EISHOCKEY: Neue Zähne und neues Amt für Diaz

Nach einer unglücklichen Aktion im WM-Viertelfinal musste sich Rafael Diaz (31) vier Vorderzähne ersetzen lassen. Der Verteidiger fühlt sich nun wieder besser – und freut sich auf seine Rolle als EVZ-Captain.

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Strahlt wieder: der neue EVZ-Captain Rafael Diaz. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Strahlt wieder: der neue EVZ-Captain Rafael Diaz. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Rafael Diaz war in den letzten Wochen nicht zu beneiden. Fünf Behandlungen, die zwischen zwei und vier Stunden dauerten, musste er beim Zahnarzt über sich ergehen lassen. Der Verteidiger des EV Zug sagt: «Ich bin froh, dass es vorbei ist.»

Diaz ist im WM-Viertelfinal der Schweiz gegen Schweden (1:3) am 18. Mai in Paris von einem Puck im Gesicht getroffen worden. Eine unglückliche Aktion mit bösen Folgen: Diaz verlor vier Vorderzähne, zwei davon landeten auf dem Eis. Noch in Frankreich musste er sich den ebenfalls verletzten Gaumen nähen lassen. Zurück in der Schweiz, stand unter anderem eine Wurzelbehandlung an, eine bakterielle Infektion sollte vermieden werden. Danach wurden Diaz vier Kunstzähne eingesetzt. Der 31-jährige Zuger litt unter Schmerzen, konnte tagelang nicht richtig reden und ernährte sich vor allem von Shakes.

Diaz berichtet am Telefon von seiner Verletzung. Er verbringt den Sommer bis Mitte Juli in Montreal, wo er bereits mit dem individuellen Aufbautraining für die neue Saison mit dem EV Zug begonnen hat. Essen mit den Vorderzähnen bereitet ihm zwar noch immer etwas Mühe. Aber inzwischen geht es Diaz besser, viel besser. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Heilungs­prozess», sagt er. Und er betont, dass es hätte schlimmer kommen können: «Der Zahnschutz hat geholfen, dass ich mir nichts am Kiefer gebrochen habe.»

Neue Rolle erfüllt Diaz mit Stolz

Neben der guten Genesung gibt es eine zweite erfreuliche Entwicklung für Diaz: Vor seiner Abreise nach Kanada haben ihn Trainer Harold Kreis und Sportchef Reto Kläy zum neuen EVZ-Captain bestimmt. Diaz ist Nachfolger des Kanadiers Josh Holden, der für das NLB-Team EVZ Academy in die Saison starten wird. Es ist eine logische Wahl. Diaz, das Zuger Eigengewächs, ist seit seiner Rückkehr aus der nordamerikanischen NHL vor einem Jahr das Ausgängeschild des EV Zug. Oder wie Kläy es ausdrückt: «Rafael ist ein Leader. Er übernimmt eine wichtige Rolle im Team und ist zudem eine Identifikationsfigur für die Organisation und die ganze Region.»

Diaz, der an der WM bereits die Schweizer Nationalmannschaft als Captain angeführt hat, freut sich über die neue Rolle im Klub. «Ich bin stolz, dass ich dieses Amt übernehmen darf», sagt er. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass sich für ihn nicht viel verändern werde. Wichtig sei es, dass es im Team mehrere Führungsspieler gebe. Dazu zählen die Assistenz-Captains Reto Suri und David McIntyre, aber auch Verteidiger Timo Helbling und Zugs dienstältester Aktiver Fabian Schnyder.

Für Diaz hat Priorität, «dass ich meine Leistung abrufen kann und mit dem Team erfolgreich bin». Beides traf in der abgelaufenen Saison zu. Mit 44 Skorerpunkten (13 Tore) in 62 NLA-Spielen war Diaz der produktivste Verteidiger der Liga und massgeblich daran beteiligt, dass Zug bis in den Playoff-Final vorstiess. Trotz der Enttäuschung über die Finalniederlage gegen Bern spricht er von einer «wunderschönen Saison». Er betont: «Jetzt gilt es, aus den Erfahrungen im verlorenen Final zu lernen und in der neuen Saison wieder voll anzugreifen.» Rafael Diaz ist voller Tatendrang – auch wenn er mit einem Schmunzeln sagt: «Vom Zahnarzt habe ich vorläufig genug.»

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Mitfiebern mit NHL-Schweizern

2014 stand Rafael Diaz mit den New York Rangers im Stanley-Cup-Final. Er kam in der Serie aber nicht zum Einsatz und musste zuschauen, wie New York gegen Los Angeles verlor. Jetzt fiebert Diaz mit den Schweizer Kollegen mit: Nashville (Roman Josi, Yannick Weber, Kevin Fiala) und Pittsburgh (Mark Streit) kämpfen um die NHL-Trophy. «Ich mag ihnen den Erfolg von Herzen gönnen», sagt Diaz. «Es ist auch ein Gütesiegel für unser Eishockey, wenn erstmals ein Schweizer Feldspieler den Stanley-Cup gewinnen kann.» Besonders schwärmt Diaz von Roman Josi: «Er ist ein Weltklasseverteidiger, der alles kann.» Spiel 5 der Finalserie (Stand 2:2) fand in der Nacht auf heute statt.(ars)