EISHOCKEY: Lukas Sieber - der neue Mann fürs Grobe

Er hat das, was nicht die Stärke des EV Zug ist. Und der EVZ hat das, was ihm abgeht: Darum kann das Experiment mit Neuzugang Lukas Sieber (21) gelingen. Los geht es am Wochenende.

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Mit Davos-Trainer Arno del Curto nicht klargekommen: Zug-Flügel Lukas Sieber (am Donnerstag in der Bossard-Arena). (Bild: Stefan Kaiser)

Mit Davos-Trainer Arno del Curto nicht klargekommen: Zug-Flügel Lukas Sieber (am Donnerstag in der Bossard-Arena). (Bild: Stefan Kaiser)

Andreas Ineichen

Es sind ziemlich genau sechs Wochen bis zum Beginn der Playoffs, und wenn es rein nach der Begabung der Mannschaften ginge, hiesse der Final ZSC Lions gegen Zug. Das sind die nach heutigem Stand produktivsten Mannschaften und defensiv stabilsten der NLA-Qualifikation, und sie treffen heute (19.45 Uhr, Bossard-Arena) aufeinander. Allerdings: Diese beiden Statistiken garantieren kein Halleluja im April, in der hohe Zeit der finalen Entscheidung. In den Playoffs können Eigenschaften wie Härte, Kampfkraft und Unerschrockenheit den ausschlaggebenden Unterschied ausmachen. Und das ist genau das Problem der Zuger, glaubt man zumindest den Skeptikern unter den Fachleuten und jenen im Umfeld.

An diesem Punkt kommt Lukas Sieber ins Spiel. Der in knapp einem Monat 22 Jahre alt werdende Flügelstürmer ist nicht vom Titelverteidiger Davos geholt worden, um den EV Zug zum erst zweiten Mal seit 1998 zu meisterlichen Ehren zu führen. Das ist eine masslos übertriebene Erwartungshaltung und eine Aufgabe, die er nicht erfüllen kann. Aber Sieber kann rocken und rollen. Er kennt den geraden Weg aufs gegnerische Tor, und das in beachtlichem Tempo, und er verkörpert das, was man in Nordamerika als «Warrior», als Krieger, bezeichnet. Er weiss, wie man Härte und Kampfkraft fehlerfrei buchstabiert. Und das unterscheidet ihn von ein paar der talentierten Titulare bei seinem neuen Arbeitgeber, dem EV Zug. Ein Mann fürs Grobe – und nicht für die hohe Kunst.

Es geht um seine Karriere

Lukas Sieber? 2011/12 legte der Ostschweizer einen fulminanten Start beim HC Davos hin, als 17-Jähriger, in der Saison der erfolglosen Titelverteidigung. Daran trug er ganz bestimmt keine Schuld. 48 Spiele, 1 Tor und 4 Assists und eine Minus-8-Bilanz waren seine statistischen Werte. Eine Entdeckung für sein Alter, aber gut vier Jahre später stellt er ernüchtert fest: «Ich bin froh darum, dass ich weg bin von Davos.» Nach entsprechendem Nachhaken gesteht Sieber: «Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass die Stimmung zwischen Arno Del Curto und mir noch eine gute gewesen sei.» Nähere Details dazu lässt er sich keine entlocken. Der Grund dafür mag ein simpler sein: Seine Position ist eine schwierige. Aufmüpfigkeit gegen Del Curto, den Kulttrainer im Schweizer Eishockey, stösst auf geringstes Verständnis. In der Öffentlichkeit gilt: Wen Del Curto nicht mehr will, der hat seine Entwicklung bereits hinter sich. Der schlagende Gegenbeweis ist noch nicht erbracht worden.

Sieber ist nun beim EV Zug angetreten, um zumindest ein Argument gegen die weit verbreitete Meinung zu liefern. Gut drei Monate hat er nun Zeit dafür – so lange läuft sein Vertrag beim neuen Arbeitgeber. Es ist sein ganz persönliches Playoff vor dem eigentlichen Playoff-Start am 3. März: «Ich will mich in Zug für einen neuen Vertrag aufdrängen», macht Sieber keinen Hehl aus seinen kurzfristigen beruflichen Zielen. Es geht für ihn um eine lohnende Karriere in der NLA.

Kreis: «Er ist ein Energiespieler»

Aber der Weg des ehemaligen Juniorennationalspielers scheint ein langer und beschwerlicher zu werden, voraussichtlich mit einem Start in der vierten Sturmreihe des EV Zug. Auch wenn Trainer Harold Kreis, ganz Gentleman, sagt, dass Sieber eine Verstärkung für sein Team sei, so lässt er offen, ob er den von ihm als «Energiespieler» bezeichneten Neuzugang heute gegen die ZSC Lions oder am Abend danach gegen die Freiburger fräsen lassen wird. Das ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Aber Kreis hält fest: «Wer das physische Element in unser Team trägt, ist willkommen.»

Zug braucht mehr Härte

Es ist eine Startrampe, die Sieber für sich zum Überflug im EVZ nützen sollte – und möchte. Der Verein, der seit bald 18 Jahren auf den zweiten Titelgewinn seiner Geschichte wartet, ist auf der Suche nach einem optimalen Gleichgewicht zwischen offensiver Genialität, defensiver Stabilität und physischer Härte. Das bedeutet: Bei personellen Ergänzungen braucht der EV Zug in Zukunft etwas mehr Lukas Sieber und etwas weniger Pierre-Marc Bouchard, den genialen Liga-Topskorer. Deshalb geht es für Sieber, der in seinen bisher vier NLA-Saisons noch nie über zehn Skorerpunkte hinausgekommen ist, darum, den Ruf, der ihm vorauseilt, zu bestätigen.