EISHOCKEY: Zetterberg denkt weiter an den EVZ

Henrik Zetterberg verstärkte einst den EV Zug. Nun ist er Captain der Detroit Red Wings. Über das Schweizer Hockey ist er immer noch gut informiert.

Nicola Berger, New York
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Der Schwede Henrik Zetterberg ist das Aushängeschild der Detroit Red Wings. Er besitzt einen Vertrag bis 2021. (Bild: Getty/Dave Reginek)

Der Schwede Henrik Zetterberg ist das Aushängeschild der Detroit Red Wings. Er besitzt einen Vertrag bis 2021. (Bild: Getty/Dave Reginek)

Es ist Montagnachmittag, und gerade hat Henrik Zetterberg (35) mit seinen Detroit Red Wings mit 1:4 verloren, im Barclays Center gegen die New York Islanders. Es war eine empfindliche Niederlage, Zetterberg wird jetzt in der Garderobe vom «Fox»-Reporter in die Mangel genommen, und man denkt sich: Vielleicht gäbe es Augenblicke, die wären geeigneter, um mit dem Schweden über den EV Zug zu reden.

In der Saison 2012/13 war Zetterberg in Zug gelandet, während des NHL-Lockouts, dank den Vermittlungskünsten von Damien Brunner. In 23 Partien produzierte Zetterberg 32 Punkte, je 16 Tore und Assists, aber die statistischen Kennzahlen verraten nicht die ganze Geschichte. Denn das Intermezzo des schwedischen Ausnahmekönners hallt in Zug bis heute nach, weil Zetterberg mit seiner ihm eigenen Melange aus Fleiss, minutiöser Vorbereitung und Lockerheit eine ganze Generation an EVZ-Profis nachhaltig prägte – und den Liga-Einzelrichter Reto Steinmann sogar dazu bewegte, in unserer Zeitung Worte des Abschieds an Zetterberg zu richten.

SMS-Austausch mit Josh Holden

In New York ist das «Fox»-Kreuzverhör gerade zu Ende gegangen, Zetterberg nestelt jetzt an seiner Ausrüstung herum – und scheint nicht unfroh, dass jemand das Gespräch auf ein für ihn erfreulicheres Thema lenkt, seinen Abstecher in die Schweiz. Er sagt: «Ich hatte in Zug eine wunderbare Zeit und überprüfe regelmässig die Ergebnisse. Es freut mich, dass es dem Team in diesem Jahr so gut läuft.» In Kontakt steht Zetterberg noch mit zwei ehemaligen Teamkollegen. Mit Brunner, klar, welchen er für dessen jüngstes Penalty-Kunststück gegen den SC Bern ausdrücklich gelobt wissen will. Und mit Josh Holden, mit dem er sich ab und an per SMS austauscht. Die beiden gehören zu einem erlauchten Kreis an Leuten, die Zetterberg jeweils mit seiner neuen Nummer versorgt – zum Verdruss der schwedischen Journaille pflegt er diese fleissig zu ändern.

Viel Zeit zur Kontaktpflege bleibt Zetterberg nicht, gerade während der Saison, denn seit seinem Abgang aus Zug ist einiges geschehen. Sowohl in der schwedischen Nationalmannschaft wie auch bei Detroit wurde er zum Captain befördert, wobei die Verantwortung in seinem Klubteam ungleich grösser ist.

Denn Detroit befindet sich im Umbruch, seit sich Trainer Mike Babcock im Sommer nach zehn Spielzeiten verabschiedete, um in Toronto zum am besten bezahlten Eishockeycoach aller Zeiten aufzusteigen: 8 Jahre, 64 Millionen Dollar und ein Bouquet voller Erwartungen.

Der Verlust traf Detroit hart, schliesslich war Babcock neben Zetterberg und dem russischen Tausendsassa Pawel Dazjuk so etwas wie das Gesicht dieser Organisation gewesen. Babcock war darum so prägend, weil er den Fokus auf Puckbesitz lenkte, bevor das in Mode kam. Der Trainer galt als eine Art Visionär und kreierte jenes Biotop, in dem Zetterberg zu einem der besten Mittelstürmer der Welt reifen konnte.

Ungewisser Weg in Detroit

Nun ist Babcock Geschichte, und obwohl er mit Jeff Blashill durch einen fähigen Mann mit Lokalkolorit ersetzt wurde, stellt sich die Frage, wohin der Weg der Red Wings führt. Die Lichtgestalten Zetterberg und Dazjuk werden in diesem Jahr 36 beziehungsweise 38 Jahre alt, sie haben ihren Zenit wenn nicht überschritten, dann zumindest erreicht. Gewiss: Mit dem Torhüter Peter Mrazek und dem Angreifer Dylan Larkin verkünden zwei Jünglinge Verheissung. Doch ob sich mit einem Mannschaftskern im Zwielicht der Karriere wirklich noch einmal ein ernsthafter Anlauf in Richtung Stanley-Cup-Final nehmen lässt? Es ist zu bezweifeln, der Fokus jedoch liegt in diesen Tagen ohnehin anderswo. Bis zum letzten Spieltag der regulären Saison vom 9. April gilt es zunächst, die Playoff-Quali­fikation sicherzustellen. Das mag sich banal anhören, doch auf dem Spiel steht mehr als bloss der Ausgang dieser Saison. Es ist lange her, seit der Playoff-Tanz zuletzt ohne die Red Wings stattfand, 1989/90, die Serie von 24 Teilnahmen in Serie ist die längste im US-Profisport. Mike Babcock hat sie überdauert, Dominik Hasek und Nicklas Lidström.

Zetterberg hofft, dass sich das dereinst auch über ihn sagen lässt. Einfach wird das nicht: Sein Vertrag in Detroit läuft noch bis 2021.

National Hockey League: Colorado (ohne Berra/verletzt) - Montreal (mit Andrighetto/1 Assist) 3:2. Calgary (mit Hiller/19 Paraden) - Minnesota (mit Niederreiter/2 Assists) 3:5. NY Rangers - Chicago 3:5.