Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EISHOCKEY: Zuger Eile in der Trainerfrage

Noch vor dem ersten Bully der NLA-Saison fällt der EV Zug einen erstaunlichen Grundsatzentscheid und verlängert mit Trainer Harold Kreis vorzeitig. Eine Analyse.
Nicola Berger
Gibt auch in den kommenden zwei Saisons beim EV Zug die Taktik vor: Trainer Harold Kreis hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert. (Bild Philipp Schmidli)

Gibt auch in den kommenden zwei Saisons beim EV Zug die Taktik vor: Trainer Harold Kreis hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert. (Bild Philipp Schmidli)

Nicola Berger

Am 12. März ist der EV Zug gegen den HC Davos aus dem Playoff ausgeschieden – 2:4 Siege und drei Heimniederlagen. Der EVZ hinterliess in jener Viertelfinalserie einen zwiespältigen Eindruck und wartet inzwischen seit fast einem halben Jahr auf die Gelegenheit, diese Wahrnehmung zu revidieren. Vor dem NLA-Saisonstart morgen Abend in Lugano (19.45 Uhr) schien das Team in einer Art Bringschuld zu stehen. So jedenfalls liessen sich die Worte des Zuger Sportchefs Reto Kläy (37) deuten, der auf die Frage nach Vertragsverhandlungen den ganzen August über antwortete: «Jetzt wollen wir erst einmal Leistung sehen.»

Ausstiegsklausel bei Misserfolg

Eine Ausnahme machte der Manager nur bei Lino Martschini (22), dem hoch veranlagten Angreifer, der von der ganzen Liga umgarnt wurde und dank seiner Qualitäten einen Sonderstatus genoss. Martschini verlängerte bis 2020. Doch beim EVZ laufen unter anderem auch die Arbeitspapiere von Nolan Diem, Tim Ramholt, Josh Holden, Yannick Blaser und Johann Morant nächsten Sommer aus. Sie alle bestreiten nicht die erste Saison in Zug, man kennt ihr Rendement. Aber scheinbar möchte Kläy sie noch einmal in Aktion sehen, bevor es an den Verhandlungstisch geht – oder eben nicht.

Man kann den Parameter «Leistung» anwenden, gewiss. Aber das macht es umso erstaunlicher, dass sich der EVZ beim Trainerduo Harold Kreis (56) und Waltteri Immonen (48) für einen anderen Weg entschieden hat. Noch vor dem ersten Puckeinwurf hat der Klub mit beiden eine Übereinkunft bis 2017 getroffen. Anzunehmen ist, dass sich der EVZ mit einer Klausel abgesichert hat, die im Falle des Misserfolgs (Verpassen der Playoffs?) eine kostengünstige vorzeitige Trennung möglich macht.

Entscheid stellt eine Philosophie dar

Dennoch kann man sich fragen: Ist es das richtige Signal, einen Trainer zu belohnen, der in Zug noch keine einzige Playoff-Serie gewonnen hat? Warum die Eile? Wieso nicht abwarten und sehen, ob Kreis sein Team diesmal im Frühjahr zumindest in den Halbfinal führen kann? Schliesslich war der vergangene Saison verpasste vierte Platz nicht mehr als das Erreichen der Mindestvorgabe gewesen, gemessen an den teuren Zuzügen Tobias Stephan, Robin Grossmann und Dario Bürgler.

Bei den Machern des EVZ prallen diese Bedenken ab. Sportchef Reto Kläy sagt: «Wir haben den richtigen Mann an der Bande und wollen mit ihm den eingeschlagenen Weg weitergehen.» Für die Zuger Führungsriege ist Kreis der ideale Chef, gelobt werden seine verbindliche Art und die kommunikativen Fähigkeiten. Und klar: Wenn man von dieser Lösung überzeugt ist, weshalb dann mit einem neuen Vertrag warten? Zumal die Verträge von Marc Crawford in Zürich, Guy Boucher in Bern, Arno Del Curto in Davos und Gerd Zenhäusern bei Gottéron auslaufen. So gesehen ist die Weichenstellung nichts als konsequent.

Der frühe Trainerentscheid ist auch das Produkt des innigen Wunsches nach Kontinuität beim EVZ. Die Sehnsucht ist nicht neu: Der scheidende Präsident Roland Staerkle hat in seiner neunjährigen Amtszeit als Klubchef nur einen einzigen Trainer entlassen: den Kanadier Doug Shedden im März 2014 – nachdem er den Techniker trotz zwischenzeitlichen persönlichen Differenzen jahrelang gestützt hatte.

Shedden wirkte während sechs Jahren beim EVZ, nun soll auch die Ära Kreis eine längerfristige sein. Doch was, wenn die Resultate ausbleiben? Wenn der Start missrät? Beim EVZ sieht man solchen Szenarien gelassen entgegen. Das Credo lautet: nicht kurz-, sondern mittelfristig denken. Die Gelassenheit liegt darin begründet, dass es mit der Ungeduld intern weit her ist. Die starken Männer – CEO Patrick Lengwiler und der designierte Präsident Hans-Peter Strebel – gelten als besonnen.

Und doch ist der Vertrauensbeweis für Kreis risikobehaftet. Bei aller Weitsicht kann sich auch der EVZ den Mechanismen des Sports nicht gänzlich entziehen. Gelingt Kreis im Vergleich zur Vorsaison insbesondere im Playoff keine Steigerung, dürften im Frühjahr Diskussionen um seine Person aufflammen. Die Frage wird dann sein, ob die Sehnsucht nach Kontinuität genügt, um die Debatte zu ersticken.

Mit dem nun getroffenen Entscheid hat der EVZ zudem eine philosophische Frage beantwortet: Wann arbeitet man erfolgreicher – wenn man sich beweisen muss oder sich in Sicherheit wiegen kann? Der EVZ tendiert bei Kreis zu Letzterem. Das kann funktionieren, seinen letzten Titel gewann der Trainer allerdings unter anderen Umständen: Nachdem sich die ZSC Lions im Winter 2008 monatelang nicht zu einem Bekenntnis durchringen konnten, unterschrieb Kreis in Düsseldorf – und führte die Zürcher quasi als Abschiedsgeschenk zum Titel.

Verlängerung mit Immonen Formsache

nbe. Gestern Nachmittag hat der EV Zug die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Harold Kreis bis 2017 kommuniziert. Sein für die Defensive verantwortlicher Assistent Waltteri Immonen wird wohl in den nächsten Tagen ebenfalls einen neuen Kontrakt mit identischer Laufdauer unterschreiben. Die Übereinkunft mit dem finnischen Co-Trainer ist quasi fix, Manager Kläy bezeichnet sie als «Formsache». Immonen war im Jahr 2008 gemeinsam mit Doug Shedden zum EVZ gestossen, nachdem er bereits in Finnland mit dem kanadischen Ex-Coach gearbeitet hatte.

Schweigeminute für Duri Camichel

nbe. Wenn der EV Zug am Samstag (19.45 Uhr, Bossard-Arena) den HC Davos zum ersten Heimspiel der Saison empfängt, wird vor dem ersten Bully eine Schweigeminute zu Ehren des verstorbenen, langjährigen EVZ-Captains Duri Camichel abgehalten. Der 2014 zurückgetretene Camichel war am 28. April diesen Jahres in Costa Rica bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Beim EVZ hatte man sich überlegt, die gesamte Saison 2015/16 mit Camichels einstiger Nummer 24 auf dem Helm zu bestreiten – auf Wunsch der Familie wurde aber darauf verzichtet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.