EISHOCKEY: Trotz Debakel: EVZ hält am Trainer fest

Auf kürzestem Weg ist der EV Zug gegen Lugano aus den Playoffs ausgeschieden. Wer trägt die Schuld an der grössten Playoff-Schmach seit 15 Jahren? Sicher ist: Harold Kreis bleibt Trainer.

Andreas Ineichen
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Auch in der kommenden Saison der Chef an der Bande: EVZ-Trainer Harold Kreis. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Auch in der kommenden Saison der Chef an der Bande: EVZ-Trainer Harold Kreis. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Wäre Ehrenpräsident Fredy Egli noch ein Macher im Dunstkreis des EV Zug, in der sportlichen Leitung, der Klubführung und bei den zum Teil fürstlich entlöhnten Spielern, stünden unangenehme Tage bevor. So wie damals im Frühjahr 2001. Da waren die Zuger letztmals ohne Sieg aus den Playoffs ausgeschieden (0:4 gegen Kloten), und es fegte ein Sturm der Entrüstung über den EV Zug hinweg. Als er sich gelegt hatte, waren der Trainer André Peloffy und Sportchef Kurt Halm weg, wurde die legendär gewordene «Viererbande» (die Schweizer Leistungsträger André Rötheli, Dino Kessler, Patrick Sutter und André Künzi) öffentlich als «Unruhestifter» gebrandmarkt und wegtransferiert (bis auf Künzi) – und vier der fünf Verwaltungsräte mitsamt Präsident Gusti von Wartburg traten zurück. An den Sturmschäden hatte der EVZ in der Folge noch Jahre zu kauen.

Hat Kreis noch Glaubwürdigkeit?

Zwar haben die aktuellen Trainer und Spieler den Zorn und Frust der aufgebrachten Anhänger gleich nach der späten Rückkehr aus Lugano zu spüren bekommen, doch eine Wiederholung der Selbstzerfleischung wie zu Beginn dieses Jahrtausends wird mit Sicherheit nicht stattfinden.

Aber das bedeutet nicht, dass es keine personellen Veränderungen geben wird. Sportchef Reto Kläy ist sich – auch wegen der eigenen Jobsicherheit – bewusst, dass «wir ein Zeichen setzen müssen». Welches es sein wird, darüber haben gestern Nachmittag Kläy, sein Vorgesetzter und CEO Patrick Lengwiler sowie das Trainergespann Harold Kreis und Waltteri Immonen erste Gespräche aufgenommen. Mit den Spielern sind sie so verblieben, dass sie sich in den nächsten Tagen für Einzelgespräche bereithalten müssen.

Ein erster wichtiger Beschluss bei der Aufarbeitung des Playoff-Debakels ist bereits gefallen. Harold Kreis (57), dessen Vertrag demonstrativ vor Beginn dieser letztlich verunglückten Saison um ein Jahr verlängert worden ist, wird Trainer der Zuger bleiben. «Beim Trainergespann gibt es keine Änderung», sagt CEO Patrick Lengwiler unmissverständlich und merkt im nächsten Atemzug an: «Das heisst aber nicht, dass sie keine Fehler gemacht haben. Doch den Hunger, den Willen auch, den müssen die Spieler aufs Eis bringen.»

Auch wenn man argumentieren könnte, dass die Glaubwürdigkeit und Autorität von Harold Kreis nach dem Scheitern in den letzten beiden Playoff-Viertelfinals mit den Zugern gelitten habe, so ist den Worten von Lengwiler zufolge klar, wo der Hebel angesetzt werden wird: bei der Zusammensetzung des Kaders für die nächste Saison.

Die Führung des EV Zug wird sich bewusst sein, dass sie sich nicht einfach von Ergänzungsspielern trennen kann, wenn sie den Nachweis erbringen will, sich selbst und das spielende Personal kritisch hinterfragt zu haben. Konkret bedeutet das: Es muss auch ein dicker Fisch in der Auslage präsentiert werden.

Sondell mit schlechten Karten

Dafür bietet sich von den Ausländern vor allem Daniel Sondell an, auch wenn bloss Liga-Topskorer Pierre-Marc Bouchard einigermassen in die Nähe der Vorstellung eines fähigen Playoff-Spielers gekommen ist. Jarkko Immonen und Josh Holden, der Liebling von Lengwiler, waren zwar weit davon entfernt, ihr Salär wert zu sein. Doch Sondell, mit dem Kläy letzte Saison voreilig bis 2017 verlängert hat, ist schon seit dem Jahreswechsel bloss noch eine Enttäuschung. Dem 32-jährigen Schweden fehlen die Unerschrockenheit, Härte und defensive Stabilität, um dem EV Zug helfen zu können. Dass der Offensivverteidiger der punktbeste Spieler seiner Zunft in der NLA-Qualifikation (4 Tore und 34 Assists in 48 Spielen) war, wird bestimmt kein schlechtes Argument in den Verhandlungen mit einem möglichen Abnehmer sein.

Bürglers Anwalt ist sein Vertrag

Von den Spielern mit Schweizer Pass oder Schweizer Lizenz werden sich Verteidiger Santeri Alatalo (Vertrag bis 2017), Defensivcenter Emmanuel Peter (2017), Goalgetter Dario Bürgler (2018) und Sandro Zangger (2017) vor den Gesprächen mit der sportlichen Leitung warm anziehen müssen. Alatalo, der sich zu viele taktische und disziplinarische Blackouts geleistet hat, und der sportlich orientierungslos wirkende Zangger, der in der Organisation der ZSC Lions für zu leicht befunden worden ist, haben keine grossen Fürsprecher im Verein.

Von Peter ist zumindest Kläy überzeugt, die Gründe dafür sind zum Teil eine Exklusivität des Sportchefs, und der gewiefte Anwalt von Bürgler ist sein hoch dotierter Vertrag. Mehr als 400 000 Franken soll der Stürmer im Jahr verdienen, 2014/15 machte er in 35 Spielen 9 Tore und 11 Assists. In der eben erst abgelaufenen Saison brachte es der Stürmer, der von Kreis ursprünglich in die vierte Reihe strafversetzt wurde, in 47 Qualifikationsspielen auf 10 Tore und 11 Assists. In den vier Playoff-Spielen blieb Bürgler ohne Skorerpunkt. Ihn loszuwerden, wird den EV Zug gewiss eine schöne Stange Geld kosten.

Aber auch ein Samuel Erni (24/Verteidiger), Dominic Lammer (23/Stürmer) und Dominik Schlumpf (25/Verteidiger) dürfen sich ihrer Zukunft im EV Zug trotz einem noch ein Jahr gültigen Vertrag nicht sicher sein.

Sicher ist: Der zwingend nötige Umbau des Teams wird nicht ohne Kostenfolge über die Bühne gehen.

Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Bild: Grafik Neue LZ

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