EISHOCKEY: Sie punktet an jedem Spiel des EVZ

Ohne Schiedsrichter ist kein Spiel möglich, aber es braucht auch Punktrichter. Im Online-Zeitalter sind sie noch wichtiger.

Drucken
Teilen
Die EVZ-Punktrichterin Doris Müller an ihrem eng bemessenen Arbeitsplatz. Die Baarerin ist seit Jahrzehnten bei EVZ-Spielen der 1. Mannschaft und der Elite-A-Junioren als Punktrichterin tätig. (Bild Maria Schmid)

Die EVZ-Punktrichterin Doris Müller an ihrem eng bemessenen Arbeitsplatz. Die Baarerin ist seit Jahrzehnten bei EVZ-Spielen der 1. Mannschaft und der Elite-A-Junioren als Punktrichterin tätig. (Bild Maria Schmid)

Marco Morosoli

Bei den EVZ-Spielen in der Bossard-Arena fehlt Doris Müller, die ihr Alter nicht verraten will, kaum einmal. Die Spiele der Zentralschweizer sieht sie aber aus einem speziellen Blickwinkel. Sie sitzt im Zeitnehmerhäuschen unmittelbar neben der Spielfläche und bekommt so alles mit auch den manchmal ohrenbetäubenden Lärm. Als Punktrichterin sorgt sie dafür, dass die Spielaufstellung der beiden Teams stimmt, die richtigen Torschützen aufgenommen und alle Strafen korrekt auf dem Matchblatt aufgeführt werden. Dieser Rapport kann fast in Echtzeit auf www.sehv.ch abgerufen werden.

Wie lange arbeiten Sie bei Heimspielen des EV Zug schon als Punktrichterin?

Doris Müller: Mittlerweile sind es schon 34 Jahre. Zwei Jahre zuvor stieg ich in der gleichen Funktion beim EVZ-Nachwuchs ein. Meine beiden Söhne haben Eishockey gespielt, und ich wollte mich nützlich machen.

Wie haben sich Ihre Aufgaben seit Ihrem Einstieg verändert?

Müller: Alles ist professioneller geworden. Als ich zum ersten Mal als Punktrichterin im Einsatz war, musste ich noch alles von Hand auf das Matchblatt schreiben. Und dabei richtig drücken. Denn von diesem Spielbericht mussten nach der Partie fünf lesbare Durchschläge vorliegen. Heute gebe ich alles in ein spezielles Programm ein. Dieses kann dann auf dem Internet eingesehen werden. Dies war früher noch nicht möglich. Die Umstellung hat mir aber keine Probleme gemacht. Ich bin damit immer klargekommen.

In einem hektischen Spiel wie Eishockey die Übersicht und die Ruhe zu behalten, ist sicher nicht einfach.

Müller: Für mich bedeutet dies keinesfalls Stress. Ich habe in all den Jahren eine Routine entwickelt. Das führt dazu, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse. Dabei hilft mir natürlich, dass wir in der Bossard-Arena ein eingespieltes Team haben. Dieses setzt sich aus dem Zeitnehmer, dem Mann für die Hintertorkamera, dem Speaker und den beiden Personen für die Strafbankbetreuung zusammen. Wie ich sind alle diese Leute schon sehr lange dabei. Wir verstehen uns blind und funktionieren auch, ohne dass wir viel miteinander reden müssen. Das heisst: Ich kann mich auf jeden verlassen.

Gab es auch schon brenzlige Situationen bei Eishockeyspielen?

Müller: (überlegt lange) So sehr ich mich auch hintersinne. Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der etwas aus dem Ruder gelaufen wäre. Wir wissen immer, was wir machen müssen.

Aber es kann ja sein, dass die Schiedsrichter viele Strafen auf einmal aussprechen? Oder aber es gibt aufgeschobene Strafen.

Müller: Da nehme ich meine Unterlagen, stehe ans Türchen der Zuger Strafbank und lasse mir von den Unparteiischen alle auszusprechenden Strafen diktieren. Zeit, diese später ins Reine heute ins Computerprogramm – zu übertragen, bleibt mir dann hinterher noch genügend.

Und wenn einmal der Bildschirm Ihres Computers schwarz ist oder aber das Internet nicht funktioniert?

Müller: Das ist glücklicherweise bis jetzt nie passiert. Aber auch wenn dieser «Unfall» mal geschehen würde, bin ich nicht verloren. Ich fertige von jedem Spiel einen «Sudel» an, auf dem ich alles aufschreibe. Diesen könnte ich dann hinterher ins Reine schreiben und den Schiedsrichtern aushändigen.

Was bekommen Sie in Ihrem Glashaus vom Spiel überhaupt mit?

Müller: Ich habe immer noch genügend Zeit, das Geschehen zu verfolgen. Ich sitze in der ersten Reihe und habe erst noch einen Sitzplatz in einem geheizten Raum.

Es kommt aber vor, dass die Match­uhr nach einem Schiedsrichterpfiff weiterläuft. Warum?

Müller: Sind die Türen geschlossen, dringt der Lärm im Stadion abgeschwächt zu uns im Glashaus durch. Da kann es natürlich schon passieren, dass der Zeitnehmer einmal einen Pfiff nicht mitbekommt, aber das kommt ja nicht so oft vor. Es ist eben nicht so einfach, wie viele Matchbesucher denken.

Kennen Sie denn das Eishockey-Regelbuch auswendig?

Müller: Mit all den Jahren, die ich diesen Job nun schon mache, weiss ich natürlich, was Sache ist. Vor jeder Saison gehe ich zu einem Treffen, wo uns die Regeländerungen vermittelt werden.

Wie viele Stunden opfern Sie für Ihr Hobby?

Müller: Ich bin vor einem National-League-Spiel um 17.30 Uhr in der Bos­sard-Arena. Eine halbe Stunde nach dem Spiel habe ich meine Arbeit erledigt. Seit wir mit dem Computerprogramm den Matchbericht erledigen, bin ich schneller fertig. Bevor ich den Computer runterfahren kann, muss ich jeweils noch die Schuss-Statistik und die Plus-Minus-Statistik eingeben. Dann bringe ich den fertigen Spielbericht zu den Kabinen der beiden Teams.

Was bekommen Sie für Ihren Einsatz?

Müller: Einen Platz auf der Tribüne. Ohne Idealismus kann ein solcher Job nicht erledigt werden. Ich habe noch den gleichen Spass wie zu Beginn.

Für viele Matchbesucher sind die Schiedsrichter ein rotes Tuch. Beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu den Unparteiischen.

Müller: Es muss ja jemand pfeifen, sonst gäbe es keine Spiele. Eines ist sicher: Kein Schiedsrichter macht absichtlich einen Fehler. Auch bevorteilen die Schiedsrichter nicht willentlich die eine oder die andere Mannschaft. Mit den Unparteiischen habe ich ein gutes Verhältnis. Klar ist aber, dass wir allen mit dem nötigen Respekt begegnen.

Werden die Unparteiischen in Zug gut behandelt?

Müller: Auch das gehört dazu. In Zug bekommen sie das gleiche Essen, das auch den Spielern serviert wird. Und auch ein Bier darf da nicht fehlen.

Und wie kommen Sie mit den Coaches der Teams aus?

Müller: Auch das läuft professionell ab. Besonders gut kenne ich natürlich Patrick Fischer (Trainer des HC Lugano) und Kevin Schläpfer (Trainer EHC Biel), die waren ja als Spieler in Zug. Ich habe Fischer früher, als er noch ein Kind war, die Schlittschuhe geschnürt. Mit dem Davoser Trainer Arno Del Curto mache ich vor einem Spiel oft noch ein wenig Small Talk. Klar, mag ich nicht alle Coaches gleich gut. Doch darüber mag ich nicht reden.

Und mit den Spielern?

Müller: Ich kann sagen, dass ich in all den Jahren nie von einem Spieler angerempelt worden bin.

Viele Eishockeyspieler folgen vor dem Spiel einem bestimmten Ritual? Und wie halten Sie es?

Müller: Wenn ich beim EVZ die Spielaufstellung abhole, greife ich immer in die Kaugummi-Schachtel und nehme mir einen heraus. Der EVZ-Materialwart (Urs Weibel, Anm. d. Red.) erlaubt mir dies.

Und wie lange machen Sie diesen Job noch? Im Berufsleben hätten Sie ja längst eine Pension zugute.

Müller: Ich habe immer noch die gleiche Freude an meiner Aufgabe wie bei meinem ersten Spiel.

Wissen Sie, wie viele Matchberichte Sie schon erstellt haben?

Müller: Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich mache ja meinen Job nicht nur für die erste Mannschaft, sondern bin auch immer wieder bei Elite-Spielen dabei. Dann bin ich in Personalunion jeweils auch noch Speaker.