EISHOCKEY: Roland Staerkle: «Es hat ein Leader gefehlt»

Roland Staerkle, Präsident des EV Zug, hoffte in seinem letzten Amtsjahr auf den Meistertitel. Im Interview mit unserer Zeitung sagt er, warum das nicht geklappt hat.

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Der glanzvolle Abschluss seiner Amtszeit bleibt ihm verwehrt – trotzdem blickt EVZ-Präsident Roland Staerkle auf einige Highlights zurück. (Bild Roger Grütter)

Der glanzvolle Abschluss seiner Amtszeit bleibt ihm verwehrt – trotzdem blickt EVZ-Präsident Roland Staerkle auf einige Highlights zurück. (Bild Roger Grütter)

Interview Nicola Berger

Roland Staerkle, Sie übergeben das Amt des Präsidenten am 5. Oktober 2014 an Hans-Peter Strebel. Wie gross ist bei Ihnen die Enttäuschung nach dem letzten Playoff an der Spitze des Vereins?

Roland Staerkle: Klar bin ich enttäuscht. Ich wäre gerne mit einem Meistertitel abgetreten. Es sollte nicht sein. Mir bleibt immerhin die Erinnerung an 1998, als wir im letzten Spiel in Davos siegten und Meister wurden. Dieses Mal war die Heimfahrt weniger schön.

Wieso hat es nicht zu mehr gereicht?

Staerkle: Mir hat ein Leader gefehlt. Einer, der am Karren reisst und sagt: «Mir nach! Durch die Wand!» Das hatten wir in dieser Form nicht.

Der EVZ hat kein einziges Playoff-Heimspiel gewonnen.

Staerkle: Ja, das war auch enttäuschend. Da unternimmt man das ganze Jahr über alles, um unter den ersten vier Mannschaften zu landen. Und dann bringt der Heimvorteil überhaupt nichts. Aber so ist dieser Sport halt: unberechenbar.

Welches Saisonfazit ziehen Sie?

Staerkle: Wir hatten eine tolle Qualifikation. Man darf nicht vergessen, dass wir sehr viele Mutationen hatten: einen neuen Trainer, einen neuen Sportchef, viele neue Spieler. Es dauert, bis die Automatismen greifen. Das haben wir gut gelöst. Das Playoff war dann eine grosse Enttäuschung, das kann ich nicht verhehlen. Zu viele Spieler haben ihre Leistung nicht abrufen können. Die Spiele eins und sechs waren für mich am bittersten. Da haben wir die Serie verloren.

War Davos einfach besser?

Staerkle: Der HCD ist eine gute Mannschaft, keine Frage. Aber die Davoser wären zu packen gewesen. Wir hatten grosse Mühe mit ihrer Angriffsauslösung. Ein Pass und zack, waren sie durch. Da haben wir uns sprichwörtlich im Kreis gedreht.

Gibt es denn Hoffnung auf Besserung? Es fehlen die Mittel, um die Mannschaft weiter zu verstärken.

Staerkle: Wir haben auf diese Saison hin viel Geld investiert. Es ist klar, dass das nicht endlos so weitergehen kann. Irgendwann ist das Limit erreicht. Zug wird nie das höchste Budget haben. Wir bewegen uns im vorderen Mittelfeld, und ich denke nicht, dass sich das auf absehbare Zeit ändert. Aber ich traue dem Team nächstes Jahr durchaus mehr zu. Nicht alle haben ihr Potenzial abgerufen.

Mal grundsätzlich: Was bleibt haften nach fast neun Jahren als Präsident?

Staerkle: Es gab viele Highlights: den Stadionbau, den Sieg gegen die New York Rangers, den Lockout mit Henrik Zetterberg. Ich kann mich nicht beklagen.

Den bisherigen Vizepräsidenten Hans-Peter Strebel haben Sie sukzessive als Ihren Nachfolger herangeführt. Sind Sie froh, das Zepter bald übergeben zu können?

Staerkle: Für mich ist es die perfekte Lösung. Der EV Zug ist bei ihm in guten Händen.

Werden Sie dem Klub auch künftig verbunden bleiben?

Staerkle: Klar, ich werde weiterhin regelmässig an die Spiele kommen und behalte meine Plätze im Stadion. Ich freue mich auf die bevorstehende Zeit. Ohne Funktion im Klub lassen sich die Spiele ein wenig entspannter geniessen.

Tobias Stephan, Note 5,5  Ein Torhüter der Extraklasse und als EVZ-Lebensversicherung jeden Franken wert. In einzelnen Playoff-Spielen weniger stilsicher, nur darum nicht die Höchstnote. Quali: 5 Spiele, 2,3 Gegentore/Spiel, Fangquote: 92,7%. Playoff: 50 Spiele, 2,8 Gegentore/Spiel, Fangquote: 91,9%. (Bild: PD)
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Santeri Alatalo, Note 3,5  Ein übler Absturz: im Vorjahr noch der beste EVZ-Verteidiger, nun aber fahrig und seltsam oft ohne Übersicht. Quali: 47 Spiele, 3 Tore/6 Assists, 65 PIM*, Plus-7-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ 1 Assist, 6 PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Yannick Balser, Note 4  Seine Checks sind ligaweit gefürchtet. Aber es fehlt ihm an Beweglichkeit und Vista. Muss sich steigern, will er über 2016 hinaus in der NLA bleiben. Quali: 32 Spiele, kein Tor/1 Assist, 16 PIM, Plus-2-Bilanz. Playoff: kein Einsatz. (Bild: PD)
Simon Lüthi, Note 4 Ehrlicher Arbeiter mit tiefer Fehlerquote. Im Frühling verlor er erst seine Sicherheit und dann das Vertrauen des Trainers. Quali: 33 Spiele, 1 Tor/2 Assists, 14 PIM, Minus-3-Bilanz. Playoff: 3 Spiele, 1 Tor/ 1 Assist, 2 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Robin Grossmann, Note 5  Der zweitproduktivste Schweizer Ver- teidiger der Liga. Sehr begabt, aber er wirkt nicht immer gleich fokussiert. Quali: 50 Spiele, 4 Tore/22 Assists, 83 PIM, Plus-12-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, 2 PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Samuel Erni, Note 4  Bis zum Nationalmannschaftsaufgebot im Februar aufstrebend, danach indes sehr fehlerhaft. Im Playoff schwach. Quali: 47 Spiele, kein Tor/4 Assists, 20 PIM, Plus-1-Bilanz. Playoff: 4 Spiele, kein Tor/ 1 Assist, 2 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Johann Morant, Note 4 Lange verletzt, dann eine solide Ergänzung. Erstaunlich, dass er sich in Spiel 6 nicht Marc Wieser vorknöpfte. Quali: 5 Spiele, 1 Tor/kein Assist, 8 PIM, Plus-3-Bilanz. Playoff: 5 Spiele, kein Tor/ kein Assist, 2 PIM, Plus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Tim Ramholt, Note 5  In der Qualifikation top, mit hervorragender Plus/Minus-Bilanz. Aber im Playoff bekundete er Mühe mit dem Tempo. Quali: 50 Spiele, 9 Tore/10 Assists, 48 PIM, Plus-24-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, keine PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
 Dominik Schlumpf, Note 4,5 Tapfere, leidenschaftliche Defensivkraft mit Entwicklungspotenzial. Im Playoff geriet er läuferisch an seine Limiten. Quali: 32 Spiele, 1 Tor/9 Assists, 6 PIM, Plus-17-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, 2 PIM, Minus-3-Bilanz.
Daniel Sondell, Note 4,5 Begann stark, aber nach der Vertragsverlängerung baute er ab. Kommt Diaz, wird er nicht mehr benötigt. Quali: 46 Spiele, 6 Tore/30 Assists, 4 PIM, Plus-17-Bilanz. Playoff: 5 Spiele, kein Tor/ 1 Assist, 2 PIM, Minus-4-Bilanz. (Bild: PD)
Pierre-Marc Bouchard, Note 5 Technisch brillant, aber physisch mit Mängeln, die im Playoff aufgedeckt wurden. Dennoch: eine Attraktion. Quali: 49 Spiele, 17 Tore/34 Assists, 16 PIM, Plus-19-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, 3 Tore/ 2 Assists, keine PIM, Minus-4-Bilanz. (Bild: PD)
Dario Bürgler, Note 3,5 Kämpfte sich nach zwei Knieverletzungen zurück und drehte auf. Aber gegen Davos mit entscheidenden Fehlern. Quali: 29 Spiele, 8 Tore/10 Assists, 14 PIM, Plus-6-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, 1 Tor/ 1 Assist, keine PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Björn Christen, Note 3,5 Gewissenhaft, aber verletzungsbedingt nur noch ein Schatten seiner besten Tage. Als Edelreservist meist wirkungslos. Quali: 42 Spiele, 2 Tore/12 Assists, 33 PIM, Plus-1-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, keine PIM, Minus-3-Bilanz. (Bild: PD)
Nolan Diem, Note 5 Hatte anfangs zu kämpfen, danach aber sehr verlässlich - auch am Bully. Hat er mittelfristig das Zeug für die Top 6? Quali: 47 Spiele, 3 Tore/7 Assists, 12 PIM, Minus-5-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, 3 Tore/ kein Assist, 6 PIM, Plus-1-Bilanz. (Bild: PD)
 Nico Dünner, Note 4  Der temporäre Job als Erstliniencenter war für ihn ein paar Schuhnummern zu gross. Aber zumindest fiel er nicht ab. Quali: 22 Spiele, 2 Tore/3 Assists, 2 PIM, Minus-3-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, 2 PIM, Minus-2-Bilanz. (Bild: PD)
 Robbie Earl, Note 5 Im Playoff glücklos, zuvor mit sehr ordentlichen Skorerwerten. Aber Zug sucht einen wuchtigeren Mittelstürmer. Quali: 48 Spiele, 19 Tore/26 Assists, 34 PIM, Plus-16-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, 1 Tor/1 Assist, 4 PIM, Minus-5-Bilanz. (Bild: PD)
 Fabrice Herzog, Note 4,5Sein Potenzial schimmerte erst gegen Playoff-Ende so richtig durch, zuvor zu ängstlich. Ob er im ZSC richtig aufblüht? Quali: 43 Spiele, 6 Tore/3 Assists, 16 PIM, Plus-5-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ 3 Assists, keine PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Josh Holden, Note 4 In der Ausländerhierarchie nur noch die Nummer 4. Weniger präsent als einst, auch defensiv. Fehlte lange gesperrt. Quali: 34 Spiele, 15 Tore/16 Assists, 68 PIM, Plus-15-Bilanz. Playoff: 4 Spiele, 3 Tore/ 1 Assist, 2 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
 Dominice Lammer, Note 3,5Kaum Durchsetzungsvermögen. Schon seit zwei Jahren stagniert die Begabung. Würde ihm ein Wechsel guttun? Quali: 44 Spiele, 5 Tore/6 Assists, 39 PIM, Minus-9-Bilanz. Playoff: 4 Spiele, kein Tor/ 1 Assist, 2 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Lino Martschini, Note 5,5 Er wird immer besser, inzwischen der kreativste Schweizer Stürmer der Liga. Die Vertragsverlängerung wird teuer. Quali: 50 Spiele, 23 Tore/24 Assists, keine PIM, Plus-26-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, 1 Tor/ 4 Assists, keine PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Michal Repik, Note 5 Elegant und abschlussstark. Einer der besten Ersatzausländer der letzten Jahre. Als Center wäre er gesetzt gewesen. Quali: 4 Spiele, 2 Tore/1 Assist, keine PIM, Plus-2-Bilanz. Playoff: 3 Spiele, kein Tor/ 2 Assists, keine PIM, ausgeglichene Bilanz.
Fabian Schnyder, Note 4 Der Captain stellt sich in den Dienst der Mannschaft, aber er wirkt verkrampft und spielte keine berauschende Saison. Quali: 50 Spiele, 5 Tore/7 Assists, 18 PIM, Minus-6-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ kein Assist, keine PIM, Minus-1-Bilanz. (Bild: PD)
Reto Suri, Note 4,5 Solide Skorerwerte, aber im Playoff ohne Impulse und im Powerplay erneut desolat: 2 Tore in 56 Partien. Quali: 50 Spiele, 15 Tore/24 Assists, 48 PIM, Plus-20-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ 2 Assists, 4 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Fabian Sutter, Note 4 Seine fünfte und letzte EVZ-Saison war nicht seine beste. Zuverlässig, aber er tauchte erneut zu oft ab. Quali: 50 Spiele, 9 Tore/9 Assists, 14 PIM, Plus-11-Bilanz. Playoff: 6 Spiele, kein Tor/ 1 Assist, 4 PIM, ausgeglichene Bilanz. (Bild: PD)
Sandro Zangger, Note 3,5 Starker Schuss, aber Defizite im Skating und bei der Spielintelligenz. Zuletzt verlor er fast jede Scheibe. Quali: 31 Spiele, 4 Tore/7 Assists, 10 PIM, Plus-2-Bilanz. Playoff: 5 Spiele, kein Tor/ kein Assist, keine PIM, Minus-5-Bilanz. (Bild: PD)

Tobias Stephan, Note 5,5

Ein Torhüter der Extraklasse und als EVZ-Lebensversicherung jeden Franken wert. In einzelnen Playoff-Spielen weniger stilsicher, nur darum nicht die Höchstnote. Quali: 5 Spiele, 2,3 Gegentore/Spiel, Fangquote: 92,7%. Playoff: 50 Spiele, 2,8 Gegentore/Spiel, Fangquote: 91,9%.

(Bild: PD)