Kommentar zum Meistertitel
Trainer Dan Tangnes löst sein Versprechen ein: Der EV Zug hat aus der Vergangenheit gelernt

Der Schweizer Meistertitel des EV Zug ist eine grosse Erlösung für den ganzen Klub. Das Team hat die Spielphilosophie von Trainer Dan Tangnes verinnerlicht. Und bewiesen, dass es aus einer bitteren Niederlage die richtigen Lehren gezogen hat.

Philipp Zurfluh
Philipp Zurfluh
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Dan Tangnes stemmt den Pokal in die Höhe

Dan Tangnes stemmt den Pokal in die Höhe

Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zug, 7. Mai 2021)

Freitag, 7. Mai 2021 – der Tag der grossen Erlösung. Nach 23 Jahren träumen, fantasieren, bangen, ausharren und hoffen holt der EV Zug nach dem dritten Final-Sieg gegen Genf zum zweiten Mal nach 1998 den Schweizer-Meister-Titel. Diesen Moment hat Zug herbeigesehnt. Eine lange Durststrecke geht zu Ende.

Nach der Final-Niederlage im April 2019 musste Zug über sich ergehen lassen, wie der SC Bern auf dem Eis der Postfinance-Arena vor über 17000 Fans den 16. Meistertitel bejubelte. Ein Stich ins EVZ-Herz, denn verlieren ist das schlimmste Gefühl im Sport. Dann trat Trainer Dan Tangnes aus der Garderobe und sagte kämpferisch: «Ich verspreche, dass wir unsere Fans stolz machen und einen Meistertitel holen werden.» Er war überzeugt: Aus dieser negativen Erfahrung wird die Mannschaft lernen und profitieren.

Sie tat es. Die Equipe erbrachte den Beweis, dem riesigen Druck der Öffentlichkeit sowie des Umfelds gerecht zu werden. Sie gewann auch den Kampf gegen die Erwartungen, welche die Organisation an sich selbst richtete. Dafür hat sie vor zwei Jahren viel Geld in die Hand genommen und mit Goalie Leonardo Genoni und Stürmer Grégory Hofmann Meister-Qualität eingekauft. Unter dem Hashtag #EisZiel hat der Klub seine Ambitionen digital oder an Plakatwänden platziert.

Orchestriert von Tangnes und seinem Coaching-Team haben die Spieler die Spielphilosophie verinnerlicht und umgesetzt. Der charismatische und ehrgeizige Norweger ist ein Verfechter eines attraktiven, mutigen und offensiven Spielsystems. Weder neigt Tangnes nach Siegen zur Euphorie noch nach Niederlagen zum Griff des Hammers. Er hat sich zum Ziel gesetzt, in der Mannschaft eine Siegermentalität zu etablieren. Die Rekord-Qualifikation mit 119 Punkten fand zwar einen Eintrag ins Geschichtsbuch, doch das Sieger-Gen holt man in grossen Spielen, im Final. Für diese Aufgaben hat Tangnes die Mannschaft hervorragend eingestellt.

Es ist ein Titel des Kollektivs. Natürlich hatten diverse Spieler Formschwankungen, aber andere Akteure konnten deren temporären Leistungsabfall kompensieren. Zwei Niederlagen en suite waren in dieser Saison die grösste «Krise». Doch nur schon dieses Wort in Verbindung mit EVZ in den letzten sieben Monaten in den Mund zu nehmen, ist absurd.

Der Titel ist auch das Produkt einer ausbalancierten und vielseitigen Mischung an Spielermaterial: angeführt von Denker und Lenker Jan Kovar. Ergänzt mit Abschlussspezialisten wie Grégory Hofmann, Lino Martschini und Dario Simion. Angereichert mit Power-Stürmern wie Carl Klingberg und Justin Abdelkader. Und Captain Raphael Diaz steuerte die Defensive im Final in sichere Gewässer.

Im Playoff-Viertelfinal gab es sie noch zahlreich, im Halbfinal noch wenig, und im Final? Die letzten Skeptiker, die Leonardo Genonis Meisterform in Frage stellten, wurden eines Besseren belehrt. Der beste Schweizer Goalie war ein Fels in der Brandung.

Das Rezept zum Titelgewinn war auch eine ausgeglichene Aufteilung der Eiszeit auf alle vier Linien. Im Gegensatz zu den Genfern, bei denen viel Verantwortung auf weniger Schultern lastete. Ein Grund, warum die Romands im physischen Bereich nicht mehr zulegen konnten. In den letzten Jahren konnte der EV Zug sein Schönwetter-Spieler-Image nie ganz abschütteln. Doch gegen Genf demonstrierten die Zentralschweizer Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit.

Sie zogen ihre Lehren aus den negativen Erfahrung von 2019. Trainer Tangnes hat sein Versprechen eingelöst.