EV Zug
«Mangel an Respekt gegenüber seinen Gegenspielern», «rücksichtslos» – Einzelrichter zieht Fabrice Herzog fünf Spiele aus dem Verkehr

Stürmer Fabrice Herzog wird dem EV Zug wegen eines Crosschecks vier weitere Spiele fehlen. Sportchef Reto Kläy lässt offen, ob er gegen das Urteil in Berufung gehen wird.

Philipp Zurfluh
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Der Check von Fabrice Herzog gegen Mauro Dufner von Fribourg-Gottéron hat hitzige Diskussionen ausgelöst. Die Szene wurde von den Schiedsrichtern während der Partie nicht geahndet. Der PSO (Player Safety Officer) taxierte das Foul als Crosscheck und ordnete den Vorfall in die Kategorie I ein und beantragte eine Spielsperre. Weil der Beschuldigte als Wiederholungstäter gilt und deshalb eine Straferhöhung im Raum steht, hat der Einzelrichter ein ordentliches Verfahren eröffnet und eine provisorische Spielsperre ausgesprochen.

Das Urteilt ist mit Spannung erwartet worden, nun ist das Strafmass bekannt: Der EVZ-Stürmer wird fünf Spiele gesperrt, eine Sperre hat er bereits verbüsst. Zudem muss er eine Busse von 7700 Franken bezahlen.

Der EV Zug beschreibt in seiner Stellungnahme Herzogs Verhalten als unglücklich, es sei in keiner Weise absichtlich aufzufassen und bezeichnet es als «Dutzendfoul». Herzogs Stock sei dabei unmittelbar nach der Kollision aus Reflex nach oben auf Brusthöhe gegangen. Aufgrund des Grössenunterschieds der beiden Spieler Herzog (189 cm) sowie Dufner (177 cm) und dass sich der Freiburger zum Zeitpunkt des Kontakts mit dem Stock von Herzog in einer tiefen Position befunden habe, habe ihn Herzog möglicherweise und vor allem unglücklich am Nacken getroffen. Die Video-Bilder würden dies aber nicht eindeutig belegen.

Der EV Zug macht in seinem Standpunkt deutlich:

«Vor diesem Hintergrund sowie infolge fehlender Absicht darf Herzog keine gesundheitsgefährdende Aktion vorgeworfen werden.»

«Herzog wird hier absolut zu Unrecht an den Pranger gestellt», sagte Sportchef Reto Kläy vor ein paar Tagen gegenüber unserer Zeitung. Er findet: «Eine Spielsperre sollte die Maximalstrafe sein». Und auch Trainer Dan Tangnes stellte sich hinter Herzog: «Es ist unfair, ihn wegen des Fouls an Dufner wie einen Kriminellen zu behandeln.»

Die Argumente des EV Zug mochten nicht zu überzeugen. «Die Videobilder zeigen deutlich, dass Herzog den Stock nicht aus einem Reflex heraus emporgehoben hat», steht im Urteil des Einzelrichters. Und weiter: «Ein quergehaltener Stock hat auf dieser Höhe nichts zu suchen. Dies muss dem Beschuldigten umso mehr bewusst sein, als er mit 189 Zentimeter grossgewachsen ist.»

Muss noch vier Spiele pausieren: Fabrice Herzog.

Muss noch vier Spiele pausieren: Fabrice Herzog.

Bild: Urs Lindt / Freshfocus (Fribourg, 30. Oktober 2021)

Höheres Strafmass wegen unschöner Vorgeschichte

In der Regel werden Crosschecks abseits des Spielgeschehens mit mindestens zwei Spielsperren bestraft. «Nur Fouls, die mit geringer Wucht oder fahrlässig aus einem Zweikampf heraus, unabsichtlich entstanden sind, wurden mit einer Spielsperre bestraft», ist in der Begründung zu lesen. «Das Verhalten des Beschuldigten war rücksichtslos.» Der Einzelrichter ordnet die Aktion in die Kategorie II ein und hält eine Strafe von zwei Spielsperren für angemessen. Wäre da nicht Herzogs Vorgeschichte: Denn es ist bereits die insgesamt achte Sperre des Thurgauers. Mit einer solchen Vergangenheit dürfe von einem Spieler erwartet werden können, dass er künftig besonders vorsichtig und achtsam zu Werke geht, so der Einzelrichter.

Die Strafe wird wegen der Einschlägigkeit der Vorstrafen um zwei Spielsperren sowie wegen des zeitlichen Abstandes zur letzten Sperre (8. Februar 2021) um ebenfalls eine erhöht. «Er scheint auch durch die in der Vergangenheit erhaltenen Disziplinarstrafen nicht belehrt worden zu sein. Herzog mangelt es offensichtlich am Respekt für seine Gegenspieler im Allgemeinen und für den Kopf seiner Gegner im Speziellen», begründet der Einzelrichter die Sanktion.

Im Urteil wird betont, dass die beiden Sperren der letzten Saison gegen Herzog alle wegen Attacken gegen den Kopf/Nackenbereich erfolgten, so etwa der Check gegen Blum genauso

wie der Check gegen Dufner.

«Dies ist angesichts der Tatsache, dass der Schweizer Hockey Verband seit Jahren versucht, Spieler sämtlicher Ligen und Stufen für den Schutz des Kopfes zu sensibilisieren, umso unverständlicher.»

Für den Einzelrichter ist klar: «Spielsperren scheinen den Beschuldigten nicht über Gebühr zu beeindrucken.»

Der EV Zug hat die Möglichkeit, innerhalb von fünf Tagen beim Verbandssportgericht des Schweizer Hockey Verbandes Berufung einzulegen. Sportchef Reto Kläy sagt auf Nachfrage, dass er das Urteil zur Kenntnis genommen habe. Er will juristische Abklärungen treffen und lässt offen, ob der EV Zug gegen das Urteil in Berufung gehen wird.

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