Bestnote für Raphael Diaz und Grégory Hofmann – die EVZ-Bilanz zur Saisonhälfte

EVZ-Captain Raphael Diaz strotzt vor Spielfreude. Stürmer und Neuzugang Grégory Hofmann schiesst Tor um Tor. So sieht das Zwischenzeugnis der EVZ-Spieler aus. 

Sven Aregger und René Barmettler
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Die besten im Team: Raphael Diaz (links) und Grégory Hofmann.

Die besten im Team: Raphael Diaz (links) und Grégory Hofmann. 

Bilder: Daniela Frutiger und Michela Locatelli / Freshfocus

Raphael Diaz hat einen Lauf, der langsam unheimlich wird: Er trifft, wie er will. In jedem der letzten sieben Meisterschaftsspiele hat der Zuger Verteidiger ein Tor realisiert, es sind eigentlich die Werte eines formstarken Stürmers. Mit 24 Skorerpunkten steht Diaz bei den Abwehrspielern in der National League an zweiter Stelle, nach Rapperswils Dominik Egli (27 Punkte).

Es wäre aber zu einfach, den Captain des EV Zug und der Schweizer Nationalmannschaft nur an seiner Offensivkraft zu messen. Diaz ist ein Mann für alle Fälle, er markiert Präsenz in sämtlichen Zonen und ist sowohl im Powerplay als auch im Penaltykilling eine Schlüsselfigur. Er erledigt seine defensiven Pflichten ohne Fehl und Tadel, hat die meiste Eiszeit (durchschnittlich 22:27 Minuten pro Spiel) und die beste Plus/Minus-Bilanz (+12) in seiner Mannschaft. Sportchef Reto Kläy schwärmt: «Raphi spielt sehr abgeklärt und stabil, er ist ein Leader. Es gibt nur Positives zu sagen.»

Die Noten zu jedem EVZ-Spieler finden Sie etwas weiter unten im Artikel.

Vielleicht sehen wir aktuell sogar den besten Diaz seit seiner Rückkehr aus Nordamerika im Jahr 2016. «Das Feuer in mir lodert noch genauso wie zu meiner Anfangszeit», sagt Diaz, der im Januar 34 Jahre alt wird. «Ich will jeden Tag dazulernen und gefordert werden. Das Alter spielt da keine Rolle.»

Austausch mit jungen Spielern

Diaz ist bekannt für seine vorbildliche Arbeitsmoral, für seinen Ehrgeiz und sein Verantwortungsbewusstsein. An der Seite der EVZ-Identifikationsfigur sollen die jungen Spieler wachsen. In der laufenden Saison verteidigte er meistens mit dem derzeit verletzten Livio Stadler (21), der wie Diaz ein Zuger Eigengewächs ist. «Mit meiner Erfahrung will ich Livio helfen. Es ist schön, dass ich etwas zurückgeben kann», sagt der Führungsspieler, der zu Beginn seiner Karriere von Routinier Gaëtan Voisard lernen konnte. Diaz und Stadler analysieren die Spiele hinterher oft gemeinsam. «Für mich ist das immer auch Repetition. Von diesem Austausch profitieren wir beide.»

Diaz weiss, dass das Zuger Defensivverhalten noch ausbaufähig ist. Er sagt: «Zu Beginn der Saison haben wir dem Gegner zu viele einfache Chancen gewährt, das hat uns wehgetan.» Grosse Bedeutung misst er dem Positionsspiel bei, dem kompakten Teameffort. Dazu müssten alle Spieler ihre Aufgaben erfüllen. «In den letzten Spielen sind wir stabiler geworden. Wir haben eine Basis gefunden.»

Dem spielstarken Verteidiger kommt das System von Dan Tangnes entgegen. Der Trainer verlangt, dass seine Mannschaft in der Defensive geduldig ist und spielerische Lösungen findet, selbst wenn dabei auch mal etwas schief geht. Die Verteidiger sollen sich offensiv in Szene setzen. «So macht es natürlich Spass», sagt Diaz und schmunzelt. Die Spielfreude ist ihm gegenwärtig anzusehen.

Die Zwischenzeugnisse

Notenschlüssel:

6 – NHL-tauglich
5 – Bereit fürs Nationalteam
4 – Durchschnitt
3 – viel Luft nach oben
2 – ungenügend

Torhüter

Leonardo Genoni – Note 4

Die tiefste Fangquote in der Liga: Das entspricht nicht den Ansprüchen eines Genoni. Zu seiner Entlastung muss man aber anmerken, dass er von seinen Vorderleuten oft schmerzlich im Stich gelassen wurde.
Quali: 18 Spiele, Fangquote: 89,03 %

Luca Hollenstein – 5,5

Dass er ein Riesentalent ist, hat der 19-Jährige als Genoni-Vertreter nachdrücklich unterstrichen. Schon erstaunlich abgeklärt und stilsicher für sein Alter. Hollenstein nimmt wieder an der U20-WM teil.
Quali: 8 Spiele, Fangquote: 92,77 %

Verteidiger

Raphael Diaz – Note 6

Viel besser kann ein Schweizer Verteidiger in der National League nicht spielen. Diaz ist der Schlüsselspieler im EV Zug, er ist in allen Zonen und Situationen auf dem Eis präsent.
Quali: 25 Spiele, 8 Tore/16 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +12

Santeri Alatalo – 4

Nach der überragenden Vorsaison ist der Finne noch nicht richtig auf Touren gekommen. Defensiv bisweilen fahrig. Zusammen mit McIntyre die schlechteste Plus/Minus-Bilanz im Team.
Quali: 25 Spiele, 2 Tore/5 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –7

Jesse Zgraggen – 4,5

Der Schweiz-Kanadier ist ein Handwerker, ein robuster Defensivverteidiger. Der eine oder andere Fehler im Spielaufbau macht er mit Zweikampfstärke wett.
Quali: 21 Spiele, 0 Tore/4 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +4

Dominik Schlumpf – 4,5

Der Defensivspezialist spielt einen mehr oder weniger soliden Part. Er konnte bisher aber nicht an die starken Leistungen der vergangenen zwei Saisons anknüpfen.
Quali: 25 Spiele, 1 Tor/3 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –5

Livio Stadler – 4,5

Der 21-Jährige erhält viel Vertrauen von Trainer Dan Tangnes und kann an der Seite von Captain Diaz wachsen. Wenn er vom Gegner unter Druck gesetzt wird, hat er Probleme.
Quali: 21 Spiele, 0 Tore/5 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +9

Johan Morant – 5

An ihm weiss man, was man hat: einen unerschrockenen, harten, verlässlichen Defensivverteidiger. Auch die ZSC Lions haben seinen Wert erkannt: Geht im Sommer nach Zürich.
Quali: 19 Spiele, 2 Tore/0 Assists
Plus/Minus-Bilanz: 0

Miro Zryd – 3,5

Die Zuger Führung hat sich viel von ihm versprochen, aber auch in seiner zweiten Saison in Zug fehlt Zryd die Beständigkeit. Schliesst sich nach Saisonende dem SC Bern an.
Quali: 24 Spiele, 2 Tore/8 Assists

Plus/Minus-Bilanz: +6

Thomas Thiry – 3,5

Der 22-Jährige wurde als Nachfolger von Morant gehandelt. Aber Fehler und fehlendes Tempo machten ihn zuletzt zum Risikofaktor. Wechselt ebenfalls zum SCB.
Quali: 22 Spiele, 0 Tore/1 Assists

Plus/Minus-Bilanz: +7

Stürmer

Lino Martschini – Note 4,5

Seit er in der Sturmformation mit Grégory Hofmann spielt, kommt er wieder besser zur Geltung. Leidet derzeit etwas an Ladehemmungen, vergibt zu viele Torchancen.
Quali: 24 Spiele, 7 Tore/17 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +9

Oscar Lindberg – 3,5

Von ihm muss mehr kommen. Wenig Torgefahr und unnötige Strafen trüben die Sicht auf seine sonst ordentlichen Leistungen. Mit dem verletzten Thorell harmoniert er.
Quali: 22 Spiele, 6 Tore/7 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +1

Carl Klingberg – 4,5

Der Schwede ist gewohnt fleissig und kämpft aufopferungsvoll. Er hatte es nicht gerade leicht an der Seite von McIntyre. Seit Zehnder in dieser Linie spielt, läuft’s besser.
Quali: 23 Spiele, 5 Tore/11 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +7

Grégory Hofmann – 6

Hofmann

Hofmann

Die temporäre Torflaute mal ausser Acht gelassen: Er schiesst schweizweit am meisten Treffer, hat eine magistrale Übersicht und ist ein Teamleader. Eine Riesenverstärkung.
Quali: 25 Spiele, 17 Tore/13 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +6

Jan Kovar – 5,5

Ein zuverlässiger Zudiener für Martschini und Hofmann. Der Tscheche hat eine fantastische Übersicht und bringt für eine kreative Formation auch noch genügend Härte mit.
Quali: 25 Spiele, 8 Tore/20 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +11

Jérome Bachofner – 4

Die Verstärkung aus Zürich trägt derzeit einen Gips am Unterarm. Er bringt die erhoffte Wasserverdrängung mit, bleibt aber betreffend Torgefahr noch etwas schuldig.
Quali: 17 Spiele, 3 Tore/0 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –2

Dario Simion – 5 

Der Powerflügel beweist seine Qualitäten auch auf internationaler Bühne. Es war richtig von Sportchef Reto Kläy, mit dem kräftigen und entschlossenen Tessiner zu verlängern.
Quali: 25 Spiele, 5 Tore/8 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –4

David McIntyre – 3

Die Frage ist derzeit nicht, wie er dem Team helfen kann. Sondern, ob der EVZ den Kanadier wieder in die Spur bringt. Viele Aussetzer, er wirkt verkrampft und verunsichert.
Quali: 20 Spiele, 3 Tore/2 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –7

Sven Leuenberger – 4,5

Dem gewissenhaften Mittelstürmer wird eine grosse Zukunft vorausgesagt. Schoss seine beiden Treffer in Unterzahl. Aber er hat sein Topniveau in dieser Saison noch nicht erreicht.
Quali: 20 Spiele, 2 Tore/0 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –3

Livio Langenegger – 4,5

Er ist Profiteur der vielen Verletzten. Bekam die Chance und wusste sie zu nutzen. Erhält fast acht Minuten Eiszeit pro Spiel, der 21-Jährige kann den Durchbruch schaffen.
Quali: 18 Spiele, 1 Tor/1 Assist
Plus/Minus-Bilanz: +2

Yannick-Lennart Albrecht – 5

In seinem zweiten Jahr in Zug ist er fast nicht mehr wegzudenken. Schuftet für zwei und geht dem Gegner unter die Haut. Stiehlt viele Pucks dank seiner Reichweite.  
Quali: 25 Spiele, 3 Tore/4 Assists
Plus/Minus-Bilanz: 0

Yannick Zehnder – 4,5 

Trainer Tangnes hat ihn in die zweite Sturmlinie befördert. Das hat er sich verdient. Er ist verlässlich und stark am Puck. Sollte mit seinen Fähigkeiten noch torgefährlicher werden.
Quali: 25 Spiele, 2 Tore/3 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +5

Fabian Schnyder – keine Benotung

Das EVZ-Urgestein hat nur fünf Meisterschaftsspiele bestritten und fällt wegen Hüftproblemen bis zum Saisonende aus. Seine Zukunft ist noch unklar.
Quali: 5 Spiele, 0 Tore/0 Assists
Plus/Minus-Bilanz: –3

Sven Senteler – keine Benotung

Wie Schnyder ist auch Senteler früh in der Saison ausgefallen (Schulterverletzung). Nach seiner Rückkehr wird der Center dem EVZ wieder mehr Tiefe verleihen.
Quali: 7 Spiele, 1 Tor/2 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +5

Erik Thorell – keine Benotung

Der kämpferische und schnelle Flügel aus Schweden hat seine Qualitäten noch nicht dauerhaft unter Beweis stellen können: Armbruch nach Sturz mit dem Velo.
Quali: 8 Spiele, 3 Tore/3 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +4

Dario Meyer – keine Benotung

Der Leihspieler aus Davos hat sich nach seiner Ankunft problemlos in die Zuger Mannschaft integriert und seinen Dienst erfüllt. Inzwischen ist der Flügel zum HCD zurückgekehrt.
Quali: 13 Spiele, 1 Tor/2 Assists
Plus/Minus-Bilanz: +1

Ebenfalls eingesetzt: Dario Wüthrich, Jordann Bougro, Dominik Volejnicek

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