EISHOCKEY: Langnau und die «halben» Goalies

Bei der zweiten Station auf seiner Berner Rundreise trifft der EV Zug heute auf die SCL Tigers. Die Langnauer setzen so konsequent wie kein anderer Klub auf eine Doppellösung im Tor.

Klaus Zaugg
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Damiano Ciaccio (links) und Ivars Punnenovs teilen sich die Arbeit bei den SCL Tigers. Bild: Pius Koller/Freshfocus (Langnau, 19. Januar 2016)

Damiano Ciaccio (links) und Ivars Punnenovs teilen sich die Arbeit bei den SCL Tigers. Bild: Pius Koller/Freshfocus (Langnau, 19. Januar 2016)

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Die SCL Tigers sind ein «halber SC Bern». Das zeigt sich etwa bei den Zuschauerzahlen und im Umsatz, vor allem aber im sportlichen Bereich. Beim Torhüter. Grosse Hockeyunternehmen, zu denen neben den ZSC Lions und dem SCB heute auch der EV Zug gehört, können sich einen grossen Torhüter leisten. Also einen, der, falls nötig und gesund, dazu in der Lage ist, alle Spiele einer Saison zu bestreiten. Wie Leonardo Genoni in Bern, Lukas Flüeler in Zürich und Tobias Stephan in Zug.

Kleine Teams können sich solche Stars nicht leisten. Sie kosten zu viel, über 400 000 Franken im Jahr. Grosse Goalies wechseln auch nicht zu kleinen Teams. Jonas Hiller ist in Biel die Ausnahme. Er war in Davos ja schon Meister und steht im Karriere-Herbst.

Keine Freundschaft, aber professioneller Respekt

Was, wenn das Geld nicht für einen Titanen reicht? Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Variante eins: ein «halbgrosser» Goalie. Gut genug, ab und zu Spiele zu gewinnen, aber nicht gut genug, um regelmässig Niederlagen abzuwenden. Goalies wie Sandro Zurkirchen (Ambri), Benjamin Conz (Gottéron), Robert Mayer (Servette) oder Elvis Merzlikins (Lugano). Variante zwei: zwei «halbe» Goalies, die sich die Arbeit teilen. Im Ansatz haben Davos (Gilles Senn, Joren van Pot­telberghe) und Kloten (Martin Gerber, Luca Boltshauser) diese Lösung gewählt.

Doch niemand setzt so konsequent auf eine Doppellösung wie Langnaus Trainer Heinz Ehlers. Bisher ist Damiano Ciaccio in 26 und Ivars Punnenovs in 27 Partien zum Zuge gekommen. Bei den Tigers haben erstmals in der neueren Hockey-Geschichte zwei ehrgeizige Individualisten im besten Alter ihren Frieden auf Augenhöhe gefunden. Beide geben zwar offen zu, dass sie ausserhalb des Hockeys keine Zeit miteinander verbringen. Ciaccio (Fangquote 91,74 Prozent) sagt: «Wir sind Kumpel, keine Freunde. Aber wir respektieren uns, und wenn wir einander helfen können, dann tun wir es.» Punnenovs (Fangquote 90,92 Prozent) ergänzt: «Ich bin nicht zufrieden, wenn ich nicht spielen darf. Aber wir unterstützen uns gegenseitig, wo wir können.»

Es ist eine erstaunliche Koexistenz. Da hilft wohl auch, dass beide Verträge bis 2019 haben und von ihrer Persönlichkeit, Herkunft und den Karriere-Aussichten her verschiedener nicht sein könnten. Ciaccio (28) weiss inzwischen, dass er seine Karriere mit dem Vertrag in Langnau gekrönt hat. Für Punnenovs (22) ist Langnau hingegen nur eine Station auf dem Weg nach weiter oben. Ciaccio stammt aus einer sizilianischen Einwandererfamilie und hat den roten und den italienischen Pass. Punnenovs ist lettischer Staatsbürger, kam als Junior in die Schweiz (daher die Schweizer Lizenz) und hatte seinem Agenten nach dem Abstieg mit den Rapperswil Jona Lakers gesagt: «Besorge mir einen Job in der NLA – egal wo.»

Der EV Zug hat am vergangenen Dienstag gegen den «ganzen» SCB verloren (1:4). Ein Sieg heute gegen die SCL Tigers, gegen den «halben SCB», darf gefordert werden.