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Manchmal kamen nicht mal mehr 3000 Zuschauer

Der Zeitzeuge – Philipp Neuenschwander
Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr
Philipp Neuenschwander

Philipp Neuenschwander

«Es war eine schwierige Zeit für den EVZ, als ich 2001 von Renato Eugster angefragt wurde, ob ich Sportchef werden wolle. Der Präsident Gusti von Wartburg, der Trainer André Peloffy und der Sportchef Kurt Halm waren zurückgetreten oder entlassen worden. Ausserdem war die Taskforce am Werk, um das über die Jahre gewachsene Desaster im Team zu analysieren und die Schritte für einen Neustart aufzuzeigen.

Trotzdem sagte ich dem EVZ sofort zu. Ich konnte nicht mit ansehen, wie der Klub zu Grunde geht, in dem mein Vater während der ersten Jahre nach der Gründung Spieler und später Trainer gewesen war und in dem ich 15 Saisons gespielt hatte. Drei Jahre nach dem Meistertitel lautete meine Aufgabe, den Verbleib in der NLA zu sichern. Ich musste nach den Abgängen der drei Nationalspieler Dino Kessler, André Rötheli und Patrick Sutter im April noch eine Mannschaft auf die Beine stellen. Das war ein schwieriges Unterfangen, schliesslich hatte es zu dieser Zeit kaum noch NLA-erprobte Spieler auf dem Markt.

Trotz oder gerade wegen dieser Hindernisse am Anfang war das erste Jahr als Sportchef das schönste für mich. Wir erreichten mit einer nicht so starken Mannschaft die Playoffs, das hatten uns nicht viele zugetraut. Das Gute an der Situation war aber vor allem, dass die jungen Schnyder, Diaz, Bürgler, Truttmann, Camichel und Nüssli im NLA-Kader schnuppern durften und teilweise zu Stammspielern heranreiften.

Das zweite Jahr verlief hingegen wirklich bitter. Als ich die Mannschaft neu zusammenstellte, wollte ich mehr Talent ins Kader bringen. Die Feedbacks der Vorsaison aus dem Umfeld und der Presse waren sehr positiv. Doch schon im ersten Match zu Hause gegen Fribourg spielten das Team und vor allem der neue Ausländer Arm-strong, der später in Deutschland zum besten Verteidiger der Liga werden sollte, sehr unglücklich.

In der Folge sackte die ganze Mannschaft ab und geriet in eine Negativ­spirale. Manchmal kamen nicht einmal mehr 3000 Zuschauer in das Hertistadion – rundherum machten sich Frust und Unmut breit. Ich musste mit einem geringen Budget auskommen, das Umfeld war fragil, es gab keine finanzielle Rückversicherung. Für mich war das eine extreme Erfahrung. Meine Lehre aus dieser Krise war, dass es Talent allein nicht ausmacht, und es auch charakterstarke Typen in einem Team braucht. Als Konsequenz verpflichtete ich später Goalie Lars Weibel und holte die drei früheren Zuger Patrick Fischer, Livio Fazio und Daniel Giger zurück. Dahinter steckte harte Arbeit, ich konnte alle vom EVZ und von ihrer wichtigen Rolle in der Mannschaft überzeugen, obwohl sie Lohneinbussen in Kauf nehmen mussten.

Diese Spieler waren keine Mäuschen, sondern echte Männer. Das gilt auch für Barry Richter, der von mir am meisten unterschätzte Transfer während meiner Zeit als Sportchef. Er wurde zu einem sehr wichtigen Spieler und einem Riesentyp. Der wirkungsvollste Deal meiner Zeit war aber sicherlich Oleg Petrov, der trotz der sportlich bescheidenen Perspektiven unbedingt von Genf zu uns kommen wollte. Für Spektakel sorgte das kurzzeitige Engagement des NHL-Hau­degens Claude Lemieux als Playoff-Schreck.

Für das vierte Jahr hatte ich die Mannschaft schon zusammengestellt – doch ich bin gegangen worden, bevor ich das neue Gesicht des Teams erleben durfte. Das war bitter, aber es gehört einfach dazu.

Ich bin der Überzeugung, Negatives prägt einen Verein genauso stark wie Positives. So gesehen war das eine sehr prägende Zeit für den EVZ. Und für mich eine sehr lehrreiche.»

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr

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