EISHOCKEY: Mister EVZ Reto Suri

Man kann es negativ ausdrücken: Reto Suri (27) läuft den Skorerwerten seiner besten Tage verzweifelt hinterher. Aber man kann es aber auch positiv sehen: Keiner verkörpert diesen EVZ so sehr wie der Nationalstürmer.

Andreas Ineichen
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Reto Suri (rechts) skort weniger, powert dafür umso mehr.Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 9. September 2016)

Reto Suri (rechts) skort weniger, powert dafür umso mehr.Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 9. September 2016)

Einige Stunden nach dem 2:1 in Genf, dem sechsten Sieg in Serie, ist Reto Suri vom Massagetisch des Physiotherapeuten gekrochen und lehnte sich locker an die Garderobenwand der Zuger Bossard-Arena, die ein grosser Stier ziert, das Wappentier der Zuger. «Ich der Mister EVZ?», fragte er zurück. «Wie meinen Sie das?»

Reto Suri, einer der talentiertesten und sehr gut verdienenden EVZ-Spieler, stellt sein Ego in der laufenden Saison bedingungslos hinter das Wohl der Mannschaft. Wie das in der Praxis aussieht, offenbarte die Geduldsprobe in Genf. Erst vergab Suri zwei gute Chancen in Unterzahl, aber er machte nicht auf verärgerte Primadonna – vielmehr schuftete er unverdrossen weiter. Im wegweisenden, doppelten Unterzahlspiel der Zuger zur Spielmitte machte er einen erstklassigen Job und leistete zudem seinen Beitrag zur Wende im letzten Drittel. Hätte Suri vor dem 1:1 Servettes Goalie Robert Mayer nicht unter Druck gesetzt, wäre McIntyres Tor wohl kaum gefallen. Und vor dem 2:1 durch einen Ablenker Holdens war er im Forechecking erfolgreich.

«Wenn Sie das so darstellen, ist meine Antwort auf Ihre Frage, dass es in diese Richtung geht», bestätigt Suri.

Anerkennung für seine neue Rolle

Natürlich verleitet ihn ein Blick auf die Skorerliste nicht gerade zu Freudensprüngen. 3 Tore und 6 Assists in 27 Spielen sind für einen, der in den letzten drei Qualifikationen immer über 30 Punkte realisierte, ohne Digestif schwer verdaubar. Aber sie bilden nicht Suris wahren Wert für den aktuellen Zweiten der NLA ab. «Klar war es frustrierend, dass ich mich in Genf nicht zum Torschützen machte», sagte der WM-Finalist von 2013. «Aber ich steige in Genf glücklicher in den Car ein, wenn wir mit guten Einsätzen den Match im letzten Drittel gewendet haben, als wenn ich zwei Tore geschossen, der Match aber 2:3 geendet hätte.»

Seine Rolle ist im Verlaufe der Saison und der anhaltenden Ladehemmung eine andere geworden. Jetzt skort Suri zwar weniger, dafür powert der Flügel umso mehr. Er hat eine wichtige Rolle im Unterzahlspiel, dem besten in der ganzen Liga. Über 87 Prozent der Phasen mit mindestens einem Mann weniger übersteht der EVZ schadlos. Und Suri bringt mit dem Vor- und Rückwärtsgang viel Energie ins Zuger Spiel. Er ist sich nicht zu schade, die Drecksarbeit zu übernehmen. «Ich habe nach wie vor viel Verantwortung. Mir passt meine Rolle», versicherte er und ergänzte: «Wichtig dabei ist, dass ich für meine Arbeit intern die Anerkennung kriege. Und die spüre ich.» In den Worten von Harold Kreis, seinem Chef, tönt das so: «Seine Spielweise ist extrem wertvoll für uns. Wenn Reto so weitermacht, wird sich das wieder einstellen mit den Skorerpunkten.»

Suri: «Wir befinden uns auf einer Mission»

Freilich hätte er nichts dagegen, wenn seine persönliche Durststrecke schon heute im letzten Spiel des Jahres gegen die SCL Tigers (19.45, Bossard-Arena) ein Ende nähme. Denn davon, dass er sich in dieser Saison von einem Skorer zu einem Vorarbeiter verwandelt, hat Suri nicht wirklich geträumt. Schliesslich vermeiden schöne Skorerwerte unangenehme Fragen nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis und machen einen attraktiver auf dem Spielermarkt. Suris Vertrag mit dem EVZ läuft noch bis 2019. «Wer weiss schon, was die Zukunft bringt», sagte er. «Bald steht die entscheidende Phase der Meisterschaft vor der Tür, dann verändern sich die Teams personell, dann kommt der Sommer, dann die nächste Saison. Es wird also noch viel passieren, und darüber mag ich nicht nachdenken.»

Suri lebt im Hier und Jetzt. Als Teil eines EVZ, der immer einen Weg zum Erfolg zu finden scheint. «Wir befinden uns auf einer Mission», bemerkte er. Wenn das keine Musik in den Ohren der EVZ-Fans ist.

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Eine offene Rechnung

Die Duelle gegen Langnau verliefen bisher spannend. Der EVZ kehrte ein 0:3 im Emmental mit vier Toren im letzten Drittel. Die SCL Tigers ihrerseits beendeten Zugs Heimserie nach sieben Siegen in Serie zu Saisonbeginn. Ob EVZ-Verteidiger Johann Morant (Prellung) heute spielen kann, entscheidet sich im Verlauf des Tages. Ersatz für ihn wäre nicht vorgesehen. (ain)