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EISHOCKEY: Playoff-Gegner Servette und seine «Strategie des Bösen»

Genève-Servette ist hockeytechnisch ein Zwilling des EV Zug. Das macht die Playoffs gegen die Westschweizer so schwierig. Trainer Chris McSorley sagt: «Die Zuger haben das wahre Servette noch nicht gesehen.»
Klaus Zaugg
Hart angegangen: Servettes Daniel Rubin (links) und Arnaud Jacquemet nehmen Zugs David McIntyre in die Zange. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016))

Hart angegangen: Servettes Daniel Rubin (links) und Arnaud Jacquemet nehmen Zugs David McIntyre in die Zange. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Auf die Frage nach einer erfolgsversprechenden Strategie gegen den EV Zug sagt Servette-Trainer Chris McSorley. «Öfters als sonst in die Kirche gehen und beten.» Und er erklärt, warum der EV Zug haushoher Favorit sei. «Wir haben diese Saison alle Spiele gegen Zug verloren. Wir sind definitiv nur Aussenseiter.»

Die Statistik bestätigt die Einschätzung des Kanadiers. Die Zuger haben alle vier Qualifikationspartien gewonnen: zweimal mit 2:1 in Genf und auf eigenem Eis 5:1 und 3:2 n. V. Alles klar? Nicht ganz. McSorley rühmt zwar noch einmal ausgiebig die Zuger. «Der EVZ war diese Saison phasenweise die beste Mannschaft der Liga.» Zug habe alles: Schnelligkeit, Härte, defensive Stabilität und offensive Durchschlagskraft. «Und das Coaching von Harold Kreis ist exzellent.» Nun gehört das Lobpreisen des Gegners zum Repertoire aller Coaches. Wenn die gegnerische Mannschaft gross- und die eigene kleingeredet wird, dann ist im Falle eines Scheiterns der Schaden geringer.

McSorley räumt nach mehrmaligem Nachfragen dann doch ein, dass seine Einschätzung der Wirklichkeit nicht ganz gerecht wird. Seine Mannschaft hatte im Verlauf der Saison viel Verletzungspech. Erst in den letzten Runden konnte Servette im Vollbestand spielen, und McSorley sagt: «Die Zuger haben diese Saison das wahre Servette noch nicht gesehen.»

Einschüchterung als wichtiger Faktor

Das wahre Servette ist ein taktischer Zwilling des EV Zug. Wie Kreis bevorzugt auch McSorley ein konservatives, einfaches, geradliniges Spielkonzept. «Der Unterschied ist tatsächlich gering», sagt der Kanadier. «Die Zuger spielen etwas mehr Ost-West, wir sind stärker auf Nord-Süd ausgerichtet.» Will heissen: Zug spielt etwas mehr über die Aussenbahnen, Servette geradliniger durch die Mitte.

Die Frage ist auch, welches der beiden Teams die grössere Wucht entwickelt, «böser» spielen kann. Ein Blick auf die Kaderliste gibt die Antwort. Zug hat einen Verteidiger mit regelmässigen Einsätzen, der grösser ist als 185 Zentimeter. Servette hat fünf. «Das sollten wir nicht überbewerten» sagt McSorley. «Beweglichkeit, Spielintelligenz und Schnelligkeit sind wichtiger als Grösse und Gewicht. Raphael Diaz (er misst 181 cm, Anm. der Red.) ist einer der besten Verteidiger der Liga.»

Diese Aussage ist fachlich richtig. Aber sie lenkt von McSorleys «Strategie des Bösen» ab. Der Servette-Trainer setzt sehr wohl auf Grösse, Gewicht, Wucht und Kraft. Einschüchterung und Provokation sind wichtige Faktoren. Die Zuger setzen sich durch, wenn sie sich nicht provozieren und vom Spiel ablenken lassen und ihre taktische Ordnung bewahren. Also wird McSorley alles daransetzen, die Zuger vom rechten Weg abzubringen. Zugs Trainer Kreis ahnt, dass es rumpeln wird, und er kennt diese «Strategie des Bösen». Er sagt: «Strafen durch hartes Einsteigen sind okay. Aber wenn wir Strafen durch Revanchefouls kassieren, dann haben wir ein Problem.»

Es kann also sein, dass dieser Viertelfinal durch «weiche» Faktoren – Disziplin, Nervenkraft, Geduld – und nicht durch die grössere spielerische Klasse entschieden wird. Spielerisch sind die Unterschiede ohnehin gering. Beide Teams sind an einem guten Abend auf Augenhöhe mit den Titanen Bern und ZSC Lions. Aber beide sind keine absoluten Spitzenteams, weil die Breite fehlt, um verletzungsbedingte Ausfälle kompensieren zu können. Beide haben ihre offensiven Zauberzwerge: Zug mit Lino Martschini (168 cm), Servette mit Nathan Gerbe (165 cm). Beide ihre Furcht einflössenden Abräumer: Zug mit Timo Helbling (190 cm/100 kg), Servette mit Goran Bezina (190 cm/100 kg). Und sowohl Servettes Robert Mayer als auch Zugs Tobias Stephan sind Torhüter mit WM-Erfahrung.

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