EV Zug und HC Lugano im Check: Tessiner sind knapper Punktesieger

Die Playoff-Serie zwischen Zug und Lugano (Start Samstag 20 Uhr) verspricht Spannung, Tempo und Offensivspektakel. Wir haben die beiden Mannschaften miteinander verglichen – mit 21 zu 20 sind die Tessiner knapper Punktsieger.

Sven Aregger, Klaus Zaugg
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Goalies

(Bild: Alexandra Wey / Keystone)

(Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Vor dem Saisonstart erfuhr Tobias Stephan, dass er in Zug keine Zukunft mehr hat. Er wird ab 2019/20 durch SCB-Torhüter Leonardo Genoni ersetzt. Der 35-Jährige will bis heute nicht darüber reden. Dafür liess er Taten sprechen, er spielte so souverän wie vielleicht noch nie. Aber seit er von einer Knieverletzung gebremst wurde, agierte er nicht mehr so bestechend. Auch, weil ihn seine Vorderleute oft im Stich liessen. Der EVZ braucht einen Stephan in bester Verfassung, um Luganos Offensivzauberer in Schach zu halten. Beweist der Goalie den Kritikern, dass er in den Playoffs den Unterschied machen kann? Mit Sandro Aeschlimann steht ein starker Backup bereit.

Bewertung: 3,5 Punkte

(Bild: Pablo Gianinazzi / Keystone)

(Bild: Pablo Gianinazzi / Keystone)

Elvis Merzlikins war letzte Saison mit einer Fangquote von 93,45 Prozent der beste Playoffgoalie. Mag sein, dass ihm die NHL-Pläne (er hat vor, kommende Saison dort zu spielen) ein wenig zu Kopfe gestiegen sind und dass er deshalb während der Qualifikation nicht mehr der wahre Elvis Merzlikins (92,07 Prozent) war. Nun geht es in den Playoffs für den flamboyanten Goalie auch um seinen «Lebenstraum NHL». Nichts tut dem Marktwert so gut wie herausragende Leistungen in den Playoffs – und die wird er erneut zeigen. Er hat den HC Lugano schon 2016 (gegen den SC Bern) und letzte Saison (gegen den ZSC) in den Final gehext.

Bewertung: 4,5 Punkte


Defensive

Als es in den letzten Quali-Spielen um nichts mehr ging, liess die Zuger Gegenwehr vor dem eigenen Tor merklich nach, Konzentrationsmängel und Nachlässigkeiten häuften sich in einem unverträglichen Mass. Dabei hat die Verteidigung lange gezeigt, zu was sie eigentlich fähig ist. Zug hat nach Bern am zweitwenigsten Gegentore erhalten (115) und nach den SCL Tigers das zweitbeste Boxplay der Liga (Effizienzquote von knapp 85 Prozent). Die Verteidiger sollen sich spielerisch aus der eigenen Zone lösen und sich immer wieder in die Offensive einschalten. Das macht Zug unberechenbarer im Angriff, aber auch anfälliger für Konter des Gegners.

Bewertung: 4 Punkte

Luganos Abwehr mahnt an einen Stuhl mit drei Beinen: Alles hängt von Romain Loeffel, Taylor Chorney und Captain Alessandro Chiesa ab. Einen vierten Verteidiger, der auf Augenhöhe mit diesem «Trio Grande» zu spielen vermag, gibt es nicht. So hilft es wenig, dass Romain Loeffel in der Qualifikation einen Punkt mehr produziert hat als Zugs Abwehrchef Raphael Diaz. Die «Lotter-Abwehr» ist der Grund für die mässige Qualifikation. Aber Achtung: Nun kann Trainer Greg Ireland sein «Trio Grande» stärker forcieren, die Abwehr wird besser sein als während der Qualifikation, der Stuhl kann in den Playoffs auch auf drei Beinen stehen.

Bewertung: 3 Punkte


Offensive

Lino Martschini. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Lino Martschini. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

159 Tore hat der EVZ in der Qualifikation geschossen, nur eine Mannschaft war noch eine Spur erfolgreicher: Gegner Lugano mit 160 Treffern. Die grosse Zuger Stärke ist die Ausgeglichenheit, alle vier Linien können skoren. Besonders beeindruckend: Auch Verletzungen auf den Ausländerpositionen warfen die Mannschaft nicht aus der Bahn. Und im Powerplay hat sich Zug im Verlauf der Saison deutlich gesteigert, mit einer Effizienzquote von gut 21 Prozent stellen die Zentralschweizer das beste Team in der National League. Die grosse Frage ist: Kann der EVZ-Topskorer Lino Martschini auch in den Playoffs auftrumpfen?

Bewertung: 4,5 Punkte

Grégory Hofmann (Bild: Melanie Duchene / Keystone)

Grégory Hofmann (Bild: Melanie Duchene / Keystone)

Obacht, statistisch der stärkste Sturm der Liga! Der HC Lugano hat in der Qualifikation sogar einen Treffer mehr erzielt als die Zuger. 15 Spieler haben 15 und mehr Punkte produziert, beim EV Zug sind es nur 10. Der künftige EVZ-Stürmer Grégory Hofmann ist der erste Schweizer seit Michel Riesen (2006/07, 37 Tore in 44 Partien), der in der Qualifikation die Marke von 30 Toren erreicht hat. Maxim Lapierre und Lani Lajunen gewinnen mehr als 55 Prozent der Anspiele – kein Zuger erreicht diese Erfolgsquote. Mehr geht in der Offensive nicht. Zugs Trost: Meisterschaften werden in der Defensive, nicht in der Offensive entschieden.

Bewertung: 5 Punkte


Ausländer

Vier der fünf Ausländer müssen Argumente für eine Vertragsverlängerung sammeln. Gute Karten besitzt Dennis Everberg, der Ersatz des abgewanderten Viktor Stalberg. Der Schwede ist ein ständiger Unruhestifter in der gegnerischen Abwehr. Ansonsten prägten Verletzungen die Saison bei den Ausländern. Hitzkopf Garrett Roe, ein Center mit grosser Übersicht, muss seine Playoff-Tauglichkeit erst noch beweisen. David McIntyre ringt seit Wochen mit seiner Form, und Carl Klingberg ist erst kürzlich aufs Eis zurückgekehrt. Als Alternative bietet sich Brian Flynn mit seiner Flexibilität an, der US-Amerikaner kann Flügel und Center spielen.

Bewertung: 3,5 Punkte

Die fünf Ausländer – die Stürmer Jani Lajunen, Maxim Lapierre, Linus Klasen und Henrik Haapala sowie Verteidiger Taylor Chorney – haben zusammen 31 Tore erzielt und damit nur einen einzigen Treffer mehr als Grégory Hofmann. Der HC Lugano steht und fällt zwar nicht mit einem ausländischen Star – und doch ist das ausländische Personal besser als es die Statistiken vermuten liessen. Der kräftige Center Jani Lajunen hilft der Mannschaft mit seinen Defensivqualitäten. Und der Aggressivleader Maxim Lapierre wird in den Playoffs zu einem charismatischen Leitwolf – allerdings mit der latenten Gefahr des Ausrastens.

Bewertung: 4 Punkte

Trainer

(Bild: Urs Flüeler / Keystone)

(Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Dan Tangnes hat mit seinem Coaching-Staff die Erwartungen in der Qualifikation übertroffen. Seine Philosophie deckt sich mit den Vorstellungen des Klubs. Der 40-jährige Norweger hat die Eiszeiten besser verteilt, jungen Spielern das Vertrauen geschenkt und gestandene Profis weiterentwickelt. Tangnes lässt ein druckvolles Offensiveishockey spielen, das auf viel Scheibenbesitz beruht. Seine Mannschaft soll damit die Kontrolle über das Spiel behalten. Als kluger Kommunikator steht er für eine neue Trainergeneration. Aber kann er auch in den Playoffs erfolgreich sein? Bei Ex-Klub Linköping in Schweden war dreimal im Viertelfinal Schluss.

Bewertung: 4,5 Punkte

(Bild: Marusca Rezzonico / Freshfocus)

(Bild: Marusca Rezzonico / Freshfocus)

Greg Ireland ist oft geschmäht worden, und es gäbe so gute Gründe für eine Entlassung wie für Serge Aubin in Zürich. Doch der Kanadier hat präsidialen Rückhalt, er kann sich sogar Konflikte mit den Stars leisten. Damien Brunner hat den HC Lugano im vergangenen Sommer aus einem laufenden Vertrag verlassen, Linus Klasen würde das auch tun, wenn er dürfte. Es wäre fatal, den konservativen Taktiker Ireland – er ist so etwas ein Harold Kreis ohne Selbstironie – in den Playoffs zu unterschätzen. Im letzten Frühjahr führte er Lugano in den Final gegen die ZSC Lions. Wer Final kann, der kann erst recht auch Viertelfinal.

Bewertung: 4,5 Punkte

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René Barmettler

EVZ-Gegner Lugano ist auf dem Weg zurück zur Romantik

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Klaus Zaugg