl besser aufgehoben. Wie gut ihm die Mittelstürmerposition liegt, lässt sich anhand der Statistik ablesen: Wellwoods Bully-Erfolgsquote von 61,4 Prozent ist teamintern der Bestwert.

Ganz grundsätzlich überrascht die lange Formsuche des Kanadiers nicht. Er weist einen Trainingsrückstand von sechs Wochen auf, weil er am 24. August seine Verlobte Bianca heiratete und der Hochzeitstermin seit über einem Jahr feststand. Wellwood verpasste entsprechend die gesamte Saisonvorbereitung, was auch der Grund war, weshalb die Verhandlungen mit Kloten und Servette zu keinem Abschluss führten.

Wellwoods Hochzeit fand in Windsor statt, dieser Kleinstadt auf der gegenüberliegenden Flussseite des serbelnden Molochs Detroit. Rund 100 Personen nahmen an der Feier teil, zum grossen Teil, natürlich, Familienangehörige. Trauzeuge war Wellwoods Bruder Eric (23, 42 NHL-Spiele für Philadelphia). Der hierzulande prominenteste Verwandte fehlte indes: Todd Elik (47). Das langjährige Enfant terrible des Schweizer Hockeys ist ein Cousin zweiten Grades von Wellwood – und wie dieser hat auch Elik für den EVZ gespielt: Zwischen 2000 und 2002 produzierte er eine Menge Skorerpunkte (115) – und noch mehr Schlagzeilen.

Die Entdeckung in der Bossard-Arena

«Ich habe gehört, er sei ein paar Mal wegen Alkohol am Steuer verhaftet worden», sagt Wellwood, der vom gewaltigen Bekanntheitsgrad seines Cousins in hiesigen Gefilden nichts ahnte. «Ich habe seinen Namen zufällig an der Wand entdeckt, als ich durch das Stadion schlenderte», sagt Wellwood. In der «Wall of Fame» der Bossard-Arena sind etliche verdiente Ex-Profis verewigt worden: Red Laurence, Wes Walz zum Beispiel, und eben auch Elik.

Doch wie eng ist die Bande zwischen Wellwood und dem heute in Regina als Anzeigeverkäufer tätigen Elik? Wellwood sagt: «Als Kind hatte ich keinen Kontakt zu ihm. Aber später haben wir uns ein paar Mal gesehen. Er ist ein sehr netter Kerl. Und unsere Kinder sind im gleichen Spital in Kalifornien zur Welt gekommen.»

Aber wie viel Elik steckt in Wellwood? Hockeytechnisch sehr viel. Das Duo verbindet nicht nur das Wirken auf der Center-Position, sondern auch eine überragende Vista, die Gabe der Hockey-Götter, Spiele im Alleingang zu entscheiden. Verhaltenstechnisch dafür wenig. Im Gegensatz zum wilden Elik mit seinem breit dokumentierten, ausschweifenden Lebensstil, wirkt Wellwood lammfromm. In seiner Freizeit liest er Biografien und befasst sich mit Politik.

Den Zugern soll es recht sein. Sollte sich Wellwood auf Sicht als von Eskapaden befreiter Elik entpuppen, hätte der EVZ so etwas wie den perfekten Ausländer gefunden.

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