EVZ-CEO kritisiert das Bundesamt für Sport scharf

Der Schweizer Profi-Sport soll finanzielle Hilfe in der Coronakrise erhalten in Form von Darlehen. Beim EV Zug ist man mit dieser Massnahme überhaupt nicht zufrieden.

Philipp Zurfluh
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Der Bundesrat hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass er den Betrieb der Fussball- und Eishockeyligen mit 350 Millionen Franken unterstützen  möchte. Dabei handelt es sich um rückzahlbare Darlehen. Die Rückzahlung muss innerhalb von fünf Jahren erfolgen. EVZ-CEO Patrick Lengwiler lässt kein gutes Haar am «Rettungspaket» und stellt dem Bundesamt für Sport ein schlechtes Zeugnis aus: «Mit Darlehen kann man keinen Ertragsausfall ausgleichen, man kann diesen nur überbrücken. Damit werden die finanziellen Schwierigkeiten der Vereine nur aufgeschoben. Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Klub, der dieses Darlehen jetzt benötigt, in den nächsten Jahren soviel Geld zusätzlich verdienen kann, um alles zurückzahlen zu können.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler kritisiert das Bundesamt für Sport.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler kritisiert das Bundesamt für Sport.

Bild: Boris Bürgisser (Zug, 3. September 2019)

Falls beispielsweise über mehrere Wochen oder gar Monaten  nur Geisterspiele stattfinden können, würden das einige Eishockeyklubs nicht überleben, gibt sich Lengwiler überzeugt. Er ärgert sich auch darüber, dass der Schweizer Spitzensport immer wieder nur mit Millionen-Salären in Verbindung gebracht wird. «Dem Bundesamt für Sport ist es offensichtlich nicht gelungen, den Entscheidungsträgern klar zu machen, dass Eishockey nicht einfach bloss Spitzensport ist – sondern ein Wirtschaftszweig.»

Lengwiler ärgert sich: «Populistisch wird immer nur von den hohen Spielerlöhnen gesprochen.» Alleine der EVZ beschäftigte 120 Festangestellte und 220 Teilzeitangestellte. Hiervon seien nur 25 Personen das Kader der 1. Mannschaft mit Spielern und Trainern. Einige würden sehr gut verdienen, andere ganz normal. «Wer also rechnen kann, sieht, dass dahinter noch viel mehr Angestellte mit normalen Löhnen fungieren und diese vom Produkt Spitzensport aber abhängig sind. Wenn dies nicht mal das Bundesamt für Sport kapiert, dann ist es leider ein Zeugnis davon, wie weit sie vom Sport weg sind», betont Lengwiler.