EVZ-FANS: «In Davos werden sie wieder gewinnen»

7015 Anhänger sorgten am Dienstagabend für eine knallvolle Halle und wollten ihr Team zum Sieg tragen. Zum dritten Mal wurden sie enttäuscht. Doch die Hoffnung ist ungebrochen.

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Die Fahnen wogten, die Stimmung der Fans war auf dem Siedepunkt - und doch blieb ihnen und ihrem Team nur die dritte Niederlage in der heimischen Bossard-Arena. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Die Fahnen wogten, die Stimmung der Fans war auf dem Siedepunkt - und doch blieb ihnen und ihrem Team nur die dritte Niederlage in der heimischen Bossard-Arena. (Bild: Christian H. Hildebrand)

WOLFGANG HOLZ

«EVauzett, EVauzett, EVauzett! Lulululululu! EVauzett, olé, EVauzett, olé! Allez, allez, allez! Scheiss Davos, scheiss Davos!» Die eingängigen Parolen der EVZ-Fans prasseln wie verbale Blitzgewitter in der Bossard-Arena von den Rängen der Herti-Nordkurve. Dort, wo das Herz der EVZ-Fans im Takt der Trommeln hämmert. Dort, wo die riesigen Fahnen wie «Eusi Stadt, euse Stolz» wie eine emotionale Kuscheldecke über die Köpfe der Fans dahinweht, und die drei Einpeitscher alles geben, um aus ihren Mikrofonen und Megafonen den letzten Tropfen an Leidenschaft herauszupressen damit es den Männern auf dem Eis dieses Mal doch endlich gelingen möge, die Davoser besiegt in ihr Bündner Bergtal zurückzuschicken.

Nach 1:0 tobt das Stadion

«Wir werden heute endlich gewinnen», gibt sich ein junger EVZ-Fan mit Hornbrille, der sich vor dem Match noch sein blau glänzendes Tenü überstreift, zuversichtlich. Zwar hätten die Davoser das erste Spiel in der Bossard-Arena klar gewonnen. «Doch inzwischen ist es viel enger geworden zwischen beiden Mannschaften, und die Davoser wirken jetzt zu müde, um zu siegen.» Auch ein Baarer, dessen Tochter schon zehn Jahre lang mit einem der EVZ-Stars liiert ist, zeigt sich siegesgewiss: «Es ist jetzt einfach die Zeit zum Kehren.» Sagts und verabschiedet sich mit hartem Händedruck. Im ersten Drittel scheinen nicht nur die Zuger auf den Rängen von dieser Aussicht überzeugt auch die Kufenstars auf dem Eis bedrängen das Davoser Tor, als wollten sie die Gel-Blauen förmlich überrollen. Und jedes Mal, wenn ein Zuger knapp mit dem Puck am Tor scheitert, wälzt sich ein «Uuuuuhhhhhhhhhhh» wie ein akustischer Tsunami von der Nordkurve herunter aufs Eis. «Auf gehts, Zuger schiesst ein Tor, schiesst ein Tor, schiesst ein Tooooor!» Im zweiten Drittel ist es dann endlich so weit, man glaubt schon, die Glocken des Playoff-Halbfinals läuten hell. Als Nolan Diem nämlich reaktionsschnell das Gummigeschoss in den Maschen des Davoser Tors versenkt, tobt die Halle. Und nicht nur die Nordkurve schwelgt in euphorischem Wir-sind-jetzt-bald-im-Halbfinal-Jubel. Auch die Fans auf den Sitzplätzen bekennen endlich einmal lautstark Farbe. Doch als die Davoser zwei Minuten den Puck ihrerseits ins Zuger Tor knallen, scheint die Hoffnung der Fans eingesunken – wie die beiden aufgeblasenen Riesenvereinsembleme, an denen die EVZ-Stars zu Beginn in die Arena glitten und aus denen man danach wieder die Luft rausliess. Doch die EVZ-Fans in der Nordkurve lassen sich nicht unterkriegen. Ein junger Engländer, der sich im Fan-Shop vor dem Match einen dunkelblauen EVZ-Schal, Modell «For ever», geleistet hat, schreit sich seine Seele aus dem Leib. «Holden, get him!» «Get pressure on them!» «Brush him!» So lauten die Kampfparolen des Stoppelbärtigen, der aufgrund seiner Ausstrahlung – eine Mischung aus Dorian Gray und «Seewolf» Raimund Harmstorf – auch die Aufmerksamkeit seiner unmittelbaren Nachbarschaft auf sich zu ziehen vermag.

Eine junge Frau mit Pferdeschwanz, die im ersten Drittel noch ein weiss-blaues Haarband getragen hat, strahlt statt ihres Freunds plötzlich kurz den Nordkurve-Freibeuter an. Doch auch dieser ist mit seiner angelsächsischen Stimmgewalt im dritten Drittel am Ende. Die vielen «F...»-Salven können die schnellen Davoser, die mit ihren überfallartigen Angriffen die Zuger in die Knie zwingen, nicht mehr wirklich das Fürchten lehren. Zwei Damen mit langen Mähnen neben ihm die eine blond, die andere rot – unterhalten sich deshalb längst über ganz andere Dinge, winken Bekannten irgendwo im Publikum zu. Und lassen mit einem Handy mit Glitzerpunkten hinten drauf von ihrem Begleiter ein paar Erinnerungs-Selfies schiessen. «Ich bin sauer, dass sie heute Abend so schlecht gespielt haben», bekennt diejenige mit den roten Haaren dann doch noch auf dem Weg zum Ausgang. «Aber sie werden in Davos wieder gewinnen – weil sie so gut sind». Sagts und lächelt. Die Hoffnung stirbt doch wieder zuletzt.