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Interview

EVZ-Trainer Dan Tangnes: «Manchmal brodelt es in mir»

Trainer Dan Tangnes (40) spricht über den durchzogenen Saisonstart des EV Zug und sagt: «Wir müssen lernen, mit den hohen Erwartungen umzugehen.»
Sven Aregger

Am Dienstag hat der EV Zug nach drei Niederlagen in Folge endlich wieder einen Sieg feiern können. Er bezwang Genève-Servette auswärts mit 4:2. Doch nach 15 Meisterschaftsspielen ist der EVZ, der als Titelkandidat Nummer 1 gehandelt wird und selber grosse Ambitionen hegt, noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Der norwegische Trainer Dan Tangnes, der in seiner zweiten Saison beim EV Zug steht, zieht eine erste Bilanz.

Der Zuger Headcoach Dan Tangnes. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der Zuger Headcoach Dan Tangnes. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Womit haben Sie sich auf der langen Heimfahrt am Dienstag nach dem Sieg in Genf beschäftigt?

Dan Tangnes: Wie immer haben wir Coaches das Spiel analysiert, was gut war und was nicht.

Ihre Erkenntnis?

Das erste Drittel und der Start in den zweiten Abschnitt waren überzeugend. Dann kassierten wir eine Strafe in der offensiven Zone, Genève-Servette glückte der Anschlusstreffer – und prompt schnellte unser Stresslevel nach oben. Zeitweise waren wir wie blockiert. In unseren Auftritten gibt es noch grosse Schwankungen.

Inwiefern?

Wenn es uns gut läuft und wir unbeschwert spielen können, sind wir handlungsschnell und aktiv, wir erarbeiten uns Chancen und erobern Scheiben. Aber sobald wir gestresst sind, reiht sich ein Fehler an den nächsten. Wir können keine einfachen Pässe mehr spielen, verlieren die Scheiben an den ungünstigsten Stellen und geben die Verantwortung an den Nebenmann ab. Das ist eine menschliche Reaktion, und daran müssen wir arbeiten. Der Sieg gegen Genf hilft uns dabei, unser Selbstvertrauen zu stärken.

Ist also alles eine Frage der Mentalität?

Da beginnt es. Ist man gestresst, lässt die Leistung nach, man denkt nicht mehr rational. Wir müssen lernen, mit den hohen Erwartungen umzugehen. Damit meine ich nicht in erster Linie die Erwartungen der Medien und der Fans, sondern unsere eigenen Ansprüche.

Was kann man da tun?

Wichtig ist, dass die Spieler einen kühlen Kopf bewahren. In Genf, als Servette im zweiten Drittel zurück ins Spiel fand, wollte ich zuerst ein Timeout nehmen. Aber dann entschied ich mich dagegen, weil ich das Gefühl hatte, damit die Spieler noch mehr unter Druck zu setzen. Stattdessen sagte ich ihnen, dass sie ruhig und konzentriert bleiben sollen. Wir Coaches wollen das Team in der aktuellen Lage nicht mit Details überhäufen, die Spieler sollen möglichst frei sein im Kopf. Wenn sie Angst haben, das Spiel zu verlieren, können sie keine gute Leistung bringen.

EV-Zug-Trainer Dan Tangnes: «Flippe ich aus, beunruhige ich damit die Spieler.» Bild: Pius Koller/Freshfocus (Zug, 16. September 2019)

EV-Zug-Trainer Dan Tangnes: «Flippe ich aus, beunruhige ich damit die Spieler.» Bild: Pius Koller/Freshfocus (Zug, 16. September 2019)

Der EVZ will den Titel in allen drei Wettbewerben gewinnen. Aber bisher konnte er den Erwartungen nicht gerecht werden.

Natürlich habe ich gehofft, dass wir besser in die Saison starten. Ich wusste schon im vergangenen Jahr, als die Zuzüge von Torhüter Leonardo Genoni und Stürmer Grégory Hofmann feststanden, dass die Ansprüche grösser werden. Nach dem Cupsieg, dem Einzug in den Playoff-Final und den Siegen im September in der Champions League stiegen die Erwartungen von aussen fast ins Unermessliche. Sie waren nicht mehr realistisch. Klar, wir haben noch nicht unser ganzes Können gezeigt. Aber wird stehen in der Champions League und im Cup in der nächsten Runde, und auch in der Meisterschaft sind wir nach wie vor im Geschäft. Ich versuche, den Spielern die richtigen Perspektiven zu geben. Wir können nicht kontrollieren, was die Medien schreiben und die Leute sagen. Und wir sollten uns auch nicht davon beeinflussen lassen. Aber das ist einfacher gesagt als getan.

Spüren Sie selber auch den Druck aus dem Umfeld?

Natürlich. Nach einer Niederlage fragen die Leute, was denn los gewesen sei. Das ist aber ein gutes Zeichen, es bedeutet nämlich, dass wir in der Vergangenheit vieles richtig gemacht haben und sich die Fans um uns sorgen.

Sie wirken immer sehr gelassen in der Öffentlichkeit. Spielen nach dem mässigen Saisonstart Ihre Gefühle nicht manchmal verrückt?

Ich kann schon verärgert sein, manchmal brodelt es in mir. Beispielsweise wenn die Spieler nachlässig sind im Defensivverhalten, nicht rechtzeitig zum Linienwechsel zur Bank laufen und keine Verantwortung übernehmen. Aber ein Coach beeinflusst massgeblich die Haltung einer Mannschaft. Flippe ich aus, beunruhige ich damit die Spieler. Das ist ebenso kontraproduktiv wie zu viel Lob nach einem Sieg. So verlieren die Spieler leicht den Fokus. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiss, egal ob Sieg oder Niederlage. Deshalb versuche ich, ausgeglichen zu bleiben und meine Emotionen im Griff zu behalten.

In Genf haben Sie den zuvor glücklosen Lino Martschini in die erste Linie beordert, er verbuchte zwei Tore und eine Vorlage. Die Linie Hofmann, Kovar und Martschini verspricht Spektakel. Werden wir dieses Trio öfters zusammen sehen?

Gut möglich, diese Formation hat grosses Potenzial. Und es ist wichtig, dass Lino wieder trifft. Die Chemie muss stimmen, aber die Zusammensetzung der Linien hängt auch von Verletzungen ab. Im Übrigen spielten gegen Servette die dritte und vierte Linie am besten.

Die Verteidiger Miro Zryd und Thomas Thiry, deren Verträge am Saisonende auslaufen, erhalten kaum noch Eiszeit. Was ist der Grund?

So lange alle Verteidiger gesund sind, besteht ein harter Konkurrenzkampf. Letzte Saison spielten wir wegen Verletzungen oft mit sieben Verteidigern. Aktuell sind es meist acht, aber das macht es schwierig für die Spieler, einen Rhythmus zu finden. Wir brauchen alle Spieler, auch Thiry und Zryd. Ich befasse mich nicht damit, was nächste Saison mit ihnen ist. Das ist der Job des Sportchefs.

In der vergangenen Saison stellte der EV Zug das zweitbeste Team im Boxplay, nun liegt er auf dem letzten Platz...

...was mit dem mangelnden Selbstvertrauen zu tun hat. Wir spielen ja das gleiche System und fast mit dem gleichen Personal wie in der letzten Saison, auch wenn derzeit die Unterzahl-Spezialisten Fabian Schnyder und Sven Senteler verletzt fehlen. Auch im Powerplay läuft es noch nicht nach Wunsch. Ich bin mir sicher, dass wir uns bei den Special Teams noch verbessern werden. Bei Vollbestand auf dem Eis sind unsere Werte ziemlich gut. Das stimmt mich optimistisch.

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