EISHOCKEY: Viktor Stalberg sucht in Zug eine neue Rolle

Viktor Stalberg (31) ist der meistbeachtete EVZ-Neuzugang in diesem Sommer. Der Schwede bringt die Routine aus über 500 NHL-Spielen mit. Und er hat noch viel vor.

Sven Aregger
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Viktor Stalberg fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Umgebung.

Viktor Stalberg fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Umgebung.

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Viktor Stalberg sitzt im Restaurant Sixtyseven in der Bossard-Arena. Er trägt ein dunkles Shirt, eine schwarze Baseballcap und Sportshorts. An diesem Nachmittag hat er bereits ein Interview hinter sich, jetzt muss er sich erneut Fragen stellen lassen. Der 31-jährige Schwede nimmt es gelassen. Schnell dreht sich das Thema um seinen Wechsel zum EV Zug. Stalberg sagt: «Ich will wieder mehr Spass am Eishockey haben.»

Das sagt einer, der 2013 mit den Chicago Blackhawks den Stanley- Cup gewonnen hat, die wohl begehrteste Trophäe im Eishockey. Einer, der über 500 Spiele in der NHL bestritten hat, der besten Liga der Welt. Doch zuletzt hat Stalberg den Spass an seinem Beruf etwas verloren. In den vergangenen zwei Jahren spielte der Flügelstürmer für die New York Rangers, die Carolina Hurricanes und die Ottawa Senators. In Ottawa war er Ende Saison zwar vertragslos, aber er hätte in Nordamerika bleiben können. Es lagen ihm ein paar Offerten für einen neuen Vertrag vor, auch eine von den Senators. «Aber sie waren nicht gut genug», sagt Stalberg. «Ich wollte nicht mehr in der dritten oder der vierten Linie spielen. Ich wollte mehr Eiszeit haben, eine wichtigere Rolle im Team übernehmen.»

In der NHL hat er gelernt, ein vorbildlicher Profi zu sein

In Zug hofft er nun, in diese Rolle schlüpfen zu können. Allein sein Renommee als Stanley-Cup-Sieger und gestandener NHL-Spieler macht ihn zum Hoffnungsträger für eine weitere erfolgreiche EVZ-Saison, die im Idealfall mit dem Meistertitel gekrönt werden soll. Er weiss, dass die Erwartungen hoch sind. Aber Druck verspürt er nicht. «Ich setze mich höchstens selber unter Druck», sagt er. «Wenn du nicht damit umgehen kannst, bist du im Profisport am falschen Ort.»

Eishockey-Beilage «Bully»

Am Mittwoch erscheint unser Eishockey-Magazin «Bully» als Beilage der Zuger Zeitung. Das Magazin kann am LZ Corner an der Pilatusstrasse in Luzern sowie bei unseren Redaktionen in Zug, Stans, Sarnen und Altdorf gratis bezogen werden. Abonnenten können das «Bully» auch per E-Mail bestellen: redaktion@luzernerzeitung.ch. Das Magazin wird ab Mittwoch auch online verfügbar sein.

In der NHL hat er gelernt, was es heisst, mit Druck fertigzuwerden. Die vielen Reisen, der dicht getaktete Spielplan, die lange Saison nagen an der Substanz. «Das kannst du nur erfolgreich bewältigen, wenn du in jedem Aspekt deines Lebens professionell bist. Du musst auf deinen Körper Acht geben. In der NHL habe ich gelernt, ein vorbildlicher Profi zu sein.» Die Erfahrungen aus Übersee will Stalberg im EV Zug einbringen. Gerade für die jungen Spieler möchte er eine Stütze, ein Ansprechpartner sein. «Wir müssen Geduld haben und den Jungen die nötige Zeit geben. Aber die gesamte Organisation ist hungrig auf Erfolg. Nach dem zweiten Platz in der vergangenen Saison wollen Garrett Roe und ich als neu verpflichtete Ausländer dazu beitragen, dass es der EV Zug diesmal ganz an die Spitze schafft.»

Stalberg will wieder vermehrt seine Offensivkünste zeigen

In Nordamerika ist Stalberg nicht als grosser Skorer aufgefallen. Er verrichtete meist defensive Aufgaben am linken Flügel. Seine beste Saison hatte er 2011/12 mit Chicago, als er in 79 Spielen 43 Skorerpunkte (22 Tore) sammelte. Der 95 Kilo schwere und 1,90 Meter grosse Göteborger besticht durch Schnelligkeit, starke Physis und gute Schusstechnik. Er hofft, dass er in Zug wieder vermehrt seine Offensivqualitäten zeigen kann. Mit 31 fühlt er sich fit, um noch einige Jahre auf höchstem Level spielen zu können. «Ich bin noch lange nicht am Ende meiner Karriere angelangt», betont Stalberg, der beim EVZ einen Zweijahresvertrag er­halten hat.

Noch weiss er nicht genau, was ihn in der Schweiz erwartet. Er hat aber erfahren, «dass hier die Hockeykultur wächst, die Strukturen besser und die Teams international wettbewerbsfähiger werden». Jetzt blickt der Schwede, der mit seiner Verlobten in der Stadt Zug lebt und im Oktober erstmals Vater wird, aufgeregt dem Saisonstart entgegen. «Es ist ein guter Zeitpunkt, nach Europa zurückzukehren», sagt er und lächelt. Viktor Stalberg ist drauf und dran, den Spass am Eishockey neu zu entdecken.