EISHOCKEY: Ungebremster Zug nach oben

Der EV Zug schafft es, in der ersten Dekade nach seiner Gründung in neun Jahren von der 2. Liga in die NLA aufzusteigen. Die Euphorie erhält letztlich einen Dämpfer.

Marco Morosoli
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Reto Stuppan, Heinz Jenni und René Bachmann (von links) lassen sich nach dem ersten NLA-Aufstieg 1976 über dem Zuger Landsgemeindeplatz feiern. (Bild: EVZ)

Reto Stuppan, Heinz Jenni und René Bachmann (von links) lassen sich nach dem ersten NLA-Aufstieg 1976 über dem Zuger Landsgemeindeplatz feiern. (Bild: EVZ)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der Eissportverein Zug, der aus dem Baarer Schlittschuh-Club entstanden ist, spielt bereits in seiner ersten Saison bei den Grossen mit. Als 2.-Liga-Team holt der EVZ beim Eröffnungsturnier im November 1967 auf der Kunsteisbahn Zug den Pokal. Die Zuger schlagen den Traditionsklub Arosa (1. Liga) und vor 3500 Zuschauern den SC Bern (NLB). Die Erfolgskurve der Zuger kennt dann nur noch eine Richtung: aufwärts.

Am Ende der Spielzeit 1968/69 schafft der EV Zug den Aufstieg in die 1. Liga und spielt auch dort eine Saison später an der Spitze mit. Der Durchmarsch in die NLB ist möglich. In einer Spielerabstimmung – die erst Jahre später publik wird – votieren drei Viertel gegen ­einen neuerlichen Aufstieg. Der EVZ scheitert in den Aufstiegsspielen gegen Olten und Uzwil. Zwei Jahre später sind die EVZ-Spieler wieder hungriger. Dies auch, weil auf die Spielzeit 1972/73 namhafte Spieler wie Gérald Rigolet und Paul Probst vom NLA-Serienmeister La Chaux-de-Fonds kommen. Obendrein heuert auch noch der Topverteidiger Reto Stuppan (Genf-Servette) an. Den angepeilten Aufstieg in die NLB realisieren die Zuger im Jahre 1974. In der Saison darauf stoppt Biel den Zuger Aufstiegsexpress – aber nur für ein Jahr. Nach einer denkwürdigen Aufstiegsrunde siegt der EVZ am 2. März 1976 dank eines Tores seines Topskorers Heinz Jenni in extremis mit 7:6 – Zug spielt erstmals in der NLA. Es ist die Krönung einer turbulenten Woche: Am 24. Februar ist die Partie gegen Arosa nach 44 Minuten wegen Nebels abgebrochen worden. Das ist eine Steilvorlage für den städtischen Urnengang am 29. Februar, in welcher ein Kredit für die Überdachung des Herti-Stadions klar angenommen wird (4267 Ja/2433 Nein). Bereits sieben Monate später ist das Dach erstellt.

Dieses bringt dem EVZ vorerst kein Glück. Zug verliert 16 von 28 Meisterschaftsspielen – viele davon knapp. Doch Ehrenmeldungen bringen keine Punkte. Die Konsequenz: Zug steigt gleich wieder in die NLB ab.

Hinweis Bis zur Jubiläumsfeier Anfang Mai beleuchtet unsere Zeitung monatlich eine Dekade der EVZ-Geschichte.

 

Die Frauen haben uns Pullover gestrickt

Ich weiss noch gut, wie ich in den 1960er-Jahren mit «Aschrubi-Schlittschuhen» auf dem Platz vor dem Neustadtschulhaus in Zug mit meinem Bruder Oskar, Beat Landtwing und anderen Eishockey gespielt habe. Funktionäre des Schlittschuh-Clubs Baar haben uns eingeladen, bei ihnen mitzumachen. Wir Buben, ich war damals noch nicht zwanzig Jahre alt, haben mit den älteren Herren gespielt. Einer der Mentoren war damals Louis Wettstein, der spätere Betriebsleiter der Kunsteisbahn Zug. Wenn wir nicht auf dem Weiher der Baarer Brauerei trainieren konnten, sind wir nach Rapperswil gefahren. Das Training hat dabei oft erst um 23 Uhr begonnen. Wir sind dann erst um 2 Uhr in der Früh zu Hause gewesen – und mussten am nächsten Morgen wieder wie immer zur Arbeit gehen.

Als der ZSC Beat Landtwing geholt hat, sind wir fast ausgeflippt. Ich habe mich aber schon damals auf den Beruf konzentriert, Eishockey war mein Hobby. Wir sind in der Baarer Zeit auch zu Turnieren nach Österreich gefahren. Unser damaliger Vereinspräsident hat uns als Schweizer Meister verkauft ... Unsere Gegner haben damals sehr ruppig gespielt. Aber es hat dazugehört, einen verschlagenen Kopf zu haben.

Dass es in Zug eine Kunsteisbahn gegeben hat, ist 1966 eine knappe Entscheidung gewesen. Wir sind, um für das Projekt Werbung zu machen, im Baarer Fasnachtsumzug mitgelaufen. Toll war das Eröffnungsturnier auf der neuen Kunsteisbahn. Wir sind dort gegen den SC Bern im Final gestanden. In einem Spiel hat mein Bruder Oski aber eine Strafe bekommen und deshalb geweint.

Schon damals hatte Louis Wettstein sportliche Ambitionen. Er wollte in die 1. Liga aufsteigen. Wir haben dann «Wolldeckenkanadier» aus Kloten geholt. Unter ihnen war Walter Wipf. Wir hatten einen hohen Zuschauerdurchschnitt. Jedenfalls waren die Zuger Fussballklubs immer neidisch, dass wir selbst bei einem Training 200 Besucher hatten. Auffällig ist damals gewesen, dass der Frauenanteil der Zaungäste sehr gross war. Die Frauen haben aber nicht nur zugeschaut. Sie haben uns auch Pullover gestrickt. In diese Zeit fällt auch ein ‹Straftraining› der speziellen Art. Es hat aber nicht etwa auf dem Eis stattgefunden, sondern bei einem Bier in der «Seckelschwänki». Ich weiss auch noch, dass der eine oder andere Spieler im «Topas» gesehen worden ist.

Ich gebe zu, dass ich ein schlechter Schlittschuhläufer war, aber ich war ein gerissener Spieler. Ich wusste, wie ich die Goalies austricksen konnte. Im Nachgang des Pragers Frühlings im Jahre 1968 sind auch zwei Tschecho­slowaken zu uns gekommen, die in die Schweiz geflüchtet waren. Jaroslav Kochlöfl und Frantisek Fiacan waren sehr launische Spieler. Wenn es ihnen lief, drehten sie mächtig auf. Andernfalls mussten wir sie motivieren.

Speziell erinnern kann ich mich an ein Turnier in Morges. Als wir uns für die Abfahrt bereit gemacht haben, ist uns auf dem leeren Parkplatz Erna Grüter aufgefallen. Sie wirkte verloren, weil sie nicht mehr mit einem Zug heimfahren konnte. Wir haben sie dann mitgenommen. Grüter ist ein EVZ-Fan der ersten Tage. Sie hat nie ein Training ausgelassen und war auch dabei, wenn wir im Sommer Fussball gespielt haben. Wir haben sie all die Jahre auf Händen getragen.

Professionell ging es ab dem Zeitpunkt zu und her, als wir uns bei der Meistermannschaft von La Chaux-de-Fonds bedient haben. Von dort kamen die Bekannten Gérald Rigolet, Heinz Jenni und Paul Probst. Auch Reto Stuppan ist in dieser Zeit zu uns gestossen. Auch sie mussten weiterhin arbeiten gehen, bekamen aber etwas Geld für ihr Engagement. Im Jahr 1974 habe ich dann mit dem Eishockeyspielen aufgehört, weil ich nicht mehr mithalten konnte. Ich habe an meine Zeit noch heute ein paar «Erinnerungsstücke». Eines hat mir der ZSC-Kanadier Wayne Small verpasst. Er hat mir in einem Freundschaftsspiel fast alle Zähne ausgeschlagen. Ich bin dann in diesem Jahr als Dracula an die Fasnacht gegangen.

Ich habe noch einige Jahre bei den Senioren mitgemacht. Im Alter von 34 Jahren war endgültig Schluss. In einem Spiel gegen Urdorf hat mich ein Gegner immer wieder attackiert. Das passte mir nicht. Ich habe mitten im Spiel meinen Kollegen gesagt: Das wars. Seither habe ich die Schlittschuhe nicht mehr geschnürt – fürs Eishockey im All­gemeinen und den EVZ im Speziellen interessiere ich mich aber bis heute.

Zeitzeuge Ueli Huber, aufgezeichnet von Marco Morosoli