Wohin führt der Weg der beiden Hockey-Talente Nico Gross und Tobias Geisser?

Die Verteidiger Tobias Geisser (21) und Nico Gross (20) haben bereits Erfahrungen in Nordamerika gesammelt und spielten einst Seite an Seite beim EV Zug – möglicherweise nächste Saison wieder.

Philipp Zurfluh
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Die Aussicht ist atemberaubend. In Magglingen, hoch über dem Bielersee, lässt sich in die weite Ferne blicken. Dort sind auch die Eishockeyspieler Nico Gross und Tobias Geisser zugegen. Gross absolviert die Spitzensport-RS, Geisser musste zum jährlichen WK antraben. In Magglingen dürfen sie von Top-Bedingungen profitieren. Pro Tag stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm.

Die Sportsoldaten Nico Gross (links) und Tobias Geisser haben in Magglingen sehr gute Trainingsbedingungen.

Die Sportsoldaten Nico Gross (links) und Tobias Geisser haben in Magglingen sehr gute Trainingsbedingungen.

Bild: Philipp Zurfluh (18. Juni 2020)

Nicht so klar wie die Sicht an diesem frühsommerlichen Tag ist die Zukunft der beiden Junioren-Nationalspieler. Für welches Team werden sie künftig im Einsatz stehen? Der 21-jährige Geisser kehrte im vergangenen Dezember von der NHL-Organisation Washington Capitals bis Ende Saison leihweise nach Zug zurück. «Beim EV Zug konnte ich mehr Eiszeit sammeln. Das war auch wichtig für mein Selbstbewusstsein.» Der Vertrag des Engelbergers läuft noch bis im Sommer 2022. Bislang wurde der 1,96-Meter-Mann aber nur im Farmteam Hershey Bears in der American Hockey League (AHL) eingesetzt.

Nico Gross blühte in Kanada auf

Während Geisser in der ersten Saison beim Farmteam viel Eiszeit bekam, lief es ihm im zweiten Jahr nicht nach Wunsch. Er hatte weniger Spielminuten, andere Spieler wurden ihm vorgezogen, «was natürlich auch frustrierend war», sagt der Sportsoldat.

«Aus sportlicher Sicht konnte ich mir nichts vorwerfen, doch der Konkurrenzkampf ist gnadenlos. Jeder will sich für die NHL aufdrängen.»

Sein Selbstvertrauen habe gelitten, gibt er offen zu, «aber ich schaue nach vorne.»

Deutlich mehr Vertrauen genoss zuletzt Nico Gross in Nordamerika. Der Bündner blühte in der kanadischen Juniorenliga OHL bei den Oshawa Generals auf. 33 Skorerpunkte in 53 Spielen in der Saison 2019/20 untermauern das: «Ich bekam viel Eiszeit, vor allem im Powerplay wurde ich oft eingesetzt», sagt Gross. Ein Indiz dafür, dass er in Übersee nochmals einen Schritt vorwärtsgemacht hat, ist auch eine teaminterne Auszeichnung. Der Staff der Ottawa Generals wählte den Engadiner zum besten Verteidiger des Teams. Zudem konnte er in der Funktion des Assistenzcaptains mehr Verantwortung übernehmen.

Doch wohin führt der Weg den ehemaligen EVZ-Junior aus Pontresina? Gross sagt: «Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass ich nächste Saison beim EV Zug spielen werde. Doch entschieden ist noch nichts. Ich muss geduldig bleiben.» Mit Johan Morant, Miro Zryd und Thomas Thiry verlassen drei Verteidiger den Club. Mit Claudio Cadonau und Nachwuchsspieler Dario Wüthrich stossen zwei Defensivkräfte zum Team. Es wäre also Platz da für Nico Gross. «Die National League ist eine der besten Ligen der Welt. Gerne würde ich beim EVZ meiner Karriere einen weiteren Schub verleihen», sagt der 20-Jährige, der 2018 von den New York Rangers gedraftet wurde.

«Mit der Ungewissheit umzugehen, ist schwierig»

Geisser und Gross kennen sich aus früheren Zeiten. In der Saison 2016/17 spielten sie zusammen bei der EVZ Academy in der Swiss League – in derselben Linie. Werden sie künftig gemeinsam in der National League spielen? Geisser sind derzeit die Hände gebunden, was seine Zukunft betrifft. Er geht davon aus, dass Washington ihn vor der neuen Saison nach Nordamerika zurückbeordert. Weil aber niemand weiss, wann in der NHL und die AHL die Spielzeit 2020/21 startet – zuerst wird die aktuelle NHL-Saison zu Ende gespielt –, geht Geisser nicht davon aus, dass die Capitals in naher Zukunft eine Entscheidung über seine Personalie treffen werden. «Mit dieser Ungewissheit umzugehen, ist schwierig. Es ist ein Geduldsspiel.» Das Ziel NHL ist nach wie vor präsent. «Jetzt muss ich aber Schritt für Schritt nehmen.» Nico Gross pflichtet Geisser bei: «Ich möchte nichts überstürzen.»