Eishockey
Wenn die Vaterrolle alles ändert: EVZ-Rückkehrer Grégory Hofmann über die Bedeutung der Familie und die Lust aufs Toreschiessen

Stürmer Grégory Hofmann ist nach dem abrupten Ende des NHL-Abenteuer mit sich im Reinen. Beim EV Zug will der Meisterschütze wieder grosse Momente kreieren.

Philipp Zurfluh Jetzt kommentieren
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Sein Blick geht nach vorne: Grégory Hofmann freut sich über die EVZ-Rückkehr.

Sein Blick geht nach vorne: Grégory Hofmann freut sich über die EVZ-Rückkehr.

Bild: Dominik Wunderli (Cham, 13. Januar 2022)

Es ist eine Aktion, mit der er sich in jede Highlight-Show katapultierte und sich in die Annalen des EV Zug eintrug. Fans, Spieler, Trainer und Experten überboten sich anschliessend bei der Bewertung der Szene mit Superlativen. «Der Spurt des Lebens», umschrieb damals unsere Zeitung den Energieanfall. Im dritten Finalspiel gegen Genève-Servette zündete der 29-Jährige beim Stand von 1:1 den Turbo, liess Genfs Abwehrspieler Roger Karrer wie einen Junior aussehen und traf zum letztlich entscheidenden 2:1. Ein ultraschneller Antritt, den ihm niemand nachmacht und den Weg zum Gewinn des Meistertitels ebnete.

«Ich habe mir dieses Tor einige Mal angeschaut», blickt der 29-Jährige acht Monate später auf diese meisterliche Einzelleistung zurück. «Genau wegen solchen Momenten spiele ich Hockey. Ich hoffe, dass ich solche Emotionen wieder erleben darf.»

«Spannend, in eine neue Welt einzutauchen»

Seit dem Gewinn des Meistertitels mit dem EV Zug am 7. Mai 2021 ist im Leben von Grégory Hofmann eine Menge geschehen. Im Juni unterschrieb er einen Einjahresvertrag bei den Columbus Blue Jackets. Nach elf Jahren in der National League musste er in der stärksten Liga der Welt die Ellbogen ausfahren. «Es war spannend, in eine neue Welt einzutauchen», sagt der schussgewaltige Stürmer.

Hofmann besitzt unbestritten die Qualitäten, um in der NHL bestehen zu können. Kaum ein anderer verkörpert und symbolisiert Schnelligkeit, Explosivität und Abschluss so gut wie der gebürtige Neuenburger. Dennoch: In dieser «neuen Welt» konnte er von seinen grossartigen Fähigkeiten weniger Gebrauch machen als noch in der Schweiz.

Das beruhte auch darauf, dass er ab und an auf einer ihm ungewohnten und unbeliebten Position eingesetzt wurde – beispielsweise im Powerplay vor dem gegnerischen Tor. «Wenn ich plötzlich eine Rolle einnehmen muss, die ich in meiner ganzen Karriere noch nie gespielt habe, ist das wie ein Neuanfang. Ich habe es aber akzeptiert», erzählt er und merkt an:

«Ich bereue nichts.»

Hofmann schiesst lieber Tore. Er zelebriert sie, schöpft aus ihnen Mut und Selbstvertrauen. «Es geht alles über Emotionen», sagt der Stürmer. Der Hockeyspieler Hofmann funktioniert dann, wenn er das Vertrauen seines Arbeitgebers spürt, sich in einem ihm gewohnten, familiären Umfeld bewegen kann. «Harmonie ist für mich extrem wichtig», so Hofmann, der selbst sein grösster Kritiker ist und von einem enormen Ehrgeiz angetrieben wird.

Grégory Hofmann erzielt am 25. Oktober sein erstes Tor in der NHL.

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Das «magische Dreieck» ist komplett

Als er Mitte Dezember wegen der Geburt seiner Tochter in die Schweiz dislozierte, wurde ihm bewusst, welch hohen Stellenwert die Familie für ihn hat. «Wenn man Vater wird, ändert sich alles. Ich will für die Familie da sein», betont er. Mit seiner Frau, die er während seines Engagements beim HC Lugano kennengelernt hatte, tauscht er sich aus, ob sie ihr gemeinsames Kind in Amerika aufziehen sollen. «Meine Frau konnte sich wegen der Sprache und der Kultur nicht damit anfreunden», erklärt Hofmann.

Sein Vertrag beim EV Zug läuft 2023 aus. Nächste Woche wird er mit Sportchef Reto Kläy zusammensitzen und sich über eine Verlängerung seines Engagements austauschen. Der Meisterschütze sagt jedenfalls: «Meine Frau liebt Zug.»

EVZ-Rückkehrer Grégory Hofmann im Spitzensportzentrum OYM in Cham.

EVZ-Rückkehrer Grégory Hofmann im Spitzensportzentrum OYM in Cham.

Bild: Dominik Wunderli (Cham, 13. Januar 2022)

Obwohl sich der Sportchef und Trainer Dan Tangnes über die Rückkehr von Hofmann freuen, hat die beiden das abrupte Ende des NHL-Kapitels überrascht. Selbst Dario Simion, der mit Hofmann bereits bei Ambris Junioren oder beim HC Davos zusammen auf dem Eis stand und auch privat gut befreundet ist, sagt: «Ich habe mit ihm an Weihnachten telefoniert, doch damals hätte ich nie gedacht, dass es plötzlich so schnell geht.»

Auf die Frage nach der Dynamik, die seine Heimkehr auslösen kann, meinte Simion: «Grégory ist Gold wert, denn wir schiessen in letzter Zeit zu wenig Tore.» Ob Hofmann-Tore bereits morgen gegen den HC Lugano zu bestaunen sind, ist eher unwahrscheinlich. Noch haben die Columbus Blue Jackets die Freigabe nicht erteilt. Klar ist aber: Das «magische Dreieck» um Hofmann, Simion und Kovar, das sich praktisch blind versteht, ist wieder komplett. In der Meistersaison zeichnete es für nicht weniger als 190 Skorerpunkte verantwortlich.

Spielte in der vergangenen Saison gross auf: Die EVZ-Paradelinie um Dario Simion (links) Grégory Hofmann (Mitte) und Jan Kovar.

Spielte in der vergangenen Saison gross auf: Die EVZ-Paradelinie um Dario Simion (links) Grégory Hofmann (Mitte) und Jan Kovar.

Bild: Patrick Straub / Freshfocus (Zug, 17. Januar 2021)

Medientermine sind nicht Hofmanns Welt. Er gibt sich zurückhaltend, die grosse Aufmerksamkeit um seine Person seit Anfang Woche scheint ihm fast ein wenig unangenehm zu sein. Lieber lässt er auf dem Eis seinen Emotionen freien Lauf. Ihn juckt es unter den Fingernägeln, beim EV Zug endlich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen zu dürfen – seiner Kernkomptenz, dem Toreschiessen. «Ich vermisse es», betont er. Bald wird er Gelegenheit dazu haben, um vielleicht wieder für einen Geniestreich analog seines Treffers vom 7. Mai 2021 zu sorgen.

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