Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Hockeynati-Captain Diaz: «Fischer verdient grössten Respekt»

Raphael Diaz (32) hat die Schweiz als Captain zur WM-Silbermedaille geführt. Der EVZ-Verteidiger lobt die Entwicklung im Schweizer Eishockey und die Arbeit von Nationaltrainer Patrick Fischer. Gleichzeitig mahnt er, realistisch zu bleiben.
Sven Aregger
Geht mit einem guten Gefühl in die Sommerpause: der Zuger Raphael Diaz. Bild: Corinne Glanzmann (Risch, 24. Mai 2018)

Geht mit einem guten Gefühl in die Sommerpause: der Zuger Raphael Diaz. Bild: Corinne Glanzmann (Risch, 24. Mai 2018)

Raphael Diaz, Sie haben in dieser Saison gegen 90 Spiele bestritten. Wie sehr schmerzen Muskeln und Knochen?

Ein paar kleine Verletzungen kann ich nun in Ruhe ausheilen lassen. Es war eine meiner bisher längsten Saisons, die körperlich und mental viel abverlangte. Mit der WM in Kopenhagen fand sie aber ein schönes Ende.

Was überwiegt: der Stolz über WM-Silber oder die ­Enttäuschung über den knapp verlorenen Final gegen Schweden?

Ich sehe mich immer noch auf der Bank sitzen während des Penaltyschiessens. Ich wollte diesen Sieg unbedingt und war extrem nervös. Wenn man so nahe am WM-Titel ist und dann verliert, ist das schon enorm bitter. Aber wir merkten schnell, dass wir mit unserer Leistung eine Euphorie in der Schweiz ausgelöst haben. Das lässt den Schmerz über die Niederlage in den Hintergrund rücken. Wir dürfen stolz sein auf diese WM.

Beobachter sind sich uneins, ob der Auftritt der Schweiz eine Zeitenwende ist oder bloss ein Exploit unter ­optimalen Umständen. Wie sehen Sie es?

Wir sind innerhalb von fünf Jahren zweimal in den Final gekommen. Das zeigt: Wir befinden uns auf einem guten Weg, unsere Leistung ist kein Glücksprodukt. Allerdings müssen wir realistisch bleiben. Wir können nicht versprechen, dass wir jetzt an jeder WM eine Medaille holen. Das kann nicht einmal Team Canada garantieren, das dieses Jahr nur Vierter geworden ist. Das Schweizer Eishockey hat sich aber weiterentwickelt. Im Nachwuchsbereich und auch bei den Profis wird immer besser, immer detaillierter gearbeitet.

Können Sie das erläutern?

Trainingsarbeit mit Spezialisten und vertiefte Videoanalysen, wie es in Nordamerika schon länger üblich ist, erhalten auch in der Schweiz einen immer grösseren Stellenwert. Wie halte ich den Stock in der Verteidigung, in welchem Winkel stehe ich mit den Schlittschuhen, wie blockiere ich einen Schuss? Solche Fragen sind entscheidend. Unsere NHL-Stars wie Roman Josi oder Nino Niederreiter beherrschen gerade diese Details perfekt.

Praktisch alle Schweizer NHL-Profis standen zur Verfügung. Welchen Einfluss hatten Sie auf das Team?

Zu Beginn der WM-Vorbereitung waren nur die Schweizer Spieler dabei, das Niveau war da schon hoch. Als die NHL-Spieler dazustiessen, stieg es nochmals. Sie haben das ganze Team gepusht.

Hat sich die Atmosphäre in der Kabine dadurch verändert?

Wir hatten von Anfang an einen aussergewöhnlichen Spirit, und das Team ist von Tag zu Tag stärker zusammengewachsen.

Die Rede ist von einem neuen Selbstverständnis der Schweiz – vom Mut, gross zu denken. Inwiefern hat sich die Mentalität in der Nationalmannschaft verändert?

Als ich 17 oder 18 war, spielten mit Ausnahme von Mark Streit kaum Schweizer in der NHL. Mittlerweile setzten sich immer mehr Schweizer in der besten Liga der Welt durch, sie werden zu Stars. Die Spieler aus unserer National League sehen das und denken: Wenn sie das schaffen, ist das auch für uns möglich. Ich erinnere mich noch an meine erste WM 2008 in Quebec, als wir im Viertelfinal gegen Russland 0:6 untergingen. Seither haben wir grosse Fortschritte gemacht. Und die Erwartungen steigen. Es ist richtig, hohe Ansprüche zu haben. Aber wir stehen nun nicht plötzlich an der Weltspitze. Ka­nada, Schweden, Russland und die USA sind weiterhin das Mass der Dinge. Die Schweiz kommt irgendwo dahinter. Es muss vieles zusammenpassen, damit wir einen Final erreichen.

Nach dem Ausscheiden in der Viertelfinal-Qualifikation an den Olympischen Spielen ist vor allem Trainer Patrick Fischer harsch kritisiert worden. Nun wird er für sein positives Denken gelobt, für seinen Mut zur offensiven Spielweise. Welchen Anteil hat er am Erfolg?

Der Druck war enorm gross vor der WM. Aber Patrick Fischer hat seinen Optimismus beibehalten, er liess sich nicht beirren und konnte uns richtig einstellen. Das verdient grössten Respekt.

Fischer gilt als ausgezeichneter Verkäufer, er hat kaum ­Absagen erhalten. Ist dank ihm die Nationalmannschaft attraktiver geworden?

Auf jeden Fall. Vor ein paar Jahren wägten die Spieler noch ab, ob sie zur Nationalmannschaft reisen sollen. Fischer, Nati-Direktor ­Raeto Raffainer und der ganze Coaching-Staff haben es geschafft, dass die Spieler wieder mit Begeisterung zum Nationalteam stossen. Das ist wichtig für das Schweizer Eishockey.

Sie waren bereits bei der Silber-WM 2013 dabei. ­Welchen Stellenwert hat die jetzige Medaille?

Die beiden Medaillen lassen sich für mich nicht vergleichen. 2013 spielte ich mit Montreal in den NHL-Playoffs und stiess erst im letzten Gruppenspiel dazu. Ich versuchte, einfach meinen Job zu machen. Jetzt habe ich die ganze Entwicklung als Captain miterlebt, das ist schon speziell.

Ist die Medaille auch eine Ent­schädigung für das ­enttäuschende Saisonende mit Zug?

Das sind zwei verschiedene Sachen. Ich bin immer noch enttäuscht über das Viertelfinal-Aus mit Zug, auch wenn wir gegen den späteren Schweizer Meister ZSC verloren haben. Aber dank des Erfolgs mit der Nationalmannschaft kann ich jetzt mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen.

Musterprofi mit NHL-Erfahrung

Raphael Diaz ist Aushängeschild und Captain des EV Zug. Der spielstarke Verteidiger, der im Zuger Herti-Quartier in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, gilt als Profi mit mustergültigem Arbeitsethos. Er spielte in der NHL für Montréal, Vancouver, Calgary und die New York Rangers, bevor er 2016 zu seinem Stammverein Zug zurückkehrte. Am 8. August lädt der 32-Jährige zur vierten Diaz Golf Trophy auf dem Golfplatz Holzhäusern ZG. Der Erlös kommt der Nachwuchsförderung zugute. Bisher konnte Diaz rund 75'000 Franken für den Hockeynachwuchs sammeln. (ars)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.