EISHOCKEY: Nun folgt Zugs Titel-Stresstest

Vorzeitig im Playoff, fünf Siege in Serie und zuletzt ein 2:1 n. P. beim Leader in Bern – ist der EV Zug nur ein Jahr nach dem Sturz in die Abstiegsrunde gar ein Meisterkandidat?

Klaus Zaugg
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Fabian Sutter (links) feierte am Samstag sein 1:0 gegen Bern mit Dario Bürgler, der ihn mit einem Querpass vor SCB-Goalie Marco Bührer mustergültig bedient hatte. (Bild: EQ/Daniel Teuscher)

Fabian Sutter (links) feierte am Samstag sein 1:0 gegen Bern mit Dario Bürgler, der ihn mit einem Querpass vor SCB-Goalie Marco Bührer mustergültig bedient hatte. (Bild: EQ/Daniel Teuscher)

Klaus Zaugg

Die Meisterschaft wird nicht im Januar entschieden. Nach einer Januar­niederlage gegen die Lakers muss der Sportchef kein Abstiegsszenario erarbeiten, und nach einem Januarsieg gegen den Tabellenführer ist es auch nicht notwendig, Meister-T-Shirts zu drucken. Und doch ist Zugs samstäglicher Triumph in Bern ein Meisterstück. Eines der besten Spiele dieser Saison. Und wenn wir es in einen grösseren Zusammenhang stellen, dann kommt ein neutraler Beobachter nicht mehr darum herum, den EV Zug auf die Meisterrechnung zu setzen. Denn es war nach dem 10. Oktober (4:3) und dem 22. November (4:3 n. P.) bereits der dritte Sieg in dieser Saison in Bern. Darüber hinaus hat Zug unter anderem auch in Lugano, Genf und Lausanne gewonnen. Garstige Orte für Gastteams. Wir können also bei der Beurteilung des jüngsten Sieges in Bern den Faktor Zufall weglassen.

Bürgler mit aufsteigender Form

Die Zuger haben in Bern alle Qualitäten aufblitzen lassen, die auch in den Playoffs zählen werden: ein Torhüter mit einer famosen Fangquote von 97,30 Prozent, eine exzellente Defensivorganisation, hohe taktische Disziplin, Leidenschaft und eine gute Mischung aus Handwerkern und Künstlern, dazu einzelne Spieler mit klar aufsteigender Form wie etwa der schlaue Skorer Dario Bürgler. Er assistierte beim 1:0 und versenkte den Puck im Penaltyschiessen. So wie der kluge Bauer aus dem Haarkleid seines Hofhundes sehr wohl die Länge des kommenden Winters herauslesen kann, so lässt sich aus den jüngsten Auftritten der Zuger ausrechnen, dass die Playoffs etwas länger dauern könnten.

Seit dem Titelgewinn von 1998 ist Zug nie mehr über den Halbfinal hinausgekommen. Nach dem Sieg ist in Bern die Frage gestellt worden, ob dieser EV Zug am Ende gar um den Titel spielen kann. Die Antworten fielen so aus, wie sie ausfallen müssen. Niemand lehnt sich jetzt aus dem Fenster. Auf die konkrete Frage «Ist gar der Titel möglich?» sagt Lino Martschini, ganz überrascht, dass das jetzt ein Thema ist: «Daran haben wir ja noch gar nicht gedacht. Wir sind jetzt erst einmal in die Playoffs gekommen.» Aber das Aufleuchten in seinen Augen zeigt: Am Glauben an die eigenen Möglichkeiten wird es nicht scheitern.

Coach Kreis: «Taktisch gut gespielt»

Die Partie in Bern war vor allem taktisch ein Spitzenspiel zwischen zwei Teams, die vor einem Jahr beide in die Abstiegsrunde tauchten und nun eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht haben. Bern und Zug haben mit ganz ähnlicher Spielweise und Taktik zum Erfolg zurückgefunden. Die Direktbegegnung am Samstag war die letzte in der Qualifikation. Aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass sich Zug und Bern erneut begegnen werden. Letzte Saison fand diese Begegnung in der Abstiegsrunde statt. Nun könnte es im Halbfinal sein.

Zugs neuer Trainer Harold Kreis hätte problemlos auch im diplomatischen Dienst Karriere machen können. Als Fürst von Metternich des Hockeys achtet er auf sehr sorgfältiges verbales Defensivspiel – schliesslich hat er ja auch als Verteidiger in Deutschland Kultstatus erlangt.

Aber immerhin bemerkenswert: Er sagt nicht, ein Final sei kein Thema oder unmöglich oder undenkbar. Schliesslich hat er Lugano zum bisher letzten Titel geführt (2006) und auch die ZSC Lions zu Meistern gemacht (2008). Er weiss, was es braucht, um eine Meisterschaft zu gewinnen, und offensichtlich sieht er in seiner Mannschaft vieles von dem, was es für eine Meisterschaft braucht. Jedenfalls war er in Bern sehr zufrieden mit der Entwicklung des Teams und dem Spiel. «Wir haben in Bern taktisch gut gespielt und richtig reagiert, als wir in der Anfangsphase oft in der neutralen Zone hängen geblieben sind. Wir hatten auch Glück, aber wir haben für dieses Glück hart gearbeitet.» Und er lobte ausdrücklich die Leidenschaft seiner Spieler und die Bereitschaft zur Defensivarbeit.

Diese Woche bringt nun mit den Partien in Zürich (Dienstag), gegen Lugano (Freitag) und in Kloten (Samstag) einen überaus interessanten Meister-Stresstest für den EV Zug.

EVZ: Nur noch ein Schweizer Transfer?

kza. Wenn alles in geordneten Bahnen läuft, gibt es für Zugs Sportchef ein stressfreies Frühjahr. Nur noch ein Transfer eines Schweizer Spielers ist vorgesehen – und Reto Kläy nennt das Profil seines Wunschspielers: «Ein kostengünstiger Flügel mit viel Wasserverdrängung für eine defensive Rolle, aber auch gut genug, um ab und zu ein Tor zu erzielen.»

Der Sportchef hat viel Geduld

Diesen Spieler hat er noch nicht gefunden, und Kläy sagt, es könne durchaus sein, dass das Kader der Zuger erst im nächsten Herbst komplettiert werde. «Es gibt immer wieder Spieler, die da und dort erhältlich werden, weil sie nicht die gewünschte Rolle in einer Mannschaft bekommen.»