EISHOCKEY: Suri freundet sich mit WM-Silber an

WM-Held Reto Suri (24) ist wieder zu Hause. Im Gepäck: Edelmetall und unvergessliche Erinnerungen.

Luc Müller
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Reto Suri und sein Lohn für eine grosse WM mit dem Schweizer Nationalteam: In der Bar Eleven 11 präsentiert der EVZ-Stürmer seine Silbermedaille. (Bild Stefan Kaiser)

Reto Suri und sein Lohn für eine grosse WM mit dem Schweizer Nationalteam: In der Bar Eleven 11 präsentiert der EVZ-Stürmer seine Silbermedaille. (Bild Stefan Kaiser)

Da liegt sie auf dem Tisch: die Silbermedaille von Reto Suri. Der EVZ-Stürmer ist erst am Montag von Stockholm zurückgekehrt, wo die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft Vizeweltmeister geworden ist. «Die Enttäuschung über das verpasste Gold schwingt immer noch ein bisschen mit», sagt Suri und nippt in der Zuger Bar Eleven 11 an einem Kaffee. Der 24-Jährige wirkt ruhig und gelassen. Ein Gruss geht in Richtung Theke: Dort sitzt der ehemalige EVZ-Spieler Paul Di Pietro. Zudem zapft heute Corsin Camichel, der ebenfalls einst für die Zuger auf dem Eis stand und in Cham wohnt, aushilfsmässig ein Bier. «Reto, super Leistung an der WM», so deren Tenor.

Erst jetzt realisiere er langsam, was die Nationalmannschaft erreicht habe. «Vor allem beim Empfang der Fans am Flughafen lief es mir kalt den Rücken hinunter. Diese Emotionen waren fantastisch.» Von einem kleinen Jungen habe er einen Fanbrief erhalten, «das hat mich echt gerührt».

Mit der Freundin in die Ferien

Suri unterbricht das Gespräch – in der Bar steht plötzlich EVZ-Coach Doug Shedden, der gleich um die Ecke wohnt und hier wie viele Spieler öfters vorbeischaut. Die beiden hatten an der WM einen speziellen Moment erlebt – ausgerechnet Reto Suri traf im Vorrundenspiel gegen Kanada im Penaltyschiessen zwei Mal und avancierte so zum Matchwinner. «Weil es einer meiner EVZ-Spieler war, hat es weniger wehgemacht», witzelt Shedden, der als Team-Assistent für Kanada an der Bande stand. Das Ausscheiden seines Teams sei schon enttäuschend gewesen. Aber in Kanada hätten die Olympischen Spiele oder die NHL einen noch grösseren Stellenwert, ergänzt Shedden, während er Suris Silbermedaille in den Fingern hält. «Shedden hat mir nach dem Spiel gegen Kanada per SMS gratuliert – jedoch erst einen Tag später», sagt Suri und lacht. Derzeit quille seine Combox über, und auch von Mails werde er überschwemmt. «Jetzt habe ich dann Zeit, diese zu lesen», so der EVZ-Stürmer. Zunächst ist er aber froh, ganz vom Eishockey abschalten zu können: «Langsam tut der Körper weh, und auch mental bin ich leer.» In den nächsten Tagen wird er dann aber seine EVZ-Kollegen besuchen, die bereits wieder im Sommertraining stehen, und absprechen, wann er selbst wieder trainiert. Nun geniesst er zuerst ein paar freie Tage in seiner 3,5-Zimmer-Wohnung in Baar, die er mit seiner Zuger Freundin bewohnt. Im Juli verbringt er mit ihr noch Ferien in der Dominikanischen Republik.

«Sie war beim Dänemark-Spiel im Stadion», verrät Suri, «auch meine Familie besuchte mich in Schweden. Wir waren in Stockholm shoppen. Die Stadt hat mir super gefallen.» Auch mit seinen engen Freunden sei er während der ganzen WM in Kontakt gewesen: per Internet oder SMS. Im Zimmer, das er mit HCD-Stürmer Dario Bürgler (25) geteilt hat, telefonierte er am Abend zudem oft. «Oder wir sind in Stockholm essen gegangen. Aber ein Bier habe ich erst nach dem Final getrunken», sagt Reto Suri. Spätestens gegen 23 Uhr sei bei ihm jeweils Lichterlöschen gewesen, «denn die WM war anstrengend, und ich brauchte genug Schlaf».

Suris Blitzidee mit den Pucks

«Was ich nie vergessen werde, ist der Team-Spirit», erzählt er und strahlt. «Wir wurden zur verschworenen Gruppe und haben uns von aussen durch Störversuche nicht beirren lassen. Wir haben uns fast abgeschottet.» So habe er gar nicht die Medien verfolgt und deshalb gar nicht gewusst, welche Euphoriewelle durch die Schweiz geschwappt sei. «Nach dem Final kam Bundesrat Ueli Maurer in die Kabine und erklärte, dass wir das Land unglaublich stolz gemacht hätten. Da haben wir nochmals realisiert, was wir bewegt haben.»

Und wie sieht er seine sportliche Zukunft? «Ich fühle mich sehr wohl in Zug und habe beim EVZ noch einen zweijährigen Vertrag.» Über die NHL denke er nicht nach: «Das ist jetzt kein Thema.» Er habe aber an der WM auch gemerkt, wie stark die Schweizer Liga sei: «Unsere Goalies sind Spitzenklasse.» Wohin er die Medaille zu Hause hängen wird, weiss er noch nicht. Auch ein anderes Souvenir bekommt in seiner Wohnung einen Ehrenplatz: «Ich habe nach einem Training zwei offizielle Pucks der WM mitgenommen, das war eine Blitzidee.»