EISHOCKEY: Reto Kläy: «Wir haben Charakter und Courage»

In engen und herausfordernden Spielen gegen die ZSC Lions und Fribourg holt der EV Zug zwei Siege. Sportchef Reto Kläy (37) über das Profil des NLA- und des künftigen NLB-Teams.

Interview Andreas Ineichen
Drucken
Teilen
In den Augen des Sportchefs ist Emanuel Peter (dunkelblau, gegen ZSC-Stürmer Luca Cunti) ein enorm wichtiger Spieler für Zug. (Bild: EQ/Melanie Duchène)

In den Augen des Sportchefs ist Emanuel Peter (dunkelblau, gegen ZSC-Stürmer Luca Cunti) ein enorm wichtiger Spieler für Zug. (Bild: EQ/Melanie Duchène)

Reto Kläy, was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse zum EV Zug nach dem perfekten Wochenende gegen Leader ZSC und Fribourg?

Reto Kläy: Mit dem Sieg über die ZSC Lions haben wir den Fluch gebannt. Und die beiden Spiele waren recht intensiv, körperbetont, in Fribourg war sogar Zündstoff drin. Gut, wenn das in der Phase vor dem Playoff-Beginn passiert. Wir haben gewisse Leute, die hinstehen können. Das verlangt dem Gegner Respekt ab, ohne dass wir gleich Gefahr laufen, ein Team von Schlägern zu sein.

Dabei gibt es kritische Stimmen im Umfeld des EV Zug, die der aktuellen Mannschaft die Härte absprechen.

Kläy: Es wäre vermessen, zu denken, dass jeder hart spielen kann. Aber wir haben ein paar Spieler mit Einschüchterungspotenzial. Körperlich betrachtet sind wir ein eher klein gewachsenes Team, aber die Spieler haben Courage.

Harold Kreis hat sich nach dem 4:3 in Fribourg über die Strafenauslegung der Schiedsrichter enerviert. Ging es Ihnen wie dem Trainer?

Kläy: Vieles ist kleinlich gepfiffen worden, als es hitzig geworden ist. Das könnte man eleganter lösen. Der Check von Johann Morant zum Beispiel war ein korrekter, darum ist es wichtig, zu unterscheiden zwischen dem, was zum Eishockey gehört, und dem, was gefährlich ist. Letzteres muss bestraft werden, ganz klar. Aber in Fribourg hatten Zweikämpfe Strafen zur Folge, die nicht mal im Ansatz unfair waren. Zum Glück hatten wir mit einem guten Boxplay eine passende Antwort parat.

Der Sieg liess Ihren Ärger aber schneller verfliegen als bei einem anderen Spielausgang.

Kläy: (Schmunzelt.) Ja, das stimmt. Ich habe auch grossen Respekt vor der Aufgabe der Schiedsrichter, die keine einfache ist. Ich bin überzeugt davon, dass sich alles über eine lange Saison ausgleicht. Mal wird man benachteiligt, mal etwas bevorteilt. Ärgerlich ist es einfach, wenn Strafen, die keine sind, spielentscheidenden Charakter haben können. Aber in Fribourg nahm es ja ein gutes Ende.

Wie beurteilen Sie die Punkteproduktion der dritten und der vierten Linie? In der abgelaufenen Woche trafen diese nur in Fribourg, im letzten von drei Spielen.

Kläy: Ich bin mit dem ganzen Team zufrieden, es zeigt Charakter. Im Verlauf dieser Qualifikation kam mal kleiner Druck auf, weil wir eine negative Phase mit ein paar verlorenen Spielen hatten. Aber das Team konnte immer reagieren. Bei uns gibt es Spieler, die gegen die Toplinien der Gegner eine defensivere Rolle ausführen. Aber unsere dritte Linie hat ihre Chancen kreiert und Tore gemacht, sie ist ein Mix zwischen offensiver und defensiver Ausrichtung. Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Aber ist der EVZ mit zwei offensiv sehr starken Linien für einen Gegner nicht berechenbar?

Kläy: Bei uns ist die Punkteausbeute klarer verteilt, das steht so in der Statistik. Aber das sagt nicht alles aus über unser Spiel. Im zweiten Drittel in Fribourg haben wir praktisch nur in Unterzahl gespielt. Da haben die Spieler, die darauf spezialisiert sind, einen Riesenjob beim Verhindern der Tore gemacht. Ich bin wirklich überzeugt davon, dass wir sehr gut aufgestellt sind.

Wie schätzen Sie Ihre Transferbilanz bei den Schweizer Spielern ein? Eigentlich hat nur Schlumpf überzeugt. Peter, Senteler, Zangger und Thibaudeau blieben unter den Erwartungen.

Kläy: Nicht alle konnten ihr Potenzial bereits zu 100 Prozent ausschöpfen. Bei einem Senteler oder einem Zangger besteht beispielsweise noch Potenzial, das sie aufgrund ihres Alters und ihrer noch nicht so grossen Erfahrung noch nicht abrufen konnten. Sie hatten ihre Hochs und Tiefs. Aber sie verfügen über Entwicklungspotenzial und kennen ihre Defizite, an denen sie arbeiten müssen. Ein Lammer aber stand vor einer wegweisenden Saison, und er hat bis jetzt das Potenzial gezeigt, das in ihm steckt. Thibaudeau hat bisher meine Erwartungen noch nicht erfüllt, er ist läuferisch gut, sein Spiel sollte körperbetont und stets unangenehm für die gegnerischen Verteidiger sein. Er hatte natürlich auch etwas Pech, weil er oft von Verletzungen zurückgeworfen wurde, und konnte diesbezüglich sein Potenzial noch nicht abrufen. Peter ist für unser Team enorm wichtig. Als eher defensiver Center bringt er viel Erfahrung mit. Er ist extrem mannschaftsdienlich und hat einen guten Charakter.

Was für Transfers machen Sie noch für nächste Saison? Ersetzen Sie Nicolas Thibaudeau durch Calvin Thürk-auf?

Kläy: Nein, Thürkauf wird voraussichtlich noch ein weiteres Jahr in Nordamerika spielen. Mich nimmt derzeit vor allem der Aufbau einer NLB-Mannschaft in Anspruch.

Erzählen Sie.

Kläy: Unser Ziel ist es ja, künftig Ausfälle in der NLA-Mannschaft durch Spieler des NLB-Teams zu ersetzen. Das bedeutet, dass dieses Team ähnlich aufgestellt sein muss wie jenes in der NLA – von den Rollen her, die die Spieler einnehmen, aber auch vom Spielsystem her.

Man geht davon aus, dass Sie mindestens zehn Spieler von auswärts engagieren müssen, weil das NLB-Team nicht ausschliesslich mit Elite-Junioren bestückt werden kann.

Kläy: Vielleicht sind es sogar 15. Das ist ein rollender Prozess, eine ziemliche Herausforderung auch für mich, weil das Neuland ist für mich. Wir werden nicht die Ambition haben, in der NLB vorne mitzumischen, aber wir wollen ein konkurrenzfähiges Ausbildungsteam stellen.

Mit welchem Budget?

Kläy: Mit einem niedrigen, weil das Projekt für uns sonst nicht über Jahre hinaus finanzierbar ist. Das bedeutet: Schweizer Spieler mit einem Alter von rund 20 Jahren erhalten bei uns im NLB-Team eine bessere Spesenentschädigung, dazu Materialgeld und wenn nötig eine Wohngelegenheit. Sie werden höchstens drei Jahre Zeit haben, um sich bei uns oder bei einem anderen Team für die NLA oder sonst halt für ein ambitioniertes NLB-Team zu empfehlen.

«Wir haben ein paar Spieler mit Einschüchterungspotenzial.» Reto Kläy, EVZ-Sportchef (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Wir haben ein paar Spieler mit Einschüchterungspotenzial.» Reto Kläy, EVZ-Sportchef (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)