Mike Slongo – Kraft ist die Basis

Hockeyprofis legen im Sommer den Grundstein für die Saison. Athletikcoach Mike Slongo (45) sagt, wie das Off-Ice-Training abläuft.

Sven Aregger
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Mike Slongo macht die EVZ-Spieler fit. Hier beobachtet er Stürmer David McIntyre bei einer Kraftübung.

Mike Slongo macht die EVZ-Spieler fit. Hier beobachtet er Stürmer David McIntyre bei einer Kraftübung.

Sommertraining: «Zuerst muss ich klarstellen: Sommertraining ist ein irreführender Begriff. Er impliziert, dass die Spieler nur im Sommer abseits vom Eis trainieren. Aber das ist nicht so, sogenannte Off-Ice-Trainings finden seit Jahren über die ganze Saison statt. Wir haben eine Saisonplanung von zwölf Monaten mit verschiedenen Phasen. Die Off-Season begann dieses Jahr bereits Mitte April, weil wir in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden sind. Rund drei Wochen nach Saison­ende – unabhängig davon, nach welcher Playoff-Serie – startet jeweils der Trainingsbetrieb nach einer bereits vor den Playoffs definierten Planung. Diese Saison wurden in den ersten Wochen Trainingsvolumen und -intensität kontinuierlich gesteigert, danach enthielt das Vollprogramm bis zu elf Trainingseinheiten pro Woche. Da wir im neuen Athletiktrainerteam etwas mehr Ressourcen einsetzen können, ist eine engere Betreuung von Trainings und Spielern möglich. Anders ist das bei den Ausländern und den Spielern, die den Sommer in Nordamerika verbringen. Mit ihnen besprechen wir teilweise gewisse Trainingspunkte, aber überwachen können wir sie nicht. Künftig streben wir an, diesen Umstand zu ändern, die Art der Umsetzung ist aber noch offen.»

Trainingsmethoden: «Der absolute Schwerpunkt liegt auf dem Krafttraining in verschiedenster Ausprägung. Kraft ist für alle anderen Bereiche die Basis, auch für die Ausdauer und für die Schnelligkeit. Ein Beispiel: Wenn mir die Kraft fehlt, um mein Bein zu heben, kann ich mich nicht mehr fortbewegen, da nützt mir auch der leistungs­fähigste Stoffwechsel nichts. Es gibt aber auch Wochen, in denen wir vorwiegend im Ausdauerbereich arbeiten. Letztlich geht es darum, Trainingsadaptionen zu ermöglichen. Unsere Trainingsmethoden beruhen auf einer wissenschaftlichen Grundlage, sie sollen effektiv sein. In welchem Mass sie Wirkung erzielen, ist individuell unterschiedlich und unter anderem von genetischen Faktoren abhängig. Stetig verfolgen wir die neusten Entwicklungen und lassen diese – wo sinnvoll – ins Training einfliessen. Es gibt moderne Gadgets, die gut aussehen oder motivierend sein können. Aber es stellt sich immer die Frage, ob sich damit auch wirklich Fortschritte erzielen lassen. Die Vielfalt an Tools und Geräten ist inzwischen derart gross, dass man schnell einmal den Fokus auf die relevanten Faktoren verlieren kann.»

Leistungstests: «Wir führen seit mehreren Jahren im Saisonverlauf zu vordefinierten Zeitpunkten Leistungstests durch. Damit überprüfen wir den Leistungsstand wie auch die Leistungsentwicklung der Spieler. Vergleichende Tests zeigen ein ­positives Bild vor Saisonbeginn, das heisst: Die Leistungsfähigkeit des Teams hat sich verbessert. Die Tests sagen aber nichts darüber aus, wie die Mannschaft in der Meisterschaft abschneidet. So gab es im Frühling vor dem Viertelfinal-Aus gegen die ZSC Lions keine Anzeichen, dass die Spieler Defizite im athletischen Bereich gehabt hätten. Wie sich ein Spieler über die Saison entwickelt, ist nicht zuletzt eng mit den Eis­zeiten verknüpft. Ein Spieler, der pro Match nur fünf Minuten zum Einsatz kommt, verpasst quasi eine Trainingseinheit. Wenn er das nicht kompensiert, entwickelt sich seine athletische Verfassung negativ. Grundsätzlich haben die heutigen Spieler eine offene, professionelle Einstellung zu Themen wie Off-Ice-Training, Ernährung oder Mentalcoaching. Ein Spieler, der vor zehn oder zwölf Jahren noch aktiv war, würde den heutigen Trainingsaufwand neben dem Eis kaum mehr wiedererkennen.»