EISHOCKEY: Pierre-Marc Bouchards neue Leichtigkeit

Zugs Topskorer Pierre-Marc Bouchard (31) ist nicht länger Besitzer des Juniorenteams Chicoutimi. Und er profiliert sich in diesen Tagen als einer der besten Spieler ausserhalb der NHL.

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Die Lieblingsbeschäftigung von Zugs Liga-Topskorer Pierre-Marc Bouchard: Nach einem Torerfolg von
ihm oder einem seiner Linienpartner klatscht er die an der Bande aufgereihten Teamkollegen ab. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Die Lieblingsbeschäftigung von Zugs Liga-Topskorer Pierre-Marc Bouchard: Nach einem Torerfolg von ihm oder einem seiner Linienpartner klatscht er die an der Bande aufgereihten Teamkollegen ab. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Nicola Berger

Im Sommer 2012 übernahm Pierre-Marc Bouchard zusammen mit drei weiteren Investoren die Chicoutimi Saguenéens. In Saguenay, nahe Québec City, war Bouchards Stern einst aufgegangen; zwischen 2000 und 2002 reifte er bei den Saguenéens in der Juniorenliga QMJHL zum NHL-Erstrundendraft. Zehn Jahre später war er ein gestandener NHL-Profi, doch seine Wurzeln vergass er nicht. Als die Stadt nach neuen Eigentümern für die Franchise suchte, war Bouchard mit drei weiteren Investoren zur Stelle. Es wurde ein Vertrag bis 2019 abgeschlossen, das Konsortium um Bouchard verpflichtete sich zu einer jährlichen Zahlung von 352000 Dollar an die Stadt. Nicht alles lief nach Plan: Bald schieden zwei der Geschäftspartner aus. Und im Winter 2014 musste der Präsident Bouchard sowohl den Trainer als auch den Sportchef entlassen – von Zug aus notabene, per Telefon. Die sportliche Situation blieb unbefriedigend, was bald zu finanziellen Schwierigkeiten führte. Die Zuschauerzahlen sanken, und gemäss kanadischen Medien gerieten die Besitzer mit ihren Zahlungen in Verzug. Anfang November zog Bouchard die Konsequenzen: Der Vertrag mit der Stadt wurde vorzeitig aufgelöst, das Team an eine Gruppe um den früheren NHL-Torhüter Marc Denis weitergereicht.

Famoser Punkteschnitt

Bouchard steht im Kabinengang der Bossard-Arena und sagt: «Ich kann nicht in die Details gehen, aber die neue Lösung ist für alle Seiten besser. Es ist nicht einfach, ein Team von Europa aus zu führen.» Und er sagt auch: «Ich möchte die Erfahrung nicht missen. Ich habe viel über den geschäftlichen Aspekt des Eishockeys gelernt. Davon werde ich später einmal profitieren können.»

Bouchard ist jetzt 31 Jahre alt, er spielt auf die Zeit nach der Karriere an, doch bis dahin dürften einige Winter ins Land ziehen. Denn der Flügelstürmer verzückt seit Wochen die Liga, Harold Kreis adelte ihn jüngst als «besten Ausländer der NLA». Es wäre schwierig, dem EVZ-Trainer diesbezüglich zu widersprechen. Mit 31 Skorerpunkten (8 Tore/23 Assists) aus 22 Partien führt Bouchard die Skorerliste vor dem Davoser Perttu Lindgren an, sein Schnitt von 1,40 Punkten pro Spiel ist famos – und deutlich höher, als er das noch im Vorjahr war (1,04). Bouchard, so scheint es, ist für die Gegner derzeit kaum zu stoppen, seine Vista ist in der Liga unerreicht, und so profiliert sich Bouchard derzeit als einer der besten Profis ausserhalb der NHL. Jener Liga, in der er 614-mal auflief, ehe niemand mehr für ihn Verwendung hatte, nach der Saison 2013/14.

Im EV Zug hat sich Bouchard nun neu erfunden, und seine Renaissance ist nicht selbstverständlich. Seine Verpflichtung im Sommer 2014 bedeutete für den EVZ Verheissung, klar, kaum jemand mit dem Renommee Bouchards wechselt im Alter von 30 Jahren nach Europa. Aber der Transfer war eben auch ein Risiko, die Krankenakte des Frankokanadiers war lang und umfasste mehrere Hirnerschütterungen. Niemand wusste, ob er sein Rendement je wieder erreichen würde. Inzwischen hat der Cousin des Montreal-Profis, Pierre-Alexandre Parenteau, die Zweifel zerstreut, für den EVZ ist er längst ein Glücksfall; der Klub hat den Vertrag mit dem Offensivkünstler eilig bis 2017 verlängert.

Das Geheimnis ist die Gesundheit

Man fragt Bouchard: Wie ist es ihm gelungen, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal stärker zu werden? Was ist das Geheimnis? Er lächelt beinahe verlegen und sagt: «Die Gesundheit.»

Dann stockt er kurz, klopft sich mit der Faust auf den Schädel und erklärt: «Knock on wood», Holz anfassen. Er sagt: «Ich fühle mich so gut wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Die Chemie mit meinen Linienkollegen Lammer und Immonen ist ausgezeichnet. Aber ich glaube, dass wir unseren Zenit noch nicht erreicht haben, wir haben Steigerungspotenzial.»

Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung.