EV Zug
Erik Thorell und Carl Klingberg: Zwei Schweden – zwei Gefühlswelten

Der eine strotzt vor Selbstvertrauen, der andere muss von der Tribüne zuschauen. Die EVZ-Stürmer Klingberg und Thorell verbindet eine enge Freundschaft, durchleben aber momentan unterschiedliche Zeiten.

Philipp Zurfluh
Merken
Drucken
Teilen
Erik Thorell (links) und Carl Klingberg pflegen eine enge Freundschaft

Erik Thorell (links) und Carl Klingberg pflegen eine enge Freundschaft

Bilder: Keystone

Das Vereinswappen des Trikots anfassen und küssen. Eine solche Jubelgeste sieht man nach einem Torerfolg fast jedes Wochenende auf den Fussballplätzen. Sie soll die Klubtreue versinnbildlichen. In Eishockey-Arenen haben solche Attitüden Seltenheitswert. Doch am Mittwochabend mimte Carl Klingberg den Fussballer. Nach seinem Tor zur 3:1-Führung fasste er sich ans Dress und liess seinen Emotionen freien Lauf. Der Jubel war ein Statement, ein Wink an die EVZ-Organisation und Fans. Was dahinter steckt, ist offensichtlich und lässt keine zwei Meinungen zu. Der EV Zug bedeutet für ihn Heimat. Dort, wo er sich zu Hause und geborgen fühlt. Dort, wo er auch nächste Saison spielen will. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft aus. Sportchef Kläy und Klingberg unterhalten sich nach der Saison über eine Verlängerung des Kontrakts, beide Seiten signalisieren Interesse.

Der Torjubel von Carl Klingberg (rechts) nach dem 3:1, links Yannick-Lennart-Albrecht.

Der Torjubel von Carl Klingberg (rechts) nach dem 3:1, links Yannick-Lennart-Albrecht.

Bild: Marc Schumacher / Freshfocus (Zug, 21. April 2021

Eine andere Gefühlslage herrschte zu diesem Zeitpunkt bei Erik Thorell. Unweit des Eisfeldes spendete er seinem Teamkollegen Beifall, doch nur allzu gern wäre er am Mittwoch mit dem EV Zug und dem schwedischen Landsmann aufgelaufen. Doch der 29-Jährige ist überzähliger Ausländer. Fünf stehen im Kader, aber nur vier dürfen spielen. «Ich habe mich mit der Mannschaft gefreut, das war ein wichtiger Sieg», blickte Thorell einen Tag danach zurück.

Teamgedanke steht über allem

Der Flügel macht momentan eine schwierige Phase durch. Bei den fünf Playoff-Spielen musste er das Geschehen als Zuschauer beobachten. Das schmerzt. «Natürlich bin ich enttäuscht, wenn ich nicht spiele. Aber ich gebe in den Trainings immer mein Bestes und versuche, mich aufzudrängen. Am Schluss fällt der Trainer die Entscheidung, ob ich eine Chance erhalte.» Für Dan Tangnes eine knifflige Angelegenheit.

«Personalentscheidungen sind eine der grössten Herausforderungen in meinem Trainerjob.»

Die Übermittlung der Nachricht an einen überzähligen Spieler, dass er nur zuschauen dürfe, sei bei ihm mit viel Respekt verbunden. «Solche Gespräche werden nie zur Routine», betont Tangnes. «Doch meine Aufgabe besteht darin, das Team so zusammenzustellen, wie es am besten funktioniert.» Persönliche Befindlichkeiten haben dann keinen Platz. Alles wird dem Teamgedanken, dem gemeinsamen Erfolg untergeordnet.

Thorell macht in der Öffentlichkeit einen verschlossenen, ruhigen und in sich gekehrten Eindruck. Er ist kein Mann der grossen Worte. Seine sportliche Ausgangslage trägt ihr Übriges bei. Er fühle sich nicht wie das fünfte Rad am Wagen, aber:

«Eine solche Situation ist neu für mich. Doch ich bin Profi genug und stelle mich in den Dienst der Mannschaft.»

Bei überzähligen Spielern droht immer Gefahr, dass sie ihrem Ego Priorität einräumen, für Misstöne sorgen und schlechte Energie in der Garderobe erzeugen. Für den EVZ wären solche Verstimmungen in der aktuellen Phase gefährlich. Tangnes sagt aber: «Erik Thorell verhält sich sehr professionell.» Seit Thorell vor zwei Jahren nach Zug kam, verbindet ihn mit Klingberg eine enge Freundschaft: «Wir unternehmen viel zusammen in der Freizeit und sprechen über alles. Jeder kann sich auf den anderen verlassen», sagt Klingberg über die «Schweden-Connection».

Berns Physis spielt Abdelkader in die Karten

Das Rotationsprinzip auf den Ausländerpositionen ist beim EV Zug also vorerst ausser Kraft gesetzt. Neben Klingberg und Jan Kovar, die einen Stammplatz geniessen, nehmen Nick Shore und Justin Abdelkader eine zentrale Rolle in Tangnes’ System ein. Nach der 2:6-Niederlage am Montag wäre ein Wechsel auf der Ausländerposition gerechtfertigt gewesen, weil Abdelkader wegen seiner Unbeherrschtheiten mehr Ärgernis statt Hilfe war. Doch gegen Berns aggressives und körperbetontes Spiel sind die US-Amerikaner gegenüber dem filigraneren Schweden im Vorteil. Ob Thorell mit seiner Schnelligkeit und Technik bislang mehr herausgeholt hätte, kann nur spekuliert werden: «Er kann in den Playoffs noch zur entscheidenden Figur werden», meint Tangnes.

Eine Zukunft wird Thorell in Zug nicht haben. Nach zwei Saisons sind die Tage in der Zentralschweiz gezählt. Die grossen Erwartungen in ihn, die auch Tangnes bei der Verkündung des Transfers weckte, konnte er auch aufgrund von Verletzungen nie erfüllen – im Gegensatz zu Klingberg, der nicht zu bremsen ist (19 Skorerpunkte in den letzten 12 Spielen). Obwohl die Gefühlslage der Schweden unterschiedlicher nicht sein könnte, visieren sie ein gemeinsames Ziel an: den Meistertitel mit dem EV Zug.