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Interview

EVZ-Spieler Reto Suri: «Ich spüre, dass ich gebraucht werde»

Nach zwei schwierigen Saisons hat EVZ-Stürmer Reto Suri (29) zurück zu alter Stärke gefunden. Der junge Vater spricht über sein Familienglück, den Beinahe-Wechsel zu Lugano und seine Zukunft als Profi.
Sven Aregger
Reto Suri zählt in der laufenden Saison wieder zu den Leistungsträgern beim EV Zug. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 12. Oktober 2018))

Reto Suri zählt in der laufenden Saison wieder zu den Leistungsträgern beim EV Zug. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 12. Oktober 2018))

Reto Suri, Sie spielen bisher eine überzeugende Saison, befinden sich mit dem EVZ in allen Wettbewerben auf Kurs und sind kürzlich erstmals Vater geworden. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?

Ich könnte glücklicher nicht sein. Mein Fokus hat sich durch Tochter Alessia stark verändert, die Priorität liegt jetzt auf der Familie. Wir sind dankbar, dass alle gesund und munter sind. Meine Frau macht es wirklich toll, sie hat sich schnell in die Mutterrolle eingelebt. Ich versuche, sie zu entlasten und der Tochter möglichst viel Nähe und Geborgenheit zu geben.

Gibt Ihnen das Familienglück einen zusätzlichen Energieschub?

Ja, auch wenn es vielleicht mal zwei Stunden weniger Schlaf sind. Die Zeit, die ich mit Alessia verbringen kann, ist wunderschön und unbeschreiblich. Ich freue mich jeden Tag, nach Hause zu kommen.

Nach zwei schwierigen Saisons wirken Sie wie verwandelt. Wir sehen einen Reto Suri, der vor Selbstvertrauen strotzt, der als Anführer vorangeht und wieder Gefahr vor dem gegnerischen Tor erzeugt. Wie erklären Sie sich die Veränderung?

Eine schwierige Frage. In der vorletzten Saison, als wir in den Playoff-Final eingezogen sind, hatte ich eine extrem defensive Rolle. Offensiv konnte ich die Ansprüche nicht erfüllen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich einen Teil zum Erfolg des Teams beigetragen habe. Vergangene Saison verpasste ich den Start wegen einer Knieverletzung. Nach dem Comeback hatte ich das Gefühl, dass es aufwärts geht, ich konnte vermehrt auch wieder punkten. Doch dann folgte das Kollektivversagen in den Playoffs. Jetzt haben wir einen neuen Coaching-Staff und ein anderes Spielsystem. Wir laufen viel und wollen druckvoll auftreten. Das kommt meiner Spielweise entgegen. Die Feedbacks, die wir von den Trainern erhalten, sind für mich sehr hilfreich.

Unter Headcoach Dan Tangnes spielen Sie offensiv befreiter auf. Welchen Einfluss hat der Trainerwechsel auf Ihre Formstärke?

Er hat sicher einen Einfluss. Ich spüre, dass ich gebraucht werde und dass Trainer und Mitspieler auf mich bauen. Dieses Vertrauen tut mir gut. Ich wollte die Chance unter dem neuen Coaching-Team unbedingt packen. Am Ende zählt, dass ich zurückfinden konnte zu meinem Spiel und wieder Vertrauen habe in meine Fähigkeiten. Dafür habe ich hart gearbeitet – auch als es nicht rund lief. Das zahlt sich nun aus.

Als zuletzt einige Leistungsträger ausgefallen sind, haben Sie sofort Verantwortung übernommen und sind als «Emotional Leader» aufgetreten. Trainer und Mitspieler lobten auch Ihre Präsenz in der Kabine.

Ich versuchte schon immer, in der Garderobe das Wort zu ergreifen. Aber wenn es einem selber nicht so läuft, hält man sich zurück mit grossen Ansagen. In den letzten zwei Jahren war ich dem Druck, den die Verantwortung mit sich bringt, vielleicht nicht immer gewachsen. Durch die Ausfälle von Schlüsselspielern habe ich nun die Möglichkeit gesehen, eine grössere Rolle einzunehmen. Wichtig ist, dass man den Worten auch Taten folgen lässt. Erzählen kann man ja viel, aber man muss es auch vorleben und auf dem Eis vorangehen. Das ist mir bisher recht gut gelungen. Doch ich will nichts überbewerten.

Das heisst?

Ich sehe es als Momentaufnahme. Anfang Saison war meine Situation nicht viel anders als in den vergangenen Jahren, ich habe kein Powerplay gespielt und kam vor allem in Unterzahl zum Einsatz. Aufgrund der Verletzten spiele ich nun im Powerplay, wo man mehr Scheibenbesitz hat und das Spiel besser mitgestalten kann. Das gibt einem Selbstvertrauen bei Gleichzahl auf dem Eis. Es wird sich zeigen, wie die Linien und Special Teams aussehen, wenn die Verletzten zurückkehren. Das Wichtigste, was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe: Es ist nicht alles schlecht, wenn man mal eine schwierige Phase durchmacht. Und es ist nicht alles gut, wenn ein paar Spiele erfolgreich laufen. Man muss einen Mittelweg finden.

Noch im Sommer sah es danach aus, dass Sie den EV Zug in Richtung Lugano verlassen. Doch Zug legte schliesslich sein Veto ein. Andere Spieler würden den Kopf hängen lassen, aber Sie sind offenbar gestärkt daraus hervorgegangen.

Es war kompliziert. Ich hatte den Vertrag mit Lugano bereits unterschrieben, weil man mir in Zug den Wechsel nahegelegt hatte. Für den Transfer brauchte es aber das Einverständnis des EVZ, und am Schluss machten wir reinen Tisch. Der EVZ hat sein Recht wahrgenommen, aber mich haben die Vorkommnisse sehr getroffen. In den ersten Wochen war es nicht einfach, zumal ein Wechsel auch privat geplant werden muss. Glücklicherweise passierte das Ganze mitten im Sommer, ich konnte mich mit anderen Sachen ablenken.

«Für mich war der Verbleib immer offen. Man wird sehen, was in den nächsten Wochen passiert.»

Sie sind bekannt als Musterprofi. Haben Sie eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität entwickelt?

Nein, mit dieser Einstellung bin ich schon in eine Wand gelaufen, weil ich dann zu verbissen wurde und zu viel gewollt habe. Inzwischen spiele ich meine siebente Saison in Zug, ich fühle mich mit dem Klub stark verbunden. Für mich war daher schnell klar: Ich hatte bisher eine so gute Zeit in Zug, dass ich weiterhin das Bestmögliche für die Organisation tun will. Es bringt nichts, die Faust im Sack zu machen. Wenn man mit Freude bei der Sache ist, erhält man früher oder später auch etwas Positives zurück.

Ihr Vertrag läuft Ende Saison aus. Nach dem Sommer-Theater waren viele Beobachter überzeugt, dass Sie Ihre letzte Saison in Zug bestreiten. Nun scheint ein Verbleib beim EVZ wieder vollkommen offen.

Für mich war der Verbleib immer offen. Man wird sehen, was in den nächsten Wochen passiert.

Können Sie sich also vorstellen, Ihre Laufbahn in Zug fortzuführen?

Vorstellbar ist alles.

Liegen schon Angebote von Klubs vor?

Ja, ich habe Anfragen erhalten. Es gibt allerdings noch andere Spieler, die Entscheidungen fällen müssen und somit auch meine Zukunft beeinflussen könnten. Aber ich habe mich nie unter Druck gefühlt. Das Interesse von Lugano, einer grossen Organisation, hat mir die Sicherheit gegeben, dass es Klubs gibt, die mein Potenzial wertschätzen.

Bis wann wollen Sie Gewissheit haben?

Ich werde meine Optionen prüfen und voraussichtlich im November um die Nationalmannschaftspause herum einen Entscheid treffen. Vor Ende Oktober wollte ich keine Verhandlungen führen, sondern mich ganz auf den Saisonstart konzentrieren.

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