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EISHOCKEY: Yannick-Lennart Albrecht und Miro Zryd wagen ein ungewisses Abenteuer

Nächste Saison spielen Miro Zryd und Yannick-Lennart Albrecht für Zug. Die Frage, wie es zu diesem brisanten Doppeltransfer kommen konnte, treibt die Langnauer immer noch um und fördert überraschende Antworten zu Tage.
Klaus Zaugg
Werden von den SCL Tigers zum EV Zug wechseln: Yannick-Lennart Albrecht (links) und Miro Zryd. (Bilder: Marc Schumacher/Freshfocus)

Werden von den SCL Tigers zum EV Zug wechseln: Yannick-Lennart Albrecht (links) und Miro Zryd. (Bilder: Marc Schumacher/Freshfocus)

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Langnau im milden Herbst 2017. SCL-Sportchef Jörg Reber umreisst seine Visionen und sagt: «Also den Zryd und den Albrecht wollen wir unbedingt halten.» Er nimmt einen Schluck Kaffee und legt nach: «Unbedingt!» Vor allem Miro Zryd ist «sein» Spieler. Reber hatte dem 1.-Liga-Spieler aus Adelboden, der von allen Talentspähern übersehen worden war, im Herbst 2014 eine Chance in der 1. Mannschaft gegeben. Auch Yannick-Lennart Albrecht verdankt seine Karriere den SCL Tigers. Er war als 15-jähriger Junior von Visp nach Langnau gekommen und ist im Emmental sportlich «grossgezogen» worden. Diese zwei Jungs sind im Herbst 2017 dazu ausersehen, in den nächsten Jahren den Kern der Mannschaft zu bilden. Beide sind beliebt im Team und populär bei den Fans.

Aber noch bevor der erste Schnee kommt, unterschreiben Albrecht und Zryd beim EV Zug. Sie werden Ende Saison den Ort verlassen, an dem ihnen goldene Brücken zu einer grossen Zukunft gebaut worden wären. Um in Zug ein ungewisses Abenteuer zu wagen. Und nicht nur Reber fragt sich: Warum nur?

«Wir wussten nichts voneinander»

Langnau, im kalten Dezember 2017 im Kabinengang des hölzernen Hockeytempels. Albrecht und Zryd werden von einem Chronisten befragt. Warum Zug? Habt ihr euch abgesprochen? Und gar noch den Lohn verglichen? Die beiden 23-jährigen Männer sind anständig, ehrlich und klug. Sie schauen sich ob der Frage verblüfft an und sagen beinahe gleichzeitig: «Nein, nein.» Und versichern glaubhaft, sie hätten völlig unabhängig voneinander mit Zug den Vertrag ausgehandelt. «Ich habe nicht gewusst, dass Miro auch mit Zug im Gespräch ist», sagt Albrecht. Hat denn Zugs Sportchef Reto Kläy bei den Vertragsgesprächen nichts verraten? «Nein, nein», versichern wiederum beide. «Wir wussten nichts voneinander.» Beide haben unabhängig voneinander den Auszug aus dem Emmental geplant, sind unabhängig voneinander auf die Idee gekommen, in Zug ihr Glück zu versuchen.

Und so war die gegenseitige Überraschung gross, als herauskam, dass Zug nächste Saison der neue gemeinsame Arbeitgeber sein wird. Aber warum Zug? Yannick-Lennart Albrecht sagt: «Ich bin nun seit neun Jahren in Langnau. Für mich ist es Zeit für eine neue Herausforderung.» Eine neue Herausforderung mache nur bei einem Spitzenklub Sinn. Er wisse sehr wohl, dass er sich bei einem neuen Team gegen starke Mitspieler behaupten müsse. Er habe Kläy gesagt, er rechne mit weniger Eiszeit und Einsätzen im vierten Block. «Da hat er mir erklärt, für mich sei alles möglich. Nur die Leistung werde zählen.»

Bei Miro Zryd ist es eher die Lust am neuen Abenteuer. Er ist ein Nonkonformist aus einer Künstlerfamilie. Ihn reizt die Herausforderung, das Neue. Der erste Schritt in die Welt hinaus war der Wechsel vom Berner Oberland hinunter nach Langnau. Nun geht es nach Zug, hinaus ins offene, weite Land, hinaus in die Welt.

Scheitern ist aber nicht ausgeschlossen. Ist gar eine Relegation ins Farmteam denkbar? Kläy sagt: «Grundsätzlich sind die Verträge aller Spieler so abgefasst, dass auch Einsätze im Farmteam möglich sind.» Er ärgert sich, dass er den Transfer der beiden Langnauer immer wieder rechtfertigen muss. «Es heisst, warum wir denn junge Spieler transferieren und nicht auf die eigenen Jungen setzen. Aber Zryd und Albrecht sind keine Junioren. Beide sind schon 23. Es sind bestandene junge NLA-Stammspieler, die sich bei uns zu Leistungsträgern entwickeln können.»

Der EV Zug ist ja im Playoff-Final im Frühling auch unterlegen, weil der SC Bern das ausgeglichener besetzte Team hatte. Mit Zryd und Albrecht wird Zug ausgeglichener.

Bei einem Spitzenteam braucht es Egoismus

Werden sich die freundlichen Langnauer im rauen Leistungsklima eines Spitzenteams durchsetzen können? Talent und Wille werden nicht das Problem sein. Eher schon der gute Charakter: Wer bei einem Grossen gross werden will, braucht eine grosse Prise Egoismus – und die fehlt diesen vorbildlichen Mannschaftsspielern etwas. Welches Potenzial haben sie? Bereits jetzt ist Zryd der Verteidiger mit der zweitbesten Plus/Minus-Bilanz im Team. Der kräftige Albrecht kann Flügel und Center spielen und hat bereits vier Länderspiele bestritten.

Ein boshafter Chronist hat kürzlich bei Reber und Kläy die gleiche These vertreten: Langnau sollte im Budget für nächste Saison eine eventuelle Rückkehr der beiden verlorenen Söhne einrechnen. Kläy findet diese provokative Idee eher unpassend und respektlos. Reber hingegen kann ein Lächeln nicht ganz unterdrücken und sagt: «Wissen Sie was? Daran habe ich auch schon gedacht.»

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