EV ZUG
«Anton Lander bringt das komplette Paket mit»: Beim Schweizer Meister wächst die Schweden-Fraktion weiter an

Mit dem 30-jährigen Mittelstürmer Anton Lander angelt sich der EV Zug einen weiteren Schweden. Nun sind die Augen des Sportchefs Reto Kläy auf Jan Kovar gerichtet. Kann dieser den Angeboten aus der russischen KHL widerstehen?

Philipp Zurfluh
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Anton Lander schlägt beim EVZ ein neues Kapitel in seiner Karriere auf.

Anton Lander schlägt beim EVZ ein neues Kapitel in seiner Karriere auf.

Bild: PD

In Portionen gestaffelt informierte der EV Zug in den letzten sieben Tagen über die neu verpflichteten Spieler für näch­ste Saison. Nach Christian Djoos und Niklas Hansson vermeldete der Schweizer Meister mit Anton Lander den dritten schwedischen Neuzugang. Bei einem wahrscheinlichen Verbleib von Carl Klingberg ist er der vierte Skandinavier im Zuger Meisterteam. Zufall? «Die Nationalität spielt grundsätzlich keine Rolle, aber die schwedische Mentalität ist mit derjenigen der Schweiz durchaus vergleichbar», begründet Sportchef Reto Kläy. «Am wichtigsten sind jedoch der Charakter und die spielerischen Fähigkeiten.»

Landers Eigenschaften entsprechen perfekt den Anforderungen des Sportchefs an das Spielerprofil: Erfahrung, Führungs- und Skorer-Qualitäten, Teamplayer und Ehrgeiz. Von ihm braucht man keine Kabinettstücke zu erwarten, aber Lander spielt mannschaftsdienlich und ist sich nicht zu schade, defensiv zu arbeiten. «Er bringt das komplette Paket mit, das wir gesucht haben», erklärt der Sportchef.

Neue Herausforderung statt alte Heimat

Seit längerem hatte Kläy den Schweden auf dem Radar, seit zwei Monaten standen sie in engerem Kontakt. Viel Überzeugungskraft musste Kläy bei Lander nicht leisten. Nach ein paar Gesprächen über digitale Kanäle hat der Schwede ziemlich schnell signalisiert, dass der EV Zug die erste Anlaufstelle in der Schweizer Hockey-Landschaft sei. Auch andere Klubs aus der National League haben um ihn geworben. Kläy sagt:

«Ich spürte seinen Ehrgeiz und Hunger, nochmals etwas Neues auszuprobieren.»

Den 182 Zentimeter grossen und 87 Kilogramm schweren Linksschützen reizte auch eine Rückkehr zu seinem schwedischen Ausbildungsklub Timra IK, von dort wagte er 2011 den Schritt nach Nordamerika. Timra ist vor einigen Tagen in die höchste Liga aufgestiegen. Der Klub buhlte um den Stürmer. Doch die Verlockung, in einem anderen Land ein neues Kapitel aufzuschlagen, überwog. Der EVZ gewann das Tauziehen. Weil er sich aber eine Fortsetzung der Karriere in seiner Heimat offen hält, haben sich Lander und Zug auf einen Einjahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison geeinigt.

Nachdem Lander während sechs Jahren 215 NHL-Spiele (10 Tore, 25 Assists) für die Edmonton Oilers und 203 AHL-Spiele (70 Tore, 107 Assists) für die Oklahoma City Barons sowie die Bakersfield Condors bestritt, zog es ihn weiter in die russische KHL. Dort lief der schwedische Internationale zwei Jahre bei Ak Bars Kazan und zwei Jahre bei Lokomotiv Yaroslavl auf. Insgesamt absolvierte er in Russland 235 Partien (60 Tore, 86 Assists).

Kovar als Zünglein an der Waage

Mit Lander, Djoos und Hansson steht ein Ausländer-Trio für nächste Saison fest. Je nach Lockerungen der Einreisebestimmungen und Quarantäne-Regeln sollen die Schweden Anfang Juni in Zug eintreffen. Mit Klingberg dürfte ein vierter Ausländer Bestandteil des Kaders sein. Kläys Augen sind fortan auf Jan Kovar gerichtet. Bis am 31. Mai muss er hoffen, dass der Tscheche den Verlockungen aus der KHL widersteht. Wenn ja, ist auch die fünfte Ausländer-Position fixiert. Zug dürfte bei einem Wechsel von Grégory Hofmann in die NHL fünf ausländische Spieler einsetzen. Bei Kovars Verbleib hätte es für die US-Amerikaner Nick Shore und Justin Abdelkader keinen Platz mehr. «Wir wollen die Türen nicht zuschlagen. Beide bleiben eine Option. So sind wir auch mit ihnen verblieben», sagt Kläy.

Mit Nico Gross ist laut dem Sportchef eine weitere Personalie geregelt. Der Verteidiger, dessen Rechte die New York Rangers besitzen, verlängert sein Engagement beim EVZ.