EISHOCKEY: Zuversicht aus Zuger Sicht

Der EV Zug steht heute (20.15/SRF 2) gegen Lugano unter Zugzwang. In der Playoff-Serie steht es 0:2. Eine neue Paradelinie soll die Wende herbeiführen.

Jonas von Flüe
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EVZ-Stürmer Lino Martschini vor dem dritten Playoff-Spiel gegen den HC Lugano: «Wir sind überhaupt nicht verunsichert.» (Bild: EQ/Marc Schumacher)

EVZ-Stürmer Lino Martschini vor dem dritten Playoff-Spiel gegen den HC Lugano: «Wir sind überhaupt nicht verunsichert.» (Bild: EQ/Marc Schumacher)

Jonas von Flüe

Montagmittag, Bossard-Arena, Zug: Der Grossteil der Mannschaft ist nach dem Training bereits in die Garderobe verschwunden, zum Teil bereits geduscht, als drei Spieler Extraschichten auf dem Eis schieben. Gemeinsam mit EVZ-Scout Paul Di Pietro schiessen Sandro Zangger, Josh Primeau und William Rapuzzi noch Dutzende Male aufs Tor. Letzterer wird heute sein Debüt für den EV Zug geben. Der 26-jährige Rapuzzi trainierte gestern zum ersten Mal mit seinem neuen Team, heute wird er neben Josh Holden und Reto Suri als rechter Flügel in der zweiten Sturmlinie auflaufen.

EVZ-Trainer Harold Kreis sagt: «Mit seiner Schnelligkeit und seiner Schusskraft kann er unsere Mannschaft weiterbringen.» Verschwitzt, aber mit einem Lächeln im Gesicht, meint der 26-jährige Rapuzzi, dass er sich wahnsinnig freue, seine Saison in Zug verlängern zu können: «Ich bin für meinen Einsatz bereit.» Der Amerikaner hat mit Visp in der NLB bereits sieben Playoff-Partien absolviert, dabei vier Tore und ein Assist beigesteuert.

Lammer muss verletzt zuschauen

Rapuzzi wird den in den Playoffs bislang wirkungslosen Offensivverteidiger Daniel Sondell als vierten Ausländer ersetzen. Er soll für mehr Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen. Kreis wurde aber auch zur Umstellung gezwungen, weil Dominic Lammer mit einer Schulterverletzung länger ausfallen wird. Der Flügelstürmer musste das gestrige Training von aussen und mit dem Arm in einer Schlinge mitverfolgen.

Für Lammer rückt Lino Martschini in die erste Sturmreihe um Topskorer Pierre-Marc Bouchard und Jarkko Immonen. Das Trio hat gestern bereits in der Konstellation trainiert und harmoniert laut Trainer Kreis gut. «Die Jungs kennen sich, sie haben in dieser Saison bereits 53 Spiele miteinander bestritten. Da macht es nichts, wenn die Linien durcheinandergewirbelt werden», sagt er. Martschini ergänzt: «Eine frische Aufstellung tut uns gut. Wir können diese Veränderung gut brauchen und hoffentlich mehr Druck erzeugen.»

Martschini, Bouchard und Immonen haben bisher bereits im Powerplay Seite an Seite gespielt. Das Trio steht für eine geballte Ladung Offensivkraft, hat in der Skorerliste der Qualifikation die Plätze 1 (Bouchard), 3 (Martschini) und 12 (Immonen) belegt. «Die beiden sind Weltklassespieler. Ich muss mich ihrem Niveau anpassen», sagt Martschini bescheiden.

Martschini macht keinen «Lätsch»

Der redegewandte Martschini gibt einen Einblick in das Innenleben der Zuger Mannschaft. Es gebe trotz des 0:2-Rückstands in der Serie keinen Grund, einen «Lätsch» zu machen, man habe schon viele Rückschläge weggesteckt, die Stimmung sei gut. «Der Trainer hat einiges angesprochen, was weniger gut war. Aber weil wir nicht schlecht gespielt haben, sind wir überhaupt nicht verunsichert», betont er.

Am Tag vor dem kapitalen Heimspiel gegen Lugano strahlen die Zuger Zuversicht aus. Martschini wie auch Trainer Kreis wirken gut gelaunt, wollen dem 0:2-Rückstand gegen Lugano keine allzu grosse Bedeutung zuschreiben. Kreis kann eine Frage nach dem Druck, der auf seiner Mannschaft lastet, nicht verstehen. «Für uns steht es 0:0. Jeder Einzelne freut sich verdammt auf das Spiel», sagt er bestimmt. Fakt ist: Verlieren die Zuger heute auch das dritte Spiel, wird die Wende gegen das zuletzt überzeugend spielende Lugano enorm schwierig.

Kreis erwähnt noch, dass er kürzlich einen Artikel über das NBA-Team Golden State Warriors und deren Superstar Stephen Curry gelesen hat. Das US-Basketballteam hat in dieser Saison 55 von 61 Spielen gewonnen. Currys Erfolgsrezept: «Wir haben einfach riesig Spass auf dem Feld.» Diese positive Freude, meint Kreis, müsse seine Mannschaft auch haben. Im gestrigen Training hat das zumindest bereits gut geklappt.