EVZ-Routinier Schnyder: «Es ist verrückt, wie sich alles verändert hat»

Fabian Schnyder bestreitet in Zug seine 16. Profisaison, der 33-Jährige steht für Fleiss und Loyalität. Die Chancen sind gross, dass er 2020 seine Karriere beenden wird. Nun aber konzentriert er sich ganz auf die Playoff-Serie gegen Lugano. 

Sven Aregger
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Vorzeigekämpfer Fabian Schnyder will in den Playoffs einmal mehr mit gutem Beispiel vorangehen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 22. Januar 2019))

Vorzeigekämpfer Fabian Schnyder will in den Playoffs einmal mehr mit gutem Beispiel vorangehen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 22. Januar 2019))

Als der Zuger Trainer Dan Tangnes nach dem Cupsieg vor gut einem Monat vor die Journalisten trat, kam er schnell auf Fabian Schnyder zu sprechen. Das hatte durchaus seinen Grund, Schnyder ist eine Institution in Zug, einer jener Spieler, welche die Klubs als «Franchise Players» bezeichnen und deren Trikots sie nach dem Karriereende gerne unters Stadiondach hängen. Tangnes lenkte das Gespräch auf Schnyder, weil er damit verdeutlichen wollte, wie schwierig es ist, einen Titel zu gewinnen. «Schnitz», wie er gerufen wird, musste sich dafür bis in seine 16. EVZ-Profisaison gedulden. Der 33-jährige Flügel sagt: «Für solche Momente spiele ich Eishockey. Denn letztlich zählen nur die Titel.»

Dass Tangnes speziell Schnyder hervorhob, lässt sich auch als kleine Würdigung verstehen, als ein Zeichen des Respekts vor einem Spieler, der sich immer für seinen Verein zerrissen hat. Schnyder, der ehemalige Captain, ist kein grosser Skorer und auch keiner, der in der Kabine den Chef markiert. Seine Leaderqualitäten beweist er durch eine vorbildliche Arbeitsmoral, durch Fleiss und Loyalität. «Er blockt die Schüsse der Gegner in jedem beliebigen Spiel mit der gleichen Hingabe. Das ist Leadership», lobt Tangnes. 

Verschleisserscheinungen und Zukunftsgedanken

Bevor Fabian Schnyder zu den Profis aufstieg, holte er gemeinsam mit dem Verteidiger und aktuellen Captain Raphael Diaz zwei Titel mit den Elite-Junioren. Damals kehrte Meistertrainer Sean Simpson zum Klub zurück, es war eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar. Aber der EV Zug war zu Beginn der 2000er-Jahre noch ein anderer Verein, weit entfernt von der professionellen Vorzeigeorganisation, zu der er sich inzwischen entwickelt hat. Es gab zu jener Zeit nicht viel mehr als Eistrainings und Spiele. Heute werden die Spieler über das ganze Jahr individuell betreut, sie erhalten Ernährungsberatung und umfangreiche Videoanalysen. Für nahezu alle Aspekte stehen Spezialtrainer zur Verfügung, die Abläufe sind bis ins Detail strukturiert. Schnyder sagt: «Es ist schon verrückt, wie sich alles verändert hat. Eishockey ist heute Business.» Auch der Sport selber hat sich enorm weiterentwickelt. «Jedes Jahr wird das Spiel schneller, die Schüsse werden härter und platzierter, die Goalies besser, das Material fortschrittlicher», erzählt Schnyder.

Das stellt einen altgedienten Stürmer wie ihn, der bereits über 850 Partien in der National League bestritten hat, vor Herausforderungen. Am Anfang seiner Laufbahn war er einer der schnellsten Flügel der Liga. Und jetzt? Während jüngere Kollegen in diesem Bereich stetig aufholen, muss er viel investieren, damit er sein Tempo zumindest halten kann. Ausserdem spürt er den Verschleiss der vielen Profijahre. Vor ein paar Jahren unterzog er sich einer Hüftoperation, nach Belastungen hat er oft Schmerzen. Allein schon aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden und des fortgeschrittenen Alters befasst sich Schnyder mit den Jahren nach seiner Aktivlaufbahn. Der ausgebildete Finanzfachmann erledigt einmal pro Woche die Büroarbeiten in der Physiotherapiepraxis seines Bruders. Um selber Patienten behandeln zu können, absolviert er derzeit die Ausbildung «Medizinische Grundlagen». Und gemeinsam mit seiner Frau hat er in Küssnacht am Rigi, wo er aufgewachsen ist, ein Haus gekauft. Schnyder hat also vorgesorgt. Sein Vertrag in Zug läuft noch bis 2020. Und auch wenn er sich alle Möglichkeiten offenhalten will, sagt er: «Die Chancen sind gross, dass ich dann aufhören werde. Es kommt auch auf die Gesundheit an. Ich werde meine Karriere sicher nicht künstlich verlängern.»

«Serie gegen Lugano wird im Kopf entschieden»

Doch die Zukunftspläne haben vorläufig keine Priorität, Schnyder konzentriert sich voll und ganz auf die Viertelfinalserie gegen den HC Lugano. Inklusive Cup haben die beiden Teams in dieser Saison siebenmal gegeneinander gespielt, Überraschungen wird es deshalb kaum mehr geben. «Es ist eine ausgeglichene Paarung, beide Mannschaften haben viel Talent. Ausschlaggebend werden der Wille und die Cleverness sein, die Serie wird im Kopf entschieden», glaubt Schnyder. «Wir müssen unser Konzept so durchziehen, wie wir es in der Qualifikation lange vorgemacht haben. Wichtig ist, dass wir mit reinem Gewissen in den Spiegel schauen können, dass wir uns nichts vorwerfen müssen.» Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Schnyder einmal mehr mit gutem Beispiel vorangehen wird. Er wird sich aufopfern für den Klub, der ihn über all die Jahre massgeblich geprägt hat. Die Geschichte dieser Verbundenheit wäre natürlich besonders schön, wenn sich Fabian Schnyder noch den Traum vom Meistertitel erfüllen könnte. Es ist davon auszugehen, dass Trainer Dan Tangnes in diesem Fall wieder voller Respekt über «Schnitz» sprechen würde.