EVZ: Donald «Red» Laurence: «Ich schickte einen Brief mit meiner Bewerbung nach Zug»

Zeitzeuge Donald «Red» Laurence erinnert sich.

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EVZ-Rekordtorschütze Red Laurence gönnt sich einen Schluck nach dem NLA-Aufstieg 1987. (Bild: EVZ)

EVZ-Rekordtorschütze Red Laurence gönnt sich einen Schluck nach dem NLA-Aufstieg 1987. (Bild: EVZ)

Die Stadt Zug habe ich wahrgenommen, als ich während meiner Zeit bei Ambri-Piotta ab und an nach Zürich gefahren bin. Ich kannte damals ein paar Spieler, die beim EVZ spielten. Bevor ich den Brief mit meiner Bewerbung um eine Stelle in Zug abschickte, war ich mit dem Trainer Andy Murray zusammengesessen, der den EVZ ja zu Beginn des Jahres 1986 übernommen hatte. Ich kannte ihn von früher her, und er erzählte mir, dass der Klub wieder aufsteigen wolle. Das reizte mich – ich wollte Teil dieser Mission sein. Zudem hatte ich Erfahrung: Ich war 1985 schon mit Ambri in die NLA aufgestiegen.

Den Wechsel zum EVZ habe ich keine Sekunde bereut. In der Leventina lebte ich mit meiner Familie in einem Dorf mit rund 30 Einwohnern. Kontakt mit den Einheimischen gab es kaum. Auch mit meinen Teamkameraden unternahm ich ausserhalb des Stadions kaum etwas. Das war beim EVZ völlig anders. Darüber hinaus hatte Zug aussergewöhnliche Fans. Die trugen uns immer auf Händen, auch wenn es mal nicht so gut lief. Auch die Vereinsführung um Professor Georg Keiser kümmerte sich liebevoll um mich und meine Familie. Uns hat es am Zugersee sehr gut gefallen, es hat uns an nichts gefehlt. Es war ein ganz anderes Leben als in der Abgeschiedenheit im Tessin.

Auch innerhalb des Teams war der Zusammenhalt sehr gross. Die damals schon grosse Kanadierfraktion verstand sich mit den Schweizern immer sehr gut. Sprachbarrieren gab es nicht. Es kam nicht zu Gruppenbildungen, wie sie bei anderen Teams gang und gäbe waren. Wir waren beim EVZ so etwas wie eine grosse Familie. Wenn wir zu einem Nachtessen gingen, waren alle dabei. Das Gleiche galt, wenn irgendwo ein Fest anstand. Ich habe auch immer wieder den Kontakt mit den Fans geschätzt. Es gehörte ganz einfach dazu, dass wir nach einem Spiel noch ins Restaurant Pögg gingen und mit dem Wirt Bruno Lang, der Vereinsführung und unseren Fans etwas tranken.

Ich habe während meiner Zeit in Zug sehr viel erlebt. Es ist wohl besser, dass einige dieser Geschichten noch heute nur den Beteiligten in Erinnerung bleiben sollen. Aber manche erzähle ich immer wieder gern. Da wäre das letzte Spiel gegen den ZSC in der Saison 1986/87: Wir gewannen die Partie mit 6:2 und machten den Aufstieg in die NLA – das Hertistadion war ein Tollhaus. Turbulent war schon die Partie gewesen. Die Zürcher verliessen das Eis, die Zuschauer auf der Tribüne gerieten aneinander. Sie konnten erst durch einen Wasserstrahl aus einem Feuerwehrschlauch getrennt werden. Trotzdem wurde der Match danach fortgesetzt – crazy!

Über dem Jubel ging etwas vergessen: dass wir für diesen Erfolg hart arbeiten mussten. Uns war nichts in den Schoss gefallen, wir mussten kämpfen, um den Platz an der Sonne zu erreichen. Ich weiss noch, dass ich sehr viele Tore geschossen habe (62 Treffer; diese Zahl bedeutet immer noch EVZ-Rekord in einer Saison, Anm. d. Red.). Aber ich bitte um Nachsicht, dass ich nicht mehr alle im Kopf habe. Ich erinnere mich aber, dass ich in einem Auswärtsspiel gegen Dübendorf, das wir 13:2 gewannen, sechs Tore erzielte. Diesen Wert erreichte ich in meiner Karriere nicht oft. Ohne meine Flügel Colin Muller und John Fritsche und die anderen Teamkollegen wären mir nie so viele Tore gelungen. Wir ergänzten uns auf dem Eis, jeder wusste, was der andere machte. Und Trainer Andy Murray hat uns immer wieder aufs Neue motivieren können.

Ich schaue mir heute ab und zu Zusammenfassungen von EVZ-Spielen an. Ich erkenne, dass das Niveau seit meiner Zeit sehr stark gestiegen ist. Leider bin ich seit meinem Abschied aus Zug im Jahre 1991 nie mehr in der Zentralschweiz gewesen. Zum 25-Jahr-Jubiläum war ich eingeladen, konnte aber leider nicht kommen: Ich steckte damals mitten in meiner Ausbildung zum Feuerwehrmann. In diesem Business arbeite ich immer noch – ich liebe meinen Job wie damals das Eishockeyspielen. Ich bin jetzt in Waterloo, einer Stadt in der kanadischen Provinz Ontario, tätig. Meine Kontakte zur Schweiz sind leider nur noch spärlich, ich habe aber immer noch einige Erinnerungs­gestände aus meiner Schweizer Zeit in einem Gestell in unserer Wohnung stehen. Unter diesen befinden sich die beiden Kannen, die ich nach den beiden NLA-Aufstiegen mit Ambri-Piotta und dem EVZ erhalten habe.

Aufgezeichnet von: Marco Morosoli

Donald «Red» Lau­rence (59) hat von 1986 bis 1991 beim EVZ gespielt. In 179 Spielen schoss er 192 Tore und notierte 113 Assists.