Der EV Zug verteidigt Preiserhöhung der Saisonkarten: «Wir sind auf die Einnahmen angewiesen»

EVZ-Fans müssen für ihre Saisonkarten mehr bezahlen. Die Abonnemente werden 30 bis 100 Franken teurer. CEO Patrick Lengwiler argumentiert mit der Konkurrenzfähigkeit. Man habe keine andere Wahl.

Philipp Zurfluh
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Die Botschaft kommt per Post ins Haus geflattert: Die rund 6000 EVZ-Saisonkartenbesitzer werden in diesen Tagen informiert, dass sie für ihren Platz in der Bossard-Arena in der nächsten Saison mehr berappen müssen. Das Stehplatz-Abo kostet 30 Franken mehr, ein Sitzplatz bis zu 100 Franken.

Dass der Verein bereits jetzt schon die Rechnungen verschickt, obwohl zum heutigen Zeitpunkt völlig offen ist, ob die Saison am 18. September vor Publikum beginnen kann, begründet EVZ-CEO Patrick Lengwiler folgendermassen: «Wir haben uns das gut überlegt und sind zum Schluss gekommen, es analog allen anderen Jahren zu machen und nicht länger zu warten. In einem Monat wird die Ungewissheit wohl nicht kleiner sein, wie es weitergeht.» Der Manager versteht, dass der Zeitpunkt des Versandes in Anbetracht der Coronakrise nicht nur auf Gegenliebe stösst und kritisch hinterfragt wird. «Für uns geht es aber auch um die Liquidität des Vereins. Wir sind auf diese Einnahmen in diesen Monaten angewiesen. Wir gehen hierbei davon aus, dass wir eine normale Saison mit Zuschauern und Sponsoren, allenfalls mit einem späteren Beginn, spielen können. Wenn dem nicht so ist, werden wir Rückerstattungen vornehmen», erklärt Lengwiler.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

Boris Bürgisser

Fans der ZSC Lions erhalten einen Rabatt

Einen anderen Weg schlagen die ZSC Lions ein. Der Qualifikationssieger 2019/20 gibt den Saisonkartenbesitzern 10 Prozent Rabatt für die nächste Saison. Eine solche Massnahme und somit eine Vergünstigung der Saisonkarte wurde beim EV Zug nicht diskutiert, meint Lengwiler. «Ein Vergleich zwischen den Vereinen und der Herauspicken einer einzelnen Organisation ist nicht zielführend. Alle haben eine andere Ausgangslage, unterschiedlich Arena und Gastronomie-Kapazitäten mit unterschiedlicher Auslastung, Mäzentum und auch Strategie.» Seit Jahren ist die Nachfrage nach Sitzplatz-Abonnementen gross. «Wir müssen Interessenten immer wieder absagen», so Lengwiler.

Der Entscheid für eine Preiserhöhung sei bereits vor der Coronazeit gefallen. «Nach drei Saisons mit gleichbleibenden Preisen halten wir das für angemessen», erläutert der CEO und verweist auf die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit und dass der Klub weiterhin gesund bleiben wolle.

«Im Gastrobereich sind uns die meisten Klubs einen grossen Schritt voraus. Kapazitätsmässig stossen wir überall an Grenzen.»

Preiserhöhung geniesst Rückhalt bei den Fans

Bereits vor der Coronakrise hat Patrick Lengwiler in einem regelmässigen Austausch mit Fanvertretern die Preiserhöhung kundgetan. «Klar bekommen wir für unser Vorgehen keinen Applaus, doch die Fan-Szene weiss um die wirtschaftlich angespannte Situation des Klubs», erläutert Lengwiler. Dass die Preiserhöhung durchaus Rückhalt geniesst, zeigt ein Blick ins EVZ-Forum. Dort stellt sich eine Mehrheit hinter die Massnahme: «Ich zahle gerne ein wenig mehr, damit ich meinen Herzensverein unterstützen kann», schreibt ein User. In einem der wenigen kritischen Voten heisst es: «Der EV Zug möchte sich nicht festlegen, ob und wie viel Geld er zurückerstattet, falls die Saison nicht vollumfänglich durchgeführt werden kann. Da kann der Verein ruhig sagen, was Sache ist.»

Bis Mitte Juni haben die Inhaber der Saisonkarten Zeit, von ihrem Vorverkaufsrecht Gebrauch zu machen und die Rechnung zu bezahlen. «Bei der Zahlungsfrist sind wir kulant, wir möchten Fairness walten lassen und den Saisonkartenbesitzern entgegenkommen», so Lengwiler. Neu-Abonnenten müssen warten: Diese kommen erst zum Zug, wenn bestehende Abo-Inhaber ihre Steh- oder Sitzplätze aufgeben.