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EISHOCKEY: Vom Enfant terrible zum EVZ-Captain

Es ist in der NLA nicht alltäglich, dass man einen Hitzkopf mit einem so langen Vorstrafenregister zum Captain macht. Beim EV Zug gehen sie dieses Wagnis mit Josh Holden (38) ein. Die Hintergründe.
Andreas Ineichen
Braucht Emotionen: Josh Holden, der 38-jährige Stürmer des EV Zug. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Braucht Emotionen: Josh Holden, der 38-jährige Stürmer des EV Zug. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Es bräuchte einen grossen Aktenordner, wenn man all die schriftlichen Stellungnahmen der jeweiligen Arbeitgeber, die Entscheide des Einzelrichters und die Urteile des Verbandssportgerichts über Josh Holden sammeln und ad acta legen wollte, seit der Center vor elf Jahren beim HC Fribourg-Gottéron angeheuert hat. Neunmal ist der kanadische Wiederholungstäter für zum Teil happige Vergehen aus dem Verkehr gezogen worden, sechs davon betreffen seine Zeit ab 2008 beim EV Zug. Maximal fehlte Holden den Zugern wegen einer Sperre von acht Spieltagen – das aber gleich dreimal. Kein Wunder, dass sich der Hitzkopf bei den gegnerischen Fans und den Schiedsrichtern einen unvorteilhaften Ruf einhandelte.

Im EVZ scheinen sie diese Vergehen aber einer grauen Vorzeit zuzurechnen. Sonst hätte ihn die sportliche Leitung nicht ohne Not zum neuen Captain und Nachfolger von Fabian Schnyder ernennen dürfen. Josh Holden, zumeist ein freundlicher und hochanständiger Gesprächspartner, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass er sich in der letzten Qualifikation in 48 Spielen bloss 20 Strafminuten geleistet hat. Das kontrastiert in der Tat zu den vorangegangenen sieben «regular seasons» im Dress der Zuger – da waren es immer mindestens das Doppelte. Ist diese Entwicklung dem fortschreitenden Alter als Profi geschuldet? Der 38-Jährige sagt: «Ich fokussiere mich vielleicht noch mehr darauf, dem Team zu helfen. Und das geht am besten, wenn ich auf dem Eis bleibe.» Wahrlich keine schlechte Erkenntnis.

Emotionen sind sein Benzin

Man muss über Holden wissen, dass er zu der Spezies von Spielern gehört, die Emotionen zwingend benötigen, um ihr bestes Eishockey abrufen zu können – sonst geht es nicht. Vergleichbar also mit einem herkömmlichen Auto, das Benzin braucht, um sich bewegen zu lassen. «Die Emotionen sind meine Verbindung zum Spiel», bestätigt Holden, der aber – wie es sein Vorstrafenregister verdeutlicht – auch mal weit über die Grenze des Erlaubten hinausgefahren ist. Ist die zusätzliche Verantwortung als Captain nicht jene Belastung, die Holden wieder mit den Spielregeln kollidieren lässt?

Eine fast schon pathetische Antwort darauf hat Zug-Trainer Harold Kreis: «Seit ich in Zug bin, hat Josh immer diszipliniert gespielt. Er hätte ein paar Mal zurückschlagen können, aber er hat es nie getan. Die Schiedsrichter haben nun Gelegenheit, ihn von einer anderen Seite kennen zu lernen.» Es ist Kreis nicht zu verargen, dass er den von ihm initiierten Captainwechsel («Ich wollte Josh eine andere Plattform bieten, weil er innerhalb und ausserhalb des Teams viel Respekt geniesst») so positiv wie möglich verkaufen will, aber offensichtlich ist ihm etwas durch die Lappen gegangen. Holdens letzte Sperre über acht Spieltage nämlich. Diese datiert vom Februar 2015, nachdem der Hitzkopf einen Stockschlag gegen Klotens Tommi Santala verübt hatte. Damals arbeitete Kreis in seiner ersten Saison für den EV Zug.

Warum das Wagnis?

EVZ-Sportchef Reto Kläy ist der Ansicht, dass auch für Holden das Recht auf Vergessen gelte – und zieht einen Vergleich mit einem Autofahrer, dem man eine Busse im Strassenverkehr «auch nicht ein Leben lang vorhält». Auch wenn sich die Verantwortlichen alle erdenkliche Mühe dabei geben, Holden als geläutert darzustellen – in Tat und Wahrheit geht es ihnen vor allem um eines: Sie wollen mit ihrem Wagnis, Holden zum Captain zu machen, nochmals das Beste aus dem 38-Jährigen herauskitzeln. In der letzten Qualifikation war er mit 18 Toren und 30 Assists in 48 Spielen der neuntbeste Punktesammler der Liga – 48 Punkte machte er seit 2010/11 nicht mehr.

«Das Captain-Amt gibt ihm Motivation, es hebt Josh in eine höhere Sphäre», gibt Kläy unumwunden zu. Es ist eine Wertschätzung, auf die ein eitler Typ wie Holden anspricht. Der langjährige Leistungsträger wird am Freitag in seine neunte Saison für Zug steigen, und es könnte dieses Mal tatsächlich seine letzte sein. Denn Kläy rechnet nicht damit, dass Holden im nächsten Jahr Schweizer wird und das Ausländerkontingent – in der NLA sind vier Söldner pro Spiel einsatzberechtigt – fortan nicht mehr belasten wird.

Der Sportchef befindet sich in einer guten Position: Zahlt Holden die Beförderung zum Captain mit Toren und Assists zurück, kann er guten Gewissens um ein weiteres Jahr verlängern. Produziert Holden aber negative Schlagzeilen, wird eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses nirgends auf Unverständnis stossen.

Hinweis

Der EV Zug startet am Freitag mit dem Heimspiel gegen Lugano (19.45) in die Saison. Mehr NLA-Eishockey auf Seite 30.

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