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EISHOCKEY: Playoff-Final: «Zug hat die bessere Ausgangslage»

Heute (20.15/SRF zwei, Liveticker auf Zugerzeitung.ch) geht’s los mit dem ersten Duell im Playoff-Final SC Bern - EV Zug. Der Meister fürchtet eigentlich nur eines: das Zuger Tempo. Logisch – Berner mögen es lieber etwas langsamer.
Klaus Zaugg
Trifft EVZ-Stürmer Reto Suri (in Blau, Nr. 26) im Final ins Berner Tor? (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 30. März 2017))

Trifft EVZ-Stürmer Reto Suri (in Blau, Nr. 26) im Final ins Berner Tor? (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 30. März 2017))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Die Zuversicht ist gross in Bern. Niemand zweifelt daran, dass die Titelverteidigung gelingen wird. Dieses Ur-Selbstvertrauen gehört zur DNA der ganz grossen Sportunternehmen. Zum FC Basel, zu Bayern München – oder eben zum SC Bern.

Nur ganz tief im Hockey-Herzen, dort, wo niemand hineinsieht, schon gar nicht der gegnerische Coach, gibt es leise Bedenken. Der SCB gewinnt diesen Final nur, wenn alles in geordneten taktischen Bahnen läuft. Wenn alles so kommt, wie es Kari Jalonen, dieser Grossmeister des Hockeyschachs, erwartet. Er weiss alles über Zug. Wer Links- und wer Rechtshänder ist. Wie das Powerplay aufgezogen wird. Wie das Boxplay organisiert ist. Wie die Angriffe ausgelöst werden. Wie die Defensivorganisation funktioniert. Der finnische Banden-General hat diesen Playoff-Feldzug mit allergrösster Sorgfalt vorbereitet. Aber eines weiss er nicht: ob Harold Kreis den Mut zur Offensive hat. Berns einzige Sorge ist Zugs Tempo. Berner mögen es lieber bedächtig.

Nun gibt es von den Bernern keine knackigen Aussagen über Zug. Sprüche, die den Finalgegner gar noch motivieren könnten, werden gemieden wie das geweihte Wasser vom Teufel. Dieses Hockeyunternehmen ist zu professionell, um am Vorabend einer Finalserie Stoff zur eine Polemik zu liefern. Allenthalben wird gerühmt, es wird betont, wie sehr man die Zuger respektiere, und wer lange genug hinhört, der vernimmt dann irgendwann auch noch jene legendäre Weisheit, dass man im Playoff Spiel für Spiel nehmen müsse.

Schläpfer: «Passives Zug hat keine Chance»

Hingegen haben neutrale Beobachter keine verbalen Beisshemmungen. Kevin Schläpfer, der Trainer-Feuerkopf, hat in Zug bereits vier Playoff-Partien im Stadion gesehen. Nicht ganz uneigennützig. Wäre Harold Kreis gescheitert, hätte Biels ehemaliger «Hockeygott» wohl nächste Saison seine Chance bekommen. Schläpfer kommt zum Schluss, dass die Zuger durchaus ihre Chance haben. «Die Euphorie ist gross, die Mannschaft hat viel Energie, und der Coach muss die Spieler nur fliegen lassen.» Genau das befürchten die Berner: Zugs Mut zum «Bewegungshockey», zur Offensive. «Ein passives Zug hat gegen dieses Bern keine Chance. Ein offensives hingegen schon. Zug hat mehr kaltblütige Skorer als Bern – aber diesen Vorteil können die Zuger nur dann nützen, wenn sie so spielen, dass sie zu Abschlussmöglichkeiten kommen.»

Viel besser als im Halbfinal gegen Lugano könne Bern nicht mehr spielen. Bei Zug aber sieht Schläpfer Steigerungspotenzial. «Martschini hat noch kein Tor erzielt und Suri erst eines. Was, wenn die beiden auf einmal auch noch skoren?» Kevin Schläpfer sagt, die Partien zwischen Zug und Davos seien wahrscheinlich die besten, die schnellsten Playoff-Spiele, die er je gesehen haben.

Natürlich gibt es in Bern Planspiele, was zu tun ist, wenn die Zuger zum schnellen Offensivspiel übergehen sollten. Die Schotten in der neutralen Zone dicht machen, das Spiel entschleunigen und mit schnellen Gegenstössen die Entscheidung herbeiführen. Erfolgreich ist diese Taktik aber nur bei guter Chancenauswertung. Und hier kommt Zugs Torhüter Tobias Stephan ins Spiel. Er ist noch nie Meister geworden. Kevin Schläpfer sagt: «Aber er hat jetzt die Chance zu beweisen, dass er doch ein Meistergoalie ist. Ich habe in den beiden Serien gegen Servette und Davos den besten Tobias Stephan gesehen. So gut war er noch nie.» Es wäre Berns Alptraum: Tobias Stephan auf Augenhöhe mit Leonardo Genoni, Tobias Stephan ein Meistergoalie.

Kevin Schläpfer sagt, 9 von 10 Leuten, mit denen er sich über diesen Final unterhalte, seien davon überzeugt, dass Bern den Titel verteidigen wird. «Aber daraus sehen wir auch, unter welchem Druck der SCB steht. Das ist ein Vorteil für die Zuger. Sie sind unbelastet. Sie haben die Chance, endlich wieder Meister werden zu können. Das ist die bessere Ausgangslage.»

Huras: «Gleich von Anfang an Mut zum Risiko»

Unabhängig von Kevin Schläpfer kommt auch ein altgedienter NLA-Coach, der als Banden-General das Kommando in gut und gerne 1000 NLA-Spielen hatte, zu einer sehr ähnlichen Einschätzung. Larry Huras, Finalist mit Ambri, Meister mit den ZSC Lions, Lugano und Bern, zuletzt Retter von Fribourg-Gottéron. «Bern wird alles daransetzen, das Spiel zu kontrollieren, und wenn das gelingt, wird es für Zug sehr schwierig.» Auch er appelliert an den Mut zum Risiko. Um Kari Jalonens taktisches Schachspiel durcheinanderzubringen und zum offenen Bewegungshockey überzugehen. Und Huras sagt noch etwas: Es sei besser, gleich im ersten Spiel viel zu riskieren. Gehe es schief, bleibe genug Zeit zur Korrektur. Gelinge hingegen die Überrumpelung, dann sei ein erster Schritt zur Überraschung getan. Im vierten oder fünften Spiel sei es dann zu spät. Wohl wahr: Es bringt nichts mehr, die Stalltüre zu verriegeln, wenn die Pferde schon davongaloppiert sind.

Vorerst sind alle Pferde noch im Stall, und der Bär sitzt im Bärengraben.

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