EISHOCKEY: Reto Suri erhält die NHL-Freigabe

Nach monatelangem Pokerspiel hat Reto Suri seine Ausstiegsklausel für die National Hockey League doch noch erhalten – zu für ihn wenig vorteilhaften Konditionen.

Nicola Berger
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Reto Suri (am Puck): Seine Zeit in Zug könnte bald ablaufen, falls die NHL ruft. (Bild: Photopress/Jürgen Staiger)

Reto Suri (am Puck): Seine Zeit in Zug könnte bald ablaufen, falls die NHL ruft. (Bild: Photopress/Jürgen Staiger)

In der NLA gibt es nicht viele Spieler, die mehr Zug aufs Tor haben als Reto Suri (24). Abseits des Rinks musste der WM-Silbermedaillengewinner zuletzt hingegen mit Umwegen vorliebnehmen. Als die Verhandlungen zwischen dem EV Zug und Suris Agent Enrico Triulzi begannen, konnte man noch in der Badehose in den Zugersee springen, und der EVZ war ein sorgenfreier Klub, der gerade mit viel Pech im Playoff-Halbfinal dem späteren Meister Bern unterlegen war. Das war im letzten Sommer.

Seither zog sich der Kaugummi-Poker um Suris NHL-Ausstiegsklausel hin – bis zu dieser Woche. Nun haben sich die Parteien auf ein komplexes Vertragskonstrukt geeinigt. Die Eckpunkte: Suri darf den EVZ im Sommer verlassen, muss das noch ausstehende Vertragsjahr aber nachholen, sollte er bis spätestens 2017 nach Europa zurückkehren.

Zu Suris Missfallen müsste er diese Saison zu seinem aktuellen Lohn spielen. Das ist für ihn darum nicht optimal, weil sein Salär im 2011 beim Transfer von den Rapperswil-Jona Lakers nach Zug ausgehandelten Dreijahresvertrag deutlich unter seinem heutigen Marktwert liegt. Die Partei Suri versuchte entsprechend, ein zusätzliches Vertragsjahr auszuhandeln – zu verbesserten Konditionen.

Der Standpunkt des EVZ

Der EVZ wollte dazu keine Hand bieten. Der Standpunkt des Klubs: In einer Mannschaft gibt es unter- und überbezahlte Spieler. Von Letzteren hat es beim EVZ nicht zu wenig, weil es den Machern nicht bei allen Akteuren gelang, die sportliche Entwicklung richtig vorauszusagen. Entsprechend glücklich sind die Zuger darüber, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Suri für sie sehr vorteilhaft ist.

Bitter würde es für den Zuger Topskorer, sollte er seine Zelte in Nordamerika während der Saison abbrechen. Dann müsste er den Rest des Jahres in Zug für die Hälfte seines aktuellen Lohnes spielen – und zusätzlich das letzte Vertragsjahr absitzen. Suri sagt: «Mir gefällt es in Zug, und ich hätte gerne etwas Langfristiges unterschrieben. Dieses Angebot haben wir mehrfach gemacht, zu wirklich fairen Bedingungen, aber es hat leider nicht geklappt.»

Die nun im Raum stehende Vereinbarung hat Suri noch nicht unterschrieben, seine Bedenkzeit läuft bis nach den Olympischen Spielen. Der Flügelstürmer will sich die Option offenlassen, die kommende Saison in Zug zu bestreiten – und dann 2015 den freien Markt spielen zu lassen.

Vertrag in Tampa frühestens Juni

Nur: Trumpft Suri an Olympia ähnlich auf wie an der WM in Stockholm, wird er das NHL-Abenteuer schon im Sommer in Angriff nehmen, und zwar bei den Tampa Bay Lightning. Beim Team aus Florida hatte Suri bereits im letzten Juni einen Zweijahresvertrag unterschrieben, den er jedoch kurz darauf wieder auflösen musste – unter anderem eben darum, weil er über keine Ausstiegsklausel verfügte.

Der Kontakt zu den Lightning ist indes nie abgerissen, erst kürzlich besuchte Tampas Manager-Assistent Julien Brisebois drei EVZ-Spiele in Serie, und zwischen den Parteien gibt es ein Gentleman’s Agreement, dass man zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen neuen Vertrag aufsetzt. Wegen den Regeln in der NHL wird das frühestens im Juni der Fall sein.

Der Klub geht leer aus

Unabhängig davon, wann Suri sich mit Tampa einigt: Der EVZ wird wegen dem Fehlen eines Transfer-Übereinkommens zwischen der Schweiz und der NHL abermals leer ausgehen – genau wie zuvor schon bei Luca Sbisa, Rafael Diaz und Damien Brunner. Zum Vergleich: Schwedische oder Deutsche Klubs werden pro Abgang mit 240 000 Dollar entschädigt.

Heute Heimspiel gegen Rapperswil

Die Verhandlungen mit dem EVZ sind nicht nur nach Suris Gusto verlaufen, aber immerhin ist der quälend lange Poker nun Geschichte.

Schon heute im Heimspiel gegen Rapperswil kann Suri sich wieder auf das konzentrieren, was er am besten kann: Das Spiel mit dem Puck. Unerschrocken, und mit viel Zug zum Tor.