Eishockey-Nachwuchs
Noch eine Saison, dann ist Schluss: Der EV Zug zieht sein Farmteam aus der Swiss League zurück

Das Team EVZ Academy ist per Saisonende 2021/2022 Geschichte. An der Ausbildungsphilosophie will der Klub jedoch festhalten.

Philipp Zurfluh
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Nun herrscht Klarheit. Die von Präsident Hans-Peter Strebel privat finanzierte EVZ Academy wird nur noch in der kommenden Saison in der Swiss League vertreten sein. Danach ist Schluss. «Es schmerzt, wenn eine Mannschaft von der Bildfläche verschwindet. Doch es ist der richtige Weg», sagt Sportchef Reto Kläy zur Entscheidung. «Wir wollten Spieler und Trainer nicht länger im Ungewissen lassen. Damit haben alle Beteiligten mehr Planungssicherheit.»

Die EVZ Academy hat in dieser Saison die Qualifikation für die Playoffs verpasst.

Die EVZ Academy hat in dieser Saison die Qualifikation für die Playoffs verpasst.

Bild: Jakob Ineichen (Zug, 11. Oktober 2020)

Zur Vorgeschichte: Die zweithöchste Liga im Schweizer Eishockey hat sich vor einigen Monaten neu aufgestellt. Zehn Swiss-League-Klubs haben am 1. Dezember 2020 eine eigenständige Aktiengesellschaft, die Swiss League AG, gegründet. Die Mannschaften Ticino Rockets und EVZ Academy wurden nicht als Gründungsmitglieder zugelassen. Die Liga will sich besser vermarkten, reine Ausbildungsteams mit geringem Zuschauerpotential sind verpönt. Die Zukunft der beiden 2016 ins Leben gerufenen Farmteams ist seither ungewiss. «Wir haben uns in einem luftleeren Raum befunden», sagt Kläy. Klare und verbindliche Auflagen für eine Aufnahme in die neue AG sind bis heute ausgeblieben. Kläy akzeptiert diese Vorgehensweise, stellt aber auch klar:

«Das Vorgehen der Swiss League befremdet. Eine offene und transparente Kommunikation sieht anders aus.»

Während man bei den Ticino Rockets rechtliche Schritte gegen die Eliminierung aus der Swiss League nicht ausschliesst, sieht der EV Zug davon ab, die Faust im Sack zu machen und sich auf juristisches Geplänkel einzulassen. Nach mehreren Monaten im Schwebezustand prescht er vor und kündigt den Abzug der EVZ Academy, die rund 1,3 Millionen Franken pro Saison kostet.

Auch ein sofortiger Rückzug stand zur Debatte. Dieser Gedanke wurde aber recht schnell verworfen. «Wir stehen gegenüber Spielern und Trainern in der Pflicht und wollen uns nicht aus dieser Verantwortung stehlen», betont Kläy. Das Trainerteam um Roger Hansson und Corsin Camichel werde auch kommende Saison an der Bande stehen.

Laut Kläy werden nun Überlegungen zu einer neuen Ausbildungsstruktur gemacht. «Alles wird durchleuchtet, um das Optimum herauszuholen.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 1. Februar 2021)

Die zentrale Frage für ihn lautet: «Wie können wir im Nachwuchs jeden einzelnen Spieler besser machen?» So soll besonders auf den Stufen 16 bis 20 Jahre die Nachwuchsausbildung verstärkt werden. «An unserer Ausbildungsphilosophie wird sich in Zukunft nichts ändern», sagt Kläy. So sollen neben Top-Shots und Schweizer Spielern weiterhin Talente aus dem Nachwuchs das Gerüst des National-League-Teams bilden.

Juniorenalter soll heraufgesetzt werden

Derzeit laufen unter den National-League-Klubs Bestrebungen, das Maximalalter der Juniorenstufe von 20 auf 22 anzuheben. «Eine Art 20+», präzisiert Kläy. Der Sportchef glaubt nicht, dass durch den Verlust des Farmteams verheissungsvolle Talente vermehrt die Flucht nach Nordamerika oder Skandinavien ergreifen, um sich dort weiterzuentwickeln. «Es wird immer den einen oder anderen Fall geben, doch wir investieren aus Überzeugung in unsere Junioren. Das OYM bietet uns dazu die besten Voraussetzungen.» Deshalb ist für den Sportchef klar: «Wir wollen in der Schweiz weiterhin die Nummer eins bleiben in der Nachwuchsförderung und orientieren uns an den besten Ausbildungsklubs der Welt.»

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