EISHOCKEY: Tim Ramholt, der Bodyguard im EV Zug

Ein guter Goalie, viel offensives Talent und eine derzeit anfällige Abwehr – so steht der EVZ zehn Tage vor Playoff-Beginn da. Und wie sieht es aus mit der Härte?

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EVZ-Verteidiger Tim Ramholt (Mitte) befreit Teamkollege Jarkko Immonen (am Boden) aus den Fängen des Bielers Mathias Joggi. (Bild: Keystone/Thomas Hodel)

EVZ-Verteidiger Tim Ramholt (Mitte) befreit Teamkollege Jarkko Immonen (am Boden) aus den Fängen des Bielers Mathias Joggi. (Bild: Keystone/Thomas Hodel)

Er ist so etwas wie der Bodyguard im EVZ. Einer auf Kufen. 1,86 m gross und 94 kg schwer. Tim Ramholt ist immer parat, wenn Teamkollegen – beim EV Zug sind es meist kleinere – in physische Bedrängnis geraten. Am Freitag in Biel (4:3) hat der 31-jährige Verteidiger, der im Sommer zu den Kloten Flyers wechseln wird, Jarkko Immonen aus den Fängen des fuchsteufelswild gewordenen Prüglers Mathias Joggi befreit. Ramholt kam herangestürmt und trennte den Bieler vom Finnen, als gäbe es nichts Leichteres. «Wir können niemanden aus dem Stadion rumpeln», sagte Tim Ramholt, «aber wir können bissig spielen, aggressiv auf die Scheibe.»

Martschinis Unerschrockenheit

Dass seine Worte keines Tatbeweises harren, zeigte der EVZ am Samstag beim 2:4 gegen Titelverteidiger Davos. Nach der Schockstarre und dem 0:3 nach 17 Spielminuten vor dem zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauften Haus begann der Gastgeber, Moral zu zeigen. Charakter. Er begann dagegenzuhalten, zu fräsen und kam bis auf 2:3 heran, bevor Davos die definitive Siegsicherung gelang. Ihm sei das Spiel so vorgekommen, als sei die ganze Viertelfinalserie 2015 zwischen diesen beiden Mannschaften in eine Partie verpackt worden, erzählte Zugs Cheftrainer Harold Kreis. Für ihn repräsentierte das verschlafene erste Drittel den Fehlstart ins letzte Playoff und die restlichen 40 guten Minuten die beiden Auswärtssiege in Davos. «Dieses Spiel war unser Weckruf.»

Bouchards Disziplinlosigkeit

Zudem enthielt es eine wichtige Lektion: Während die Zuger im zweiten und dritten Drittel mehr liefen und die Intensität in die Höhe schraubten, begannen die Davoser, sich mit Provokationen und zum Teil unsauberen Mitteln zu wehren. Und wie reagierten die Zuger? Sie blieben cool, liessen sich nicht auf die Scharmützel ein. Vielleicht brannten HCD-Aggressivleader Dino Wieser deshalb auch die Sicherungen durch: Er streckte Zugs Torjäger Lino Martschini in der 51. Minute mit einem Check gegen den Kopf nieder – und das weit weg vom Spielgeschehen. Harold Kreis strich hervor: «Lino ist zwar ein klein gewachsener Spieler, aber der lässt sich durch niemanden einschüchtern.»

Was Kreis hingegen nicht gefallen hat, war die Reaktion von Topskorer Pierre-Marc Bouchard im Verlaufe des missratenen Startdrittels. Auf eine Provokation reagierte er mit einem Stockschlag gegen den HCD-Stürmer Alexandre Picard. Im folgenden Powerplay erzielte Dario Simion das siegbringende 3:0. «In solchen Situationen muss man sich im Griff haben. Das schaue ich sicher mit der Mannschaft an», hielt Kreis vor dem zweiten Aufeinandertreffen mit Davos (heute, 19.45) innerhalb von drei Tagen fest.

Von den Spielleitern erwartet er, dass sie ihren Job machen und Provokationen im Keim ersticken. «Wir sind keine ‹Fighting League›. Bei uns gibt es nicht die Tradition von Beschützern für die talentierten Spieler.»

Ein Beschützer im eigentlichen Sinne ist auch Tim Ramholt nicht. Weil er kein brutaler Schläger ist. Aber er kann dazwischengehen und für Ordnung sorgen, wenn es sein muss. Er selber erklärte: «Wir haben Kraft, auch wenn wir mit unserer durchschnittlichen Körpergrösse keinen Gegner einschüchtern können.»

Schmerzen auszuhalten und sich dadurch nicht vom Weg zum Ziel abbringen zu lassen, ist auch eine Form von Kraft. Und die kann im Playoff entscheidend sein.

Andreas Ineichen