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EISHOCKEY: Wenn Zugs Goalie der Kragen platzt

Tobias Stephan (32) ist eigentlich ein ruhiger Typ. Doch das vierte Gegentor beim 2:5 in Bern liess den Torhüter der Zuger aus der Haut fahren. Seine Vorderleute spielten unter ihrem Wert.
Tobias Stephan stärkt sich am Samstag während des Spiels in Bern ? der Goalie war nicht zum ersten Mal der beste Einzelspieler des EVZ. (Bild: EQ/Daniel Teuscher)

Tobias Stephan stärkt sich am Samstag während des Spiels in Bern ? der Goalie war nicht zum ersten Mal der beste Einzelspieler des EVZ. (Bild: EQ/Daniel Teuscher)

Andreas Ineichen

Es ist eine seltene Szene, die sich am späten Samstagabend in Bern ereignete: Als der unbedrängte SCB-Verteidiger Timo Helbling sein Visier einstellen durfte und sein Scharfschuss hinter Tobias Stephan im Netz der Zuger zum vorentscheidenden 2:4 einschlug, liess der Goalie der Gäste seinem Unmut freien Lauf. Er hielt die auf dem Eis Stehenden Schlumpf, Sondell und Co., die den Gegner einfach gewähren liessen, eine Standpauke. Was Stephan über die Lippen kam, ist nicht überliefert, aber sein Goalietrainer Peter Mettler weiss: «Da war er richtig hässig.»

Lukas Sieber am Fuss verletzt

Nun, verwunderlich war diese Reaktion nicht. Mit 41 gehaltenen von insgesamt 45 Schüssen war Stephan neben dem seit einiger Zeit vorzüglichen Unterzahlspiel der einzige Zuger Lichtblick in einem gesamthaft missglückten Auftritt. Mettler bestätigt: «Auch wenn der Abpraller vor dem zweiten Tor etwas unglücklich war, so habe ich seine Leistung als gut eingeordnet.»

Nach vier Siegen in Folge war die erste Niederlage der Zuger in einem Meisterschaftsspiel in Bern seit Ende November 2013 wahrscheinlich nicht mehr als ein Betriebsunfall. «Ich kann die Gründe für die Niederlage nachvollziehen. Wir haben drei intensive Wochen hinter uns, darunter Partien gegen körperbetont agierende Mannschaften, und darum waren die Spieler in Bern ziemlich ausgelaugt.» Neben dem gesperrten Reto Suri und dem angeschlagenen Fabian Schnyder musste der EVZ im Verlauf des Spiels auch auf Lukas Sieber verzichten. Der Flügel verdrehte sich bei einem Aufprall an der Bande den Fuss, heute wird eine MRI-Untersuchung zeigen, wie schlimm die Verletzung ist und wie lange die Zwangspause sein wird.

Statistisch die Nummer 4 der Liga

In gut einem Monat werden die Playoffs beginnen, für die sich der EVZ als zweite Mannschaft seit dem 2:1 über Geneve-Servette am Freitag bereits qualifiziert hat. Acht Spiele wird die Equipe von Harold Kreis noch bestreiten müssen, in denen es einerseits um die Klassierung und andererseits um einen guten Formstand geht. Es gibt nicht viele Aspekte, die dem EVZ Sorgen bereiten müssten, die Leistungen des Goalies wohl am allerwenigsten. Mit 92,11 Prozent Abwehrquote weist Stephan die viertbeste Abwehrquote aller NLA-Goalies aus, nur Elvis Merzlikins von Lugano (92,72%), Niklas Schlegel (92,55%) und Robert Mayer von Geneve-Servette (92,17%) stehen gemäss offizieller Liga-Statistik geringfügig besser da.

Allerdings gilt es anzumerken, dass Stephan von den Spitzenreitern der Liga mit Abstand am meisten Eiszeit hat, folglich also auch während jener Phasen im Tor stand, in denen es dem EV Zug nicht nach Wunsch lief. «Stephan hat uns bis Weihnachten sehr viele Punkte gerettet, jüngst war er gegen Genf und Fribourg der entscheidende Faktor», urteilt Mettler, ohne zu verschweigen: «Er hatte, wie das Team auch, eine Phase um den Jahreswechsel herum, in der er unter seinem Wert spielte. Dann sieht man, wie eng die Liga leistungsmässig zusammengerückt ist.»

Früher, um die Jahrtausendwende, spielte der bloss rund drei Jahre ältere Mettler gegen Stephan, in einem Elitejuniorenspiel zwischen Zug und Kloten. Während Stephans Karriere bis in die NHL führte, blieb Mettler der Durchbruch in der NLA verwehrt. Heute sagt er: «Dank dem Scheitern habe ich viel Wissen und Ideen für meine aktuelle Arbeit mitgenommen.»

Stephan ist sein erster Schützling

Die so wichtige Chemie, so lässt sich festhalten, scheint zwischen ihm und Stephan zu stimmen. Von allem Anfang an. «Als er zu Beginn der letzten Saison nach Zug kam, kannte ich ihn nicht, darum stellte ich mich bei ihm als Goalietrainer des Zuger Nachwuchses vor. Da fragte mich Stephan, ob ich ihn auch betreuen könnte.»

Offiziell ist Stephan sein erster Goalie, den er auf Profi-Stufe betreut, inoffiziell hat er schon Sandro Zurkirchen auf dessen Wunsch begleitet, als der aktuelle Ambri-Goalie vergeblich versuchte, sich im EVZ durchzusetzen. Nebst zwei wöchentlichen Eistrainings, dem Videostudium und dem Warm-up ist Mettler auch an allen Heimspielen und den meisten Auswärtsspielen dabei. In den Drittelspausen gibt er seine Erkenntnisse an Stephan weiter. «Dabei braucht es nicht viele Worte, vor allem sind es immer positive», hält er fest.

Beeindruckt ist Mettler von Stephans Persönlichkeit, von dessen professioneller Einstellung und der Akribie, mit der der EVZ-Stammgoalie seine Arbeit verrichtet. Er erzählt: «Obwohl Stephan ein ruhiger Typ ist, kann er in der Pause eines Spiels schon Dinge mit Mitspielern ansprechen, um sie sogleich zu verbessern. Darum erlebe ich es wirklich selten, dass ihm der Kragen platzt.»

Spiele wie gegen Bern sind beim EVZ ja auch nicht an der Tagesordnung.

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