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EISHOCKEY: Lengwiler: «Wir haben uns überschätzt»

Hinter dem EV Zug liegt eine bewegte Woche: Trainer und Sportchef mussten gehen. CEO Patrick Lengwiler bezieht Stellung.
Interview Nicola Berger
EVZ-CEO Patrick Lengwiler lehnt sich an die Bossard-Arena in Zug und blickt auf eine missglückte Saison zurück. (Bild Stefan Kaiser)

EVZ-CEO Patrick Lengwiler lehnt sich an die Bossard-Arena in Zug und blickt auf eine missglückte Saison zurück. (Bild Stefan Kaiser)

Patrick Lengwiler, warum musste Coach Doug Shedden gehen?

Patrick Lengwiler: Die Arbeit eines Trainers mit der Mannschaft ist sehr intensiv, daher gibt es natürliche Abnützungserscheinungen. Wir waren uns intern einig, den im April 2015 auslaufenden Vertrag nicht noch einmal zu verlängern. Deshalb haben wir uns entschieden, den Neuanfang nach dieser unbefriedigenden Saison zu machen.

Es gab im Umfeld Kräfte, die sich die Entlassung früher gewünscht hätten.

Lengwiler: Dessen bin ich mir bewusst. Man kann nur mutmassen, ob wir mit einem früheren Wechsel besser abgeschnitten hätten. Bern hat es mit drei verschiedenen Trainern versucht und kam auch nicht weiter. Wären wir der Überzeugung gewesen, dass es am Coach liegt, hätten wir ihn ausgetauscht. Aber das war nicht der Fall.

Was wird das Erbe Sheddens sein, wenn man sich in ein paar Jahren an ihn erinnert?

Lengwiler: Für mich hat er das Optimum herausgeholt: Fünf Mal Halbfinal, der Qualifikationssieg, mehr war nicht drin. Unvergessen ist für mich seine ehrliche, direkte Art. Sie war manchmal schmerzhaft. Aber dem Klub hat das gut getan.

Die Saison war mit Nachkäufen auf dem Transfermarkt schon so teuer, nun müssen Sie womöglich auch noch Shedden auszahlen. Kann der Klub die Entlassung finanziell verkraften?

Lengwiler: Vor sechs, sieben Jahren hätte uns eine solche Saison umgehauen. Jetzt sind wir besser aufgestellt. Wir haben in dieser Saison erhebliche Umsatzeinbussen erlitten, dem gegenüber steht ein Malus bei den Spielerlöhnen. Die Spieler partizipieren am Misserfolg, wie sie es auch im Erfolg tun. Insgesamt werden wir jedoch einen Verlust schreiben.

Was, wenn sich das Seuchenjahr wiederholt?

Lengwiler: Das wird nicht passieren.

Und wenn doch?

Lengwiler: Ich glaube an dieses Team.

Also stellen Sie die Qualität der Equipe nicht in Frage?

Lengwiler: Nein. Dieses Jahr haben zu viele Leistungsträger ihre Leistung nicht gebracht. Aber ich bin überzeugt, dass wir mehr können. Das haben wir in den letzten Jahren bewiesen.

Im Sommer kommen mit Stephan, Grossmann und Bürgler drei Nationalspieler. Viele Fans erwarten, dass das Playoff 2014/15 ein Selbstläufer wird.

Lengwiler: Davor warne ich. Diese Saison hat doch genau gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist. Wir haben uns überschätzt und verschiedene Zeichen falsch gedeutet – dafür haben wir gebüsst, die Lektion war schmerzhaft. Aus Fehlern sollte man lernen.

Wie meinen Sie das?

Lengwiler: Vor der Saison wären viele nicht zufrieden gewesen, wenn wir es wieder «nur» bis in den Halbfinal geschafft hätten. Dabei war das eine hervorragende Leistung. Ein bisschen mehr Demut wird uns nicht schaden.

Die oben genannten Transfers lösten bei manchem Meisterträume aus.

Lengwiler: Über die Meisterschaft brauchen wir im Moment nicht zu reden, nicht nach einem solchen Jahr. Aber natürlich muss dies im Sport das angestrebte Ziel sein.

Während der am Dienstag beginnenden Platzierungsrunde muss man befürchten, dass die Bossard-Arena gähnend leer bleibt. Was wollen Sie tun, um die Halle zu füllen?

Lengwiler: Ich kann diesen Spielen nicht mehr Bedeutung andichten, als sie tatsächlich haben. Sobald wir gerettet sind, geht es nicht mehr um viel. Unsere Mannschaft wird jedoch gutes Eishockey zeigen wollen, und wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Zuschauer die Saison mit uns beenden. Die Preise bleiben wie in der Qualifikation. Mit sämtlichen Vergünstigungen würden wir unsere treuen Saisonkartenbesitzer verärgern. Das machen wir nicht.

Sie haben sich nach den Entlassungen von Shedden und Horak an die Mannschaft gewandt. Mit welchem Inhalt?

Lengwiler: Ich habe gesagt, dass wir sehr genau hinschauen werden, wer sich in dieser Platzierungsrunde wie präsentiert. Für mich ist das eine Frage des Charakters. Wir wollen uns anständig von den Fans verabschieden.

Mit dem neuen Sportchef Reto Kläy verhandelten Sie schon vor zwei Jahren, holten dann aber Horak. Warum war Kläy damals zweite und jetzt erste Wahl?

Lengwiler: Ich hatte bei Reto schon damals ein gutes Gefühl, wir favorisierten damals aber eine Zuger Lösung. Nun komme ich auf meinen Entscheid zurück und freue mich, dass es mit Kläy nun doch noch geklappt hat.

Man munkelt, Paul Di Pietro werde Kläy als Chefscout unterstützen.

Lengwiler: Richtig ist, dass wir den Scoutingbereich professionalisieren wollen. Aber wir haben weder entschieden, wie wir das organisieren werden, noch wer es abdecken soll. Reto Kläy wird sich hierrüber Gedanken machen.

Kläy wird in Absprache mit Ihnen auch den neuen Trainer suchen. Wie sieht das Anforderungsprofil aus?

Lengwiler: Der neue Mann muss unsere Zukunftsstrategie mittragen. Das heisst, dass er erfolgreiches und attraktives Eishockey spielen lässt, gleichzeitig aber unsere Talente eingliedern und weiterentwickeln soll.

Klingt nach einem schönen Spagat.

Lengwiler: Stimmt, aber an Kandidaten mangelt es nicht ...

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