Mit der Kunst der Provokation: Zug bezwingt die Tigers im Topspiel 4:2

Der EV Zug gewinnt das Spitzenspiel der Runde zu Hause gegen die SCL Tigers mit 4:2. Dabei zeigen sich die Zentralschweizer als das clevere Team der beiden Mannschaften.

Klaus Zaugg
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Die Zuger konnten gegen die SCL Tigers einen 4:2-Sieg bejubeln. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 15. Februar 2019)

Die Zuger konnten gegen die SCL Tigers einen 4:2-Sieg bejubeln. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 15. Februar 2019)

Der Begriff Playoffs bedeutet die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln. Wenn wir also beurteilen wollen, ob die Zuger für die Playoffs «zwäg» sind, dann schauen wir, ob sie auch die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln beherrschen. So gesehen stimmt der Sieg gegen die SCL Tigers im Hinblick auf die Playoffs zuversichtlich. Ein entscheidender Grund dafür war nicht alleine eine spielerische oder taktische Überlegenheit. Sondern eben diese Fähigkeit des Eishockeys mit anderen Mitteln.

Die Langnauer können gegen einen Titanen wie Zug (aus Sicht der Emmentaler ist Zug nach wie vor ein Titan) nur gewinnen, wenn ihre beiden Leitwölfe Chris DiDomenico und Harri Pesonen ihr bestes Eishockey spielen. Dabei ist die Energie des Kanadiers mindestens so wichtig wie die Dynamik des Finnen.

Thiry gewinnt spezielles Duell gegen DiDomenico

Zu Beginn des Schlussdrittels führt Zug 3:1, und die Langnauer sind nach wie vor gut genug für eine Aufholjagd. Aber Chris DiDomenico fehlt. Zugs Jungspund Thomas Thiry (21) hatte Langnaus Topskorer verbal so lange provoziert, bis beide unmittelbar nach Schluss des zweiten Drittels für je 10 Minuten auf die Strafbank geschickt wurden. Was war passiert? «Wir waren schon während des Spiels mehrmals aneinandergeraten», erzählte Thiry nach dem Match mit einem verschmitzten Lächeln wie ein Lausbub nach einem gelungenen Streich. «Von da an hat ein Wort das andere gegeben. Unmittelbar nach dem zweiten Drittel haben wir uns noch auf dem Eis die Meinung gesagt. Die Schiedsrichter forderten uns auf, die Unterhaltung zu beenden und in die Kabine zu gehen. Aber wir waren noch nicht fertig, und so bekamen wir halt beide je eine Zehnminutenstrafe.»

Er denkt kurz nach, rechnet und sagt: «Er hat ja im Spiel auch noch zwei Zweiminutenstrafen bekommen und fehlte somit seiner Mannschaft während 14 Minuten ...» War es also eine gezielte Provokation? «Nein, es hat keine Anweisung des Coaches gegeben. Alles hat sich durch die Intensität des Spiels gegeben.» Er habe seinen Job halt auf seine Weise erfüllt. «Ich werde ja nie Tore schiessen wie Rafael Diaz ...»

In Playoffs braucht es nicht nur Spieler wie Martschini und Diaz

Im Scheinwerferlicht stehen die Skorer, die eleganten «Kufentiere» wie Lino Martschini oder eben Rafael Diaz. Aber für die richtige Playoff-Mischung braucht es auch die kräftigen, rauen Kerle wie Thomas Thiry (191 cm, 98 kg).

Nebst dieser guten Mischung benötige Zug auch ein wenig den Beistand der Hockey-Götter. Der erste Treffer markierte Yannick Lennart Albrecht direkt aus dem Anspiel heraus («Bully-Tor»). So ein Tor gelingt einem Stürmer vielleicht einmal in einer Karriere. «Ich kann mich nicht erinnern, je in einem Spiel oder in einem Training so getroffen zu haben.» Zweimal trafen die Langnauer bloss die Torumrandung, und in der Endphase hatte der teuflisch schnelle Harri Pesonen die ganze Abwehr inklusive Goalie Tobias Stephan in Unterzahl ausgespielt und brachte den Puck dann doch nicht mehr über die Linie (58.).

Es wäre der Anschlusstreffer zum 4:3 gewesen und hätte den Zugern wahrscheinlich noch ein paar heisse Szenen beschert. Aber in Gefahr wären sie wohl doch nicht mehr geraten. Denn für die letzten zwei Minuten musste Chris DiDomenico noch einmal für seine Strafminuten 13 und 14 auf dem Sündenbänklein Platz nehmen. Sichtlich gereizt und emotional erhitzt durch seine Fehde gegen Thomas Thiry. Es hat den Zugern also bis ganz am Schluss geholfen, dass sie gegen diese starken Langnauer dazu in der Lage waren, Eishockey mit anderen Mitteln fortzusetzen.