EISHOCKEY: Zugs sanfte Träume von Rafael Diaz

Mit dem Angriff gewinnt man Spiele. Mit der Abwehr jedoch Meisterschaften. Beim EVZ stimmt es da­rum zuversichtlich, dass der Verein bald die beste Defen­sive der Liga stellen könnte.

Nicola Berger
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Rafael Diaz (stehend), hier im Zweikampf mit Anaheims Kyle Palmieri, kam in der Nacht auf Mittwoch erst zum siebten Mal in dieser Saison für Calgary zum Einsatz. (Bild: AP/Jeff McIntosh)

Rafael Diaz (stehend), hier im Zweikampf mit Anaheims Kyle Palmieri, kam in der Nacht auf Mittwoch erst zum siebten Mal in dieser Saison für Calgary zum Einsatz. (Bild: AP/Jeff McIntosh)

In der vergangenen Woche verlängerte der EV Zug den Vertrag des schwedischen Kreativverteidigers Daniel Sondell (30) vorzeitig um zwei Jahre bis 2017. Manager Reto Kläy war unter Zugzwang geraten, Sondells Darbietungen – mit 23 Skorerpunkten aus 21 Partien ist er der produktivste Abwehrspieler der Liga – hatten Begehrlichkeiten geweckt; Teams aus der finanzkräftigen russischen KHL hatten die Abwehrkraft bezirzt und Offerten vorgelegt.

Der EVZ reagierte prompt und band seinen aktuell drittbesten Skorer an sich. Kläy musste dabei das Zugeständnis eines zweiten Vertragsjahres eingehen, nach den Leistungen der letzten Wochen tat er das mit gutem Gewissen, auch wenn Sondell in seiner Profikarriere noch nie ein Playoff in einer höchsten Liga absolviert hat.

Die Weiterverpflichtung Sondells ist auch das Bekenntnis zur Philosophie, zumindest einen ausländischen Verteidiger zu beschäftigen; letztmals stieg der EVZ 2001/02 unter Doug Mason ohne Abwehrsöldner in eine Saison, das Playoff wurde verpasst.

Die schwierige Situation von Diaz

Mit Sondell sind fünf der sechs Plätze in den Top 6 für die Saison 2015/16 belegt; neben ihm stehen mit Robin Grossmann, Tim Ramholt und Dominik Schlumpf drei Nationalspieler sowie mit Santeri Alatalo ein weiterer Hochkaräter unter Vertrag. Allein in dieser Konsistenz muss sich die Zuger Abwehr nicht vor vielen Defensivverbünden im Land verstecken. Das war nicht immer so, im Vergleich zum Kader der Saison 2011/12 (siehe Auflistung) etwa ist dem EVZ ein Quantensprung gelungen; selbst der Qualitätsunterschied zum Ligaprimus ZSC Lions ist kleiner geworden.

Und dann ist da die Personalie von Rafael Diaz (28). Der Baarer kämpft in Übersee in diesen Wochen tapfer um die Verwirklichung seines Traums einer NHL-Karriere, aber seit er sich im Vorbereitungscamp einen Einjahresvertrag erkämpfte, hat sich vieles gegen ihn gewendet. 20 Spiele haben die Calgary Flames bisher bestritten, doch Diaz wurde bloss sieben Mal eingesetzt, ansonsten sass er überzählig auf der Tribüne. Verbessert sich die Situation nicht dramatisch, dürfte es für den zweifachen Olympiateilnehmer im Sommer schwierig werden, anderswo Unterschlupf zu finden in der besten Liga der Welt.

Vertrag mit dem EVZ bis 2016

Hier kommt der EVZ ins Spiel, bei dem Diaz noch immer bis 2016 unter Vertrag steht. Eine Rückkehr des 2011 praktisch über Nacht weitergezogenen Ausnahmekönners würde die Kräfteverhältnisse in der National League A auf einen Schlag verschieben. Zug wäre Titelanwärter Nummer 1, weil es in der NLA keinen Abwehrspieler gibt, der sich im Dunstkreis der Klasse von Diaz befindet. In bester Erinnerung sind dem Zuger Anhang die verzückenden Leistungen während des NHL-Lockouts geblieben, als Diaz in 32 Partien 29 Skorerpunkte erzielte.

Die Vereinsführung ist sich dessen bewusst, die Exponenten verhehlen nicht, dass allein der Gedanke einer Diaz-Heimkehr sie hibbelig macht. Nur: Planbar ist das nicht, in der NHL muss morgen nicht mehr gelten, was gestern war. So schnell, wie sein kometenhafter Fall im Vorjahr begann, ebenso rapide kann es wieder aufwärtsgehen für Diaz, sollten Konkurrenten ausfallen, beispielsweise.

Und doch: Nach heutigem Stand ist es so unwahrscheinlich nicht, dass Diaz in der nächsten Saison wieder Blau-Weiss trägt. Der EVZ ist für den Fall gewappnet, sein Salär ist zu rund 35 Prozent fremdfinanziert.

Schwerer Stand für Morant/Blaser

Ein Entscheid wird nicht vor dem Sommer fallen, aber schon jetzt ist klar, dass es mit Diaz eng werden wird, was die Plätze an der Sonne angeht in der EVZ-Abwehr. Den auslaufenden Vertrag von Simon Lüthi versuchen die Zuger aktuell gerade zu verlängern, Samuel Erni und David Stämpfli kämpfen um ein neues Arbeitspapier – und dann gibt es noch Johann Morant (28) sowie Yannick Blaser (25), die zwar bis 2016 gebunden sind, für die der EVZ aber kaum noch Verwendung haben dürfte.

Manager Kläy sammelt ja Verteidiger wie andere Menschen Briefmarken, aber selbst wenn der EVZ erneut mit zehn Abwehrspielern in die kommende Saison steigen sollte, wird im grossen Zuger Sesselrücken irgendjemand leer ausgehen. Kläy ist darum nicht der Einzige, der in diesen Tagen mit wachsendem Interesse gen Calgary schielt.