EISHOCKEY: Zuger Pokerspiel

Drei Wochen vor Ende der NLA-Qualifikation ist der wacker kämpfende EV Zug mitten im Rennen um Platz 1. Aber wo bleibt eigentlich der längst angekündigte fünfte Ausländer für die Playoffs?

Andreas Ineichen
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Jarkko Immonen (links) kommt kaum zu Erholungspausen: hier im Duell mit Felicien Du Bois (Davos). Bild: Alexandra Wey/Keystone (29. 11. 2016)

Jarkko Immonen (links) kommt kaum zu Erholungspausen: hier im Duell mit Felicien Du Bois (Davos). Bild: Alexandra Wey/Keystone (29. 11. 2016)

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Es ist nicht so, dass der sportliche Erfolg der Zuger durch die Feuerkraft der Ausländer herausgeschossen wird. Es ist dieser unbändige Wille, nicht verlieren zu wollen, diese defensive Kompaktheit vor einem guten Goalie, gegen die sich ein Widersacher seine Tore hart verdienen muss, dieses aufsässige Spiel in Unterzahl, diese Unberechenbarkeit, dass alle vier Zuger Sturmreihen Tore schiessen können. Dieser unerbittliche Kampf um jeden Meter Eis, dieses System, das dem Gegner viel Mühsal bereitet und viel Energie benötigt.

Und es ist auch nicht so, dass die sportliche Leitung die Fakten ausblende. Der EVZ hätte mehr Optionen, wenn er einen fünften ausländischen Stürmer im Aufgebot hätte, wenn er einem 34-jährigen Stürmer wie Jarkko Immonen eine Pause gönnen könnte. Der Finne hat seit letztem Jahr nicht mehr getroffen, seit dem 5:2 am 10. Dezember in Fribourg. 12 Spiele sind seither verstrichen. Routiniers brauchen bisweilen mehr Erholung, das trifft auch auf Captain Josh Holden (38) zu.

Was Kläy der Kopf nicht zugibt

Darum hat EVZ-Sportchef Reto Kläy die Ankunft des fünften Ausländers auf Mitte Januar terminiert. Passiert ist bis heute nichts. Er sagt: «Seit Anfang Dezember kümmere ich mich intensiv um diese Aufgabe. Aber der Markt ist sehr trocken, und ich will den richtigen Entscheid fällen und nicht etwas machen, damit etwas gemacht ist. Das gibt mir der Kopf nicht zu.»

Nun mag man einwenden, dass nur schon in den letzten Tagen ein paar namhafte Ausländer zur NLA-Konkurrenz gewechselt haben: Aaron Gagnon zum SC Bern, Colby Genoway zum EHC Kloten oder Ahren Spylo zum HC Davos. Kläy gibt offen zu: «Es ist kein Transfer in der NLA passiert, der nicht über meinen Tisch gegangen wäre. Aber das Risiko war mir in allen Fällen zu gross.»

Es geht in aller Regel nicht darum, dass er vorab an den Skorerqualitäten der Kandidaten in den letzten Tagen und Wochen zweifelt. Kläy steht vor einer speziellen Herausforderung. Er sucht einen ausländischen Center, der die fein austarierte Chemie dieser Mannschaft mitträgt – aber keinesfalls stört. In seinen Worten tönt das so: «Ich will einen Ausländer, der sich ins Team integriert und sich als ein Teil davon versteht und nicht Ansprüche stellt. Er muss wissen, was Playoff-Eishockey bedeutet, darum kommt ein Schönwetterspieler schon gar nicht in Frage.» Die Zeit, der EVZ-Kämpfertruppe den nötigen Support zu geben, wird zwar immer knapper. Es läuft auf ein Zuger Pokerspiel hinaus. Die Deadline für das Engagement von weiteren Ausländern (maximal deren acht) steht für alle NLA-Klubs am 15. Februar. Um genügend Zeit für Formalitäten zwischen den Klubs, den Verbänden und die Arbeitsbewilligung einzuberechnen, zieht Kläy sicherheitshalber sieben Tage ab. Er sagt: «Es wird sich was tun bis zu Beginn der Nationalmannschaftspause nächste Woche, davon bin ich überzeugt.»

Aber was, wenn kein Spieler auf den Markt geschwemmt wird, der seinen Ansprüchen genügt? «Das wäre dann der Worst Case. Wenn sich dann in den Playoffs ein Ausländer verletzen würde, zögen wir einen Schweizer aus der Hockey Academy nach», sagt Kläy. Als Notnägel kämen am ehesten Fabio Arnold oder Yannick Zehnder in Frage.

Der Aberglaube des Sportchefs

Ein Szenario mit einem EV Zug ohne fünften Ausländer in den Playoffs liesse ihm nicht den Schrecken in die Glieder fahren. Da gibt sich Kläy abergläubisch. Als er als Sportchef von Langenthal das NLB-Playoff 2011/12 gewann, war auch kein zusätzlicher Ausländer an Bord.

Allerdings ist die Option vielleicht entscheidend, den Oldies Immonen oder Holden mal eine Verschnaufpause in den Playoffs geben zu können.