EISHOCKEY: Zurkirchens steiler Aufstieg

Erstmals seit 2006 schafft der HC Ambri-Piotta den Einzug in die Playoffs. Grossen Anteil an der Rückkehr der Leventiner in die Elite hat der 24-jährige Schwyzer Torhüter Sandro Zurkirchen.

Nicola Berger
Drucken
Teilen
Sandro Zurkirchen schafft mit dem HC Ambri-Piotta den Einzug in die Playoffs. (Bild: Keystone)

Sandro Zurkirchen schafft mit dem HC Ambri-Piotta den Einzug in die Playoffs. (Bild: Keystone)

Als Anfang Februar bekannt wurde, dass Pascal Caminada (27) den HC Thurgau zum Saisonende in Richtung Lausanne verlassen wird, glühten in Weinfelden die Telefondrähte. Es gibt ja attraktivere Arbeitsplätze als die Güttingersreuti, es fehlt an Infrastruktur und Geld, aber das hinderte eine Armada von Agenten und Mittelsmännern nicht daran, den Entscheidungsträgern mehr als 30 Torhüter feilzubieten. Die Episode zeigt, wie schwierig es ist, in der Schweiz einen Goalie zu platzieren, die Plätze sind rar, das Gedränge auf dem Transfermarkt gross.

Schwierige Entscheidung

Einer, der die diffizilen Begebenheiten nur zu gut kennt, ist Sandro Zurkirchen (wurde am Dienstag 24 Jahre alt). Im EV Zug kam der Schwyzer nicht an Jussi Markkanen vorbei, wurde in Thurgau parkiert, ehe er im letzten Frühjahr nach Ambri wechselte. Gegen die Leventiner hatte er im EVZ-Dress gleich zwei Mal brilliert, worauf sie im Nordtessin die sonst den Vereinen des Grosskapitals aus Bern oder Zürich vorbehaltene Strategie anwandten: Wenn du sie nicht bezwingen kannst, verpflichtest du sie eben.

Zurkirchen tat sich in der Entscheidungsfindung sehr schwer, er studierte lange, ob er sich wirklich Ambri anschliessen sollte. Die Zweifel waren berechtigt: Sportlich lag Ambri darnieder, und die breit dokumentierten finanziellen Probleme sind chronischer Natur. Zurkirchen sagt: «Es gab Leute, die mir gesagt haben, ich solle den Transfer auf keinen Fall machen.» Nach weniger als einer ganzen Saison lässt sich sagen: gut, dass er diese Stimmen ignoriert hat. Coach Serge Pelletier sagt: «Die Goalies haben einen grossen Anteil an unserem Erfolg.» Die Einschätzung des kanadischen Eishockeylehrers lässt sich statistisch untermauern: Nolan Schaefer (34, Abwehrquote von 93,82 Prozent) und Zurkirchen (93,39) sind hinter Zürichs Melvin Nyffeler (96,01) die statistisch besten Torhüter der Liga.

Vertrag als Vertrauensbeweis

Der Höhenflug der Ambri-Hüter ist verblüffend, bei Schaefer wie bei Zurkirchen. Letzterem trauten sie es in Zug nicht zu, dass aus ihm dereinst eine Nummer 1 erwachsen könnte. Aber Zurkirchen gelangen in Ambri abermals gewaltige Fortschritte – wofür er kürzlich mit einer Vertragsverlängerung bis 2017 belohnt wurde. Er sagt: «Mir hat immer die Konstanz gefehlt. Daran habe ich arbeiten können, es ist vor allem eine Frage der mentalen Stärke.»

Diese scheint bei Zurkirchen inzwischen derart ausgeprägt, dass Pelletier es ihm zutraut, inskünftig Ambris alleinige Nummer 1 zu sein. Konkurrent Schaefer hat sich in diesem Winter ja grandios verpokert und trotz gegenteiliger Ratschläge seines Agenten Daniel Giger (das Mandatsverhältnis ist inzwischen beendet) überall viel zu viel Geld gefordert. Schaefers Weg könnte nach Russland oder Nordamerika führen, in Ambri wird er durch Michael Flückiger (30, Lugano) ersetzt, der zwar nicht über die Kragenweite Schaefers verfügt, dafür aber auch günstiger ist.

Was die laufende Saison betrifft, wird sich Zurkirchen indes weiter mit Schaefer abwechseln müssen. Die Frage ist, wie weit das Duo Ambri noch führen kann. Zurkirchen sagt: «Für uns folgt jetzt die Kür, wir wollen einem der grossen Klubs das Bein stellen.» Sein Nachfolger in Thurgau wird genau hinschauen – und davon träumen, dass es ihm dereinst gelingt, eine ähnliche Geschichte zu schreiben.