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Patrick Nideröst ist der Herr der Kufen im EV Zug

Patrick Nideröst (38) ist im EV Zug dafür verantwortlich, dass es den Spielern bei der Ausrüstung an nichts fehlt. Seine Arbeit hat auch einen psychologischen Aspekt.
Sven Aregger
EVZ-Materialwart Patrick Nideröst wirft einen prüfenden Blick auf die geschliffenen Schlittschuhe. (Bild Manuela Jans-Koch (Zug, 29. März 2019))

EVZ-Materialwart Patrick Nideröst wirft einen prüfenden Blick auf die geschliffenen Schlittschuhe. (Bild Manuela Jans-Koch (Zug, 29. März 2019))

Funken sprühen in der kleinen Werkstatt im Bauch der Bossard-Arena. Mit ruhigen Händen schleift Patrick Nideröst die Kufe eines Schlittschuhes an einer Maschine. Der Materialwart hält einen Moment lang inne, wirft einen prüfenden Blick auf das Eisen und poliert es mit Wachs, damit die Kufen im Schleifprozess nicht zu heiss werden. Es ist der Morgen nach dem ersten Zuger Auswärtsspiel in den Playoff-Halb­finals. Nideröst kehrte erst spät in der Nacht aus Lausanne zurück – mit zirka 500 Kilo Ausrüstung im Gepäck. Um 7 Uhr traf er im ­Zuger Stadion bereits wieder die Vorbereitungen fürs bevorstehende Training. Er machte die Kaffeemaschine bereit, legte den Spielern frische Wäsche in die Garderobe, füllte Flaschen mit isotonischen Getränken.

Es ist der normale Tagesablauf für den Schwyzer. Während die Mannschaft auf dem Eis trainiert, nutzt er die Zeit häufig für Materialbestellungen. Und nach dem Training kommen Spieler zu ihm, wenn er ihre Schlittschuhe schleifen oder Helm und Handschuhe reparieren soll.

1500 Schlittschuhe pro Saison

Nideröst arbeitet seine dritte Saison als Materialwart im EV Zug. Er ist in erster Linie zuständig für die Belange des Swiss-League-Teams. Vorgesehen war, dass er in der kommenden Saison auch die Mannschaft in der National League übernimmt. Weil dort aber Urs Weibel krankheitshalber ausfiel, kümmert sich Nideröst schon jetzt um die Ausrüstung der NL-Profis. Der 38-Jährige, ein gelernter Sanitärinstallateur, spielte früher selber Hockey, beim Erstligisten EHC Seewen. Nach seiner Aktivzeit wurde er Materialchef. In Zug erhielt er dann die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Eine Ausbildung dafür gibt es nicht, Nideröst hat sich vieles selber angeeignet und erfahrenen Kollegen über die Schultern geschaut. Er sagt: «Jeder hat seine Philosophie, seine eigenen Kniffs. Wichtig ist, dass man eine Leidenschaft fürs Eishockey und handwerkliches Geschick mitbringt.»

Insgesamt lässt sich festhalten: Die Ausrüstung wird ständig leichter und technisch ausgefeilter. «Sie hat einen hohen Stellenwert und wird je länger, desto wichtiger», sagt Nideröst. Rund 1500-mal bearbeitet er die massgefertigten Schlittschuhe pro Saison. Dabei geht er auf individuelle Bedürfnisse ein. So etwa gibt es Spieler, die spezielle Einlagen brauchen, um gerade in den Schuhen zu stehen und die ganze Kraft aufs Eis zu bringen. Nach geblockten Schüssen kommt es vor, dass Nideröst neu entstandene Druckstellen entfernen muss. Und in Lausanne hat er während des Spiels fünf oder sechs beschädigte Kufen ausgewechselt. «Es ist wie bei einem Ski», erklärt er. «Die Spieler sollen möglichst wenig Widerstand spüren, damit sie besser gleiten und Kurven laufen können.»

Wie die Schuhe sind auch die Carbon-Stöcke genau auf die einzelnen Spieler abgestimmt. Die grösseren, schwereren Protagonisten vertrauen in der Regel harten, widerstandsfähigen Stöcken, während es die leichteren und kleineren Kollegen eher weicher mögen. Und bei den Stürmern ist die Schaufel meist stärker gekrümmt als bei den Ver­teidigern. Das vereinfacht es, Schüsse hoch aufs Tor zu bringen. «Gewisse technische Richtlinien müssen eingehalten werden. Aber innerhalb dieser Norm gibt es Gestaltungsmöglichkeiten», sagt Nideröst. Sonderwünsche werden jedoch kaum an ihn herangetragen. «Es gibt keine Diven in der Mannschaft.»

Witze in der Garderobe

Der zweifache Familienvater spürt das Vertrauen der Spieler. «Sie zeigen sich sehr dankbar für meine Arbeit und fragen manchmal auch, ob sie mir behilflich sein können.» Niederösts Wirken hat auch einen psychologischen Aspekt, gerade wenn es einem Spieler nicht wunschgemäss läuft. «Ich setze mich auch mal in die Garderobe und tausche mich mit einem Spieler aus. Wir reden dann nicht zwingend über ­Hockey, sondern machen Witze über dies und das. Das schafft auch eine Vertrauensbasis», sagt Nideröst, bevor er die Schleifmaschine in der Werkstatt ausschaltet. «Meine Aufgabe ist es, dass sich die Spieler wohlfühlen und sich voll auf ihre Leistung konzentrieren können.»

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